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Orte des Willkommens: Kultur- und Freizeittipps der Schauspielerin Sophie von Kessel – München | ABC-Z

Für Sophie von Kessel gehört beides zu ihrem Beruf mit dazu, Film und Theater. Sowohl auf der Leinwand, im Fernsehen als auch auf der Bühne ist sie deshalb im deutschsprachigen Raum sehr präsent. Speziell für das Münchner Publikum sind ihre Rollen in „Hautnah“ an den Münchner Kammerspielen oder „Drei Mal Leben“ am Residenztheater unvergessen. In Salzburg war sie 2008 und 2009 eine moderne Buhlschaft, davor und danach arbeitete sie an ihrer Filmkarriere und immer wieder auf der Bühne, vom Tatort in der ARD bis zur „Phädra, in Flammen“ am Burgtheater.

Montag: Im Lieblingskino

Seit 27 Jahren lebt Sophie von Kessel in München. (Foto: imago images/Heinz Gebhardt)

Als Tochter eines Diplomaten bin ich mein ganzes Leben von einem Land ins andere gezogen. „Heimat“ war für mich lange ein abstrakter Begriff, ohne das Versprechen von Sicherheit oder Geborgenheit. Umso erstaunlicher ist es vielleicht, dass ich inzwischen – trotz meines Berufs als Schauspielerin – seit mehr als 27 Jahren in München lebe. Hier habe ich zwei Kinder großgezogen, die das Glück hatten, nicht ständig ihre Koffer packen zu müssen. Was wir als Familie immer gerne gemacht haben, vor allem als die Kinder kleiner waren: ins Kino gehen. Das Cadillac im Arabellapark liegt ganz in meiner Nähe und zeigt oft wunderbare Kinder- und Familienfilme. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Pixar-Filme ich dort mit meinem Sohn gesehen habe. Auch heute gehe ich noch gerne hin – weil es so angenehm gemütlich ist. Und weil man danach gegenüber im „Q&Q“ einkehren und sich mit hervorragendem Sushi belohnen kann.

Dienstag: Café mit Flair

Die lauschige Terrasse des „Café Mio“ eignet sich nicht nur für ein Frühstück, sondern auch für ein Feierabend-Bier.
Die lauschige Terrasse des „Café Mio“ eignet sich nicht nur für ein Frühstück, sondern auch für ein Feierabend-Bier. (Foto: Florian Peljak)

Ein fixer Termin in meiner Woche ist das Treffen mit einer meiner Schülerinnen von der Everding Akademie. Wir verabreden uns dafür gerne im Café Mio in der Lamontstraße, gleich um die Ecke der Schule. Es ist ein herrlich kleines Café mit einem exzellenten Frühstücksangebot – vom Avocadobrot über verschiedene Eiergerichte bis hin zu sehr gutem Müsli. Besonders das Brot ist außergewöhnlich frisch und gut, früher habe ich mir sogar manchmal einen Laib mit nach Hause genommen. Im Sommer sitzt man wunderbar draußen in der Sonne. Ich mag das gemischte Publikum: Studierende, Mütter mit Kinderwagen, ältere Herrschaften – ein Ort, an dem München sehr bei sich ist.

Mittwoch: Zeit fürs Pferd

Seit zwei Jahren gehört ein Pferd zu meinem Leben. Fridolin ist eine große Erfüllung – und zugleich eine echte Herausforderung im Alltag. Ich verbringe viel Zeit im Stall, kümmere mich um ihn und nehme regelmäßig Reitstunden. Oft vergesse ich dort die Zeit, bis mich plötzlich ein riesiger Hunger überfällt. Ganz in der Nähe gibt es das „Neptun“, einen unscheinbaren, aber wunderbaren Italiener in der Lüderitzstraße, Berg am Laim. Überschaubare Preise, ein ganz normales Publikum und die herzlichsten Gastgeber, die man sich vorstellen kann. Ich werde dort beinahe mit Umarmungen empfangen – und dieses Gefühl des Willkommen-Seins ist unbezahlbar.

Donnerstag: Fitness draußen und drinnen

In München gibt es unzählige Möglichkeiten, sich in der Natur zu bewegen. Bei Joggern besonders beliebt: die Isarauen.
In München gibt es unzählige Möglichkeiten, sich in der Natur zu bewegen. Bei Joggern besonders beliebt: die Isarauen. (Foto: Florian Peljak)

München ist eine Laufstadt. Die Möglichkeiten, sich hier in der Natur zu bewegen, sind für eine Großstadt außergewöhnlich gut. Mein Lieblingslauf führt durch die Isarauen bis zum Wehr. Wenn es sich einrichten lässt, mache ich auf dem Rückweg noch einen Abstecher zum Kontur Fitness in der Dennigerstraße. Dort trainiere ich in 20 Minuten auf der Power Plate genau die Muskeln, die beim Laufen oft zu kurz kommen. Dass es wirklich nur 20 Minuten sind, hilft enorm bei der Überwindung. Kurz, knapp – und sehr effektiv. Vom Training zum TV: Anfang März feierten wir im Münchner Gloria Palast mit dem ganzen Team die Premiere von „Einfach Elli“, in der Serie spiele ich die Krankenhaus-Geschäftsführerin Diana Sorell. Heute Abend kuschele ich mich noch einmal in meine Decke auf der Couch und schaue die Pilotfolge im ZDF ein zweites Mal, ganz für mich.

Freitag: Glanzstücke der Kunst

Die Ausstellung „Reflexion“ in der Pinakothek der Moderne zeigt zum Thema „Licht, Spiegel, Transparenz“ die Glanzstücke aus bildender Kunst, Architektur, Grafik und Design, darunter Maarten van Severens transparenter Sessel LCP (Low Chair Plastic).
Die Ausstellung „Reflexion“ in der Pinakothek der Moderne zeigt zum Thema „Licht, Spiegel, Transparenz“ die Glanzstücke aus bildender Kunst, Architektur, Grafik und Design, darunter Maarten van Severens transparenter Sessel LCP (Low Chair Plastic). (Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo))

Freitage eignen sich hervorragend für Kunst. Ich gehe dann gerne in eine der Pinakotheken, deren Ausstellungen mich eigentlich nie enttäuschen. Aktuell will ich mir in der Pinakothek der Moderne die Ausstellung „Reflexion“ anschauen. Sie befasst sich mit Licht, Spiegelungen und Transparenz. Klingt spannend – vor allem auf die Auswahl an Fotos zum Thema Selbstporträt und -spiegelung freue ich mich! Danach fahre ich mit dem Bus in die Isarvorstadt ins „Piccolo Principe“, ein seit mehr als 30 Jahren bestehender Familienbetrieb, über den man einmal treffend gelesen hat: „Hier verkehren nur Einheimische.“ Besonders zu empfehlen ist die Auswahl an Antipasti oder eines der leckeren Tagesgerichte auf der handgeschriebenen Tafel.

Samstag: Feines vom Markt

Immer mittwochs gibt es am Mariahilfplatz den Bauernmarkt, am Samstag findet der Wochenmarkt statt.
Immer mittwochs gibt es am Mariahilfplatz den Bauernmarkt, am Samstag findet der Wochenmarkt statt. (Foto: Alessandra Schellnegger)

Samstag ist Markttag. Ich treffe meine Freundin Renate auf dem Wochenmarkt am Mariahilfplatz. Nach einem kleinen Kaffee steuern wir meist ihren Lieblingsstand an: den Demeterhof von Steffen Jacobs. Steffen macht alles selbst – Käse, Wurst aus Demeter-Biofleisch von glücklichen Tieren und sogar Fisch. Es gibt dort einfach alles: eingelegte Artischocken in Öl, Orangenmarmelade, feinste Grundprodukte, sorgfältig hergestellt. Gemeinsam einzukaufen ist für uns auch eine schöne Verabredung – ein fester Anker, um sich regelmäßig zu sehen.

Sonntag: Schaurig-schöne Probe

Für die Lesereihe „Olympias Augen“ probt Sophie von Kesel Texte von Goethe bis hin zu Bram Stokers „Dracula“.
Für die Lesereihe „Olympias Augen“ probt Sophie von Kesel Texte von Goethe bis hin zu Bram Stokers „Dracula“. (Foto: imago stock&people/imago/United Archives Internatio)

Am Sonntag freue ich mich auf die Probe der Lesereihe „Olympias Augen“, die ich gemeinsam mit meiner Freundin Isabel Lhotsky am Klavier und Maria Friedrich am Cello präsentiere. Die Texte wurden vom Dramaturgen Tristan Berger zusammengestellt und kreisen um Fantastisches, Schauriges und Gespenstisches – von Goethe über Edgar Allan Poe bis zu Bram Stokers „Dracula“. Besonders daran ist für mich, dass es weit über das reine Lesen hinausgeht. Ich darf schauspielerisch gestalten, mit Musik verschmelzen, Atmosphäre erzeugen. Und genau das ist ein schöner Abschluss einer Woche in dieser Stadt.

Die in Mexiko City geborene Sophie von Kessel etablierte sich nach ihrer Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien sowie an der Juilliard School in New York früh an renommierten Bühnen wie den Münchner Kammerspielen, dem Residenztheater und dem Wiener Burgtheater. 2008/09 gab sie die Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen in „Jedermann“. Parallel zu ihrer umfangreichen Theaterarbeit ist sie eine feste Größe in Film und Fernsehen, spielte in einer Vielzahl nationaler und internationalen Produktionen. Für ihre Hauptrolle im Film „Lebendig“ erhielt sie 2020 den Preis als Beste Schauspielerin beim New Renaissance Film Festival Amsterdam sowie beim „ReelHeART Festival Toronto“.

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