Vorwahlen in mehreren US-Bundesstaaten: Chaos und kleine Überraschungen | ABC-Z

Den US-Demokraten im Kongress wird seit dem Amtsantritt von Donald Trump eine fatale Schlaffheit vorgeworfen, im Parteiestablishment scheint sich niemand zu finden, die oder der Trump und seinen Anhängerinnen mit der gebotenen Härte die Stirn bietet.
Eine der wenigen Ausnahmen ist die Texanerin Jasmine Crockett, eine Rechtsanwältin aus Dallas, die sich eine beachtliche Gefolgschaft aufgebaut hat, indem sie den MAGA-Republikanern mit harten Bandagen entgegentritt. Das Atlantic Magazine nannte sie eine „Demokratin für die Trump-Ära“, Trump attestierte ihr, wie vielen Frauen, die er als bedrohlich empfindet, einen „niedrigen IQ“.
So ruhten vor dem ersten Vorwahlabend des Wahljahres 2026 am Dienstag große Hoffnungen auf den Schultern von Crockett. Crockett kandidiert um einen der beiden Senatssitze für Texas und ein Vorwahlsieg hätte Hoffnungen auf eine charismatische Kandidatin genährt, der ein historischer Wahlsieg im zutiefst republikanischen Texas gelingen könnte und somit ein wichtiger Schritt zu einer demokratischen Mehrheit im Senat für die letzten beiden Amtsjahre Trumps.
Doch der Abend endete im Chaos. Am Ende lag ihr Gegner James Talarico in Führung, ein weit braverer, weißer junger Demokrat aus Austin. Doch endgültig entschieden war zunächst nichts. Konfusion an den Wahlurnen hatte eine Entscheidung verhindert. Zehntausende von WählerInnen waren über Neuregelungen des Wahlverfahrens fehlinformiert, ein oberster Staatsrichter musste eingreifen und eine Verlängerung der Wahl anordnen.
Erst Stunden später wurde offiziell, dass Talarico sich mit 53 Prozent der Stimmen gegen Crockett (45 Prozent) durchgesetzt hatte. Viele lesen dies als Zeichen dafür, dass die demokratische Basis für die Midterms im November, bei denen die Parlamentsmehrheiten in Washington auf dem Spiel stehen, den moderateren Weg wählen.
Kampf um dünne Mehrheiten
Das Chaos von Dallas war vielleicht mehr noch als die Niederlage von Crockett eine Vorschau auf das, was das Land in dieser Wahlsaison erwartet. Die Republikanische Partei hatte in Texas und sechs anderen Staaten die Grenzen der Wahlbezirke zu ihren Gunsten verschoben, die Demokraten zogen in New York und Kalifornien nach.
Nicht zuletzt, weil sie aus ihrem eigenen Stammbezirk ausgegrenzt wurde, hatte Crockett sich entschlossen, für den Senat und nicht noch einmal für das Repräsentantenhaus zu kandidieren.
Zu dem Chaos passte derweil, dass es auch bei den Republikanern in Texas kein Ergebnis gab. Der etwas moderatere, amtierende Senator John Cornyn lag zwar um zwei Prozent vor seinem Hardcore-MAGA-Herausforderer Ken Paxton. Da keiner von beiden 50 Prozent erlangte, müssen die beiden jedoch in eine Stichwahl gehen.
Immerhin gab es in North Carolina am Dienstag Klarheit – einem weiteren Staat, der für eine demokratische Mehrheit im Senat als unverzichtbar angesehen wird. Der überaus populäre ehemalige Gouverneur Roy Cooper wird im Herbst gegen den Trump-Protegé Michael Whatley antreten. Erst dann wird sich zeigen, ob die massive Wahlbezirk-Manipulation durch die Republikaner Whatley über die Ziellinie bringen kann.





















