Magenverkleinerung bei Adipositas: Bedingungen und Folgen | ABC-Z

AUDIO: Die Abnehmspritze: Der Gamechanger (34 Min)
Stand: 02.03.2026 16:24 Uhr
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Magenverkleinerungen wie die Schlauchmagen-OP oder ein Magenbypass können stark übergewichtigen Menschen beim Abnehmen helfen. Aber sie bergen auch Risiken. Sind Spritzen eine Alternative?
Adipositas ist eine Volkskrankheit: Mehr als 20 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben starkes Übergewicht mit deutlicher Vermehrung des Körperfettes. Das belastet den ganzen Körper und schadet dem Stoffwechsel. Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe und Gelenkbeschwerden sind häufig und können die Lebenserwartung verkürzen.
Basistherapie bei Adipositas
Die Leitlinie sieht zur Behandlung von Adipositas ein sechs- bis zwölfmonatiges Basisprogramm aus Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie vor. Damit können Betroffene im Durchschnitt 5 bis 10 Prozent ihres Körpergewichtes verlieren. Für die große Mehrheit der Menschen mit schwerem Übergewicht ist es nicht realistisch, mit diesen Maßnahmen allein auf ein gesundes Gewicht zu kommen. Um Normalgewicht zu erreichen, müsste eine 1,70 Meter große Person, die 120 Kilogramm wiegt, fast 60 Kilo abnehmen, also knapp die Hälfte ihres Körpergewichtes. Dennoch ist die konservative Therapie mit Ernährungsumstellung, Bewegung und Verhaltensanpassung immer Basis und Voraussetzung für zusätzliche Therapien mit Medikamenten oder Operationen.
Magenverkleinerung: Schlauchmagen oder Magenbypass
Eine Magenverkleinerung kommt nur bei stark übergewichtigen Patientinnen und Patienten infrage. Die sogenannten bariatrischen Operationen schränken zum einen das Fassungsvermögen des Magens ein, so dass Operierte nach dem Eingriff nur noch sehr kleine Portionen essen. Darüber hinaus haben die Eingriffe positive Effekte auf den Hormonhaushalt und den Stoffwechsel, daher sprechen Fachleute auch von metabolischer Chirurgie. Am häufigsten sind die Schlauchmagen-OP und der Magenbypass. In der Regel werden diese Eingriffe in Vollnarkose laparoskopisch durchgeführt – mit langstieligen Instrumenten über kleine Bauchschnitte von etwa einem Zentimeter
- Schlauchmagen: Bei einer Schlauchmagen-OP werden etwa 80 bis 90 Prozent des Magens entfernt. Seine Form erinnert danach an einen Schlauch, daher auch die Bezeichnung für den Eingriff. Der Restmagen hat nur noch ein Volumen von etwa 120 Milliliter.
- Magenbypass: Bei diesem Eingriff wird der Verdauungsweg umgestaltet. Der Begriff Bypass bedeutet hier so viel wie Überbrückung. Der Hauptteil des Magens und ein Stück des Dünndarms werden absichtlich vom Verdauungsweg ausgespart. Über einen kleinen Restmagen gelangt der Speisebrei direkt in einen weiter unten liegenden Darmabschnitt. Außerdem treffen die Verdauungssäfte erst später als normal auf den Nahrungsbrei, sodass insgesamt weniger Nährstoffe und damit auch weniger Kalorien vom Körper aufgenommen werden können. Fachleute sprechen von einer gewollten Malabsorption.
OP-Risiken von Schlauchmagen und Magenbypass
Bariatrische Eingriffe sind in spezialisierten Zentren bewährte Routineoperationen, aber keine risikofreien. Starkes Übergewicht erhöht das Narkoserisiko und Atemprobleme treten häufiger auf. Eine Gewichtsabnahme in den Wochen vor der OP lässt die Leber schrumpfen, erleichtert den Eingriff und senkt das Komplikationsrisiko. Dazu gehören allgemeine OP-Risiken wie Thrombose, Infektionen oder Nachblutungen sowie selten spezielle Komplikationen wie undichte Nähte. Nach Bauch-OPs kann es außerdem langfristig zu Verwachsungen oder inneren Eingeweidebrüchen (Hernien) kommen.
Nach der OP: Kleine Portionen und lebenslang Nahrungsergänzungsmittel
In der Regel können Patientinnen und Patienten nach dem Eingriff für einige Tage nur flüssige Kost und dann Joghurt oder Püriertes zu sich nehmen, bis maximal 200 Milliliter pro Mahlzeit. Anschließend werden Magen und Darm dann schrittweise wieder an feste Kost gewöhnt. Dabei gelten einige Regeln, die in der zugehörigen Ernährungsberatung vermittelt werden sollten: langsam essen und gut kauen, etwa 30 Minuten vor und nach dem Essen nichts trinken, auf proteinreiche Kost achten, fettreiche und zuckerhaltige Lebensmittel reduzieren. Nach einer bariatrischen OP müssen die Patientinnen und Patienten außerdem lebenslang nach ärztlicher Empfehlung bestimmte Vitamine und Spurenelemente als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen und regelmäßig zum Blutabnehmen, um zu prüfen, ob der Körper mit allen nötigen Mikronährstoffen versorgt ist. Dazu gehören Vitamin B12, Folsäure, Eisen, Calcium und Vitamin D.
Nebenwirkungen: Übelkeit und Kreislaufschwäche
Gerade bei einem Magenbypass kann es zum sogenannten Dumping-Syndrom kommen: Dabei werden eine frühe und eine späte Variante voneinander unterschieden. Beim frühen Dumping-Syndrom (etwa 30 Minuten nach dem Essen) gelangt unverdaute Nahrung in den Dünndarm. Der Blutdruck fällt, Benommenheit, Übelkeit, Bauchschmerzen und Schwitzen sind die Folgen. Beim selteneren, späten Dumping-Syndrom (etwa 1 bis 3 Stunden nach dem Essen) produziert der Körper zu viel Insulin und es kommt zu einer Unterzuckerung mit Schwäche, Schwindel und Schwitzen. Um Dumping-Syndrome zu vermeiden, sollten die Ernährungs-Regeln nach OP genau beachtet werden. Manchmal ist eine strenge individuelle Anpassung nötig, zum Beispiel bei Weißmehl und fetthaltigen Lebensmitteln. Auch gegen Übelkeit und Sodbrennen helfen in erster Linie Ernährungsmaßnahmen. Viele Patienten erhalten nach dem Eingriff auch Protonenpumpenhemmer, um die Magensäure zu reduzieren.
Langzeitfolgen von Magenverkleinerungen
Durch die anatomischen Veränderungen im Verdauungssystem werden viele Vitamine und Mineralstoffe schlechter aufgenommen. Ein Mangel an Mikronährstoffen wie Vitamin D und Kalzium oder Vitamin B12 muss dauerhaft ausgeglichen werden, sonst erhöht sich das Risiko für Osteoporose oder Nervenschäden. Auch Arzneimittel werden anders resorbiert, was mit dem Arzt, der Ärztin oder in der Apotheke besprochen werden muss. Außerdem besteht die Gefahr, dass verstärkt Muskelmasse verloren geht. Diese Sarkopenie kann vielfältige negative Folgen haben wie Schwäche und Sturzgefahr. Daher sind proteinreiche Ernährung und Bewegungstherapie mit Krafttraining Pflicht. Durch den starken Gewichtsverlust entstehen dennoch meist hängende Hautüberschüsse, die Krankheitswert haben können. Dann folgen nicht selten plastische Eingriffe wie eine Bauchdeckenstraffung.
Verhaltensanpassung und psychische Folgen
Die notwendige dauerhafte Anpassung des Ernährungsverhaltens, kleine Portionen und weniger Appetit können Auswirkungen auf das Sozialleben und das Genussempfinden haben. Die äußere Veränderung zum schlankeren Körper erfolgt meist schnell. Wenn das innere Erleben der eigenen Person nicht so schnell “hinterherkommt”, kann das operierte Patienten psychisch belasten. Manche Patientinnen und Patienten berichten auch eine große Unzufriedenheit, wenn der Gewichtsverlust nach ein bis zwei Jahren stagniert. Dass es nach einem Tiefpunkt des Gewichts wieder zu einer leichten Zunahme kommt, ist normal und sollte in der professionellen Beratung individuell thematisiert werden.
Die Basistherapie mit Ernährung, Bewegung und Verhaltensanpassung müssen lebenslang befolgt werden. Bei Menschen, die in alte Muster zurückfallen und wieder größere Portionen essen, kann sich der verkleinerte Magen wieder ausdehnen und es kommt zu einer erneuten Gewichtszunahme. Hier kann neben der erneuten verhaltenstherapeutischen Beratung eine Kombination mit medikamentöser Adipositastherapie sinnvoll sein.
Größere Probleme entstehen, wenn vor der OP eine unerkannte Essstörung wie Binge Eating vorlag. Wenn Essanfälle bislang zur Gefühlsregulation genutzt wurden, kann der Wegfall dieser Möglichkeit nach einer Magen-OP eine psychische Erkrankung verschlimmern.
Vorteile von Magenverkleinerungen
Der größte Vorteil einer Magenverkleinerung ist die Gewichtsabnahme. Nach Schlauchmagen-OP verlieren Patientinnen und Patienten im Schnitt etwa 25 bis 30 Prozent ihres Ausgangsgewichtes, das entspricht bis zu 70 Prozent des überschüssigen Gewichtes. Durch einen Magenbypass verlieren adipöse Menschen im Schnitt sogar bis zu 30 Prozent ihres Ausgangsgewichtes, nach 15 Jahren sind es noch immer rund 26 Prozent. Die meisten Personen berichten anschließend über bessere Beweglichkeit und ein insgesamt leichteres Lebensgefühl, auch weil zuvor erlebte gesellschaftliche Stigmatisierung verschwindet.
Gesundheitliche Vorteile
Der Gewichtsverlust wirkt sich positiv auf den Verlauf von Erkrankungen wie Bluthochdruck, Fettleber oder nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) aus. Außerdem verbessern sich häufig die Blutfettwerte, was das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall senkt. Die Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen geht ebenfalls zurück. Menschen mit Diabetes Typ 2 haben nach dem Eingriff in der Regel bessere Blutzuckerwerte, oft kann die Erkrankung sogar vollständig zurückgedrängt werden. Außerdem greift eine Adipositas-OP regulierend in das Hormonsystem ein und bringt Hunger- und Sättigungsgefühle, die bei krankhafter Adipositas oft chronisch entgleist waren, wieder ins Gleichgewicht. Das ermöglicht Patientinnen und Patienten oft überhaupt erst, die Basistherapie langfristig umzusetzen.
Voraussetzungen für eine Adipositas-OP
Eine Operation wie Schlauchmagen oder Magenbypass kommt für Personen infrage, wenn eine medizinische Notwendigkeit vorliegt (ärztliche Indikation):
- Body-Mass-Index (BMI) von 35 oder darüber, wenn zusätzlich bereits eine Folgeerkrankung wie Diabetes besteht und Basistherapien über mindestens 6 Monate nicht erfolgreich waren
- Body-Mass-Index (BMI) von 40 oder darüber, wenn Basistherapien über mindestens 6 Monate nicht erfolgreich waren
- Body-Mass-Index (BMI) von 50 und darüber. Hier gilt nach ärztlicher Leitlinie die OP von vornherein als beste und einzig sinnvolle Behandlungsoption
Außerdem ist eine OP nur möglich und sinnvoll, wenn
- ausgeschlossen wurde, dass behandelbare Erkrankungen, die zu starkem Übergewicht führen, vorliegen (zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion)
- keine gesundheitlichen Einschränkungen gegen die OP sprechen
- man bereit ist, sich nach der OP gesund zu ernähren und ausreichend zu bewegen
- aktuell keine instabile psychische Erkrankung vorliegt
Die ärztliche Einschätzung erfolgt interdisziplinär in spezialisierten Adipositaszentren. Zu den nötigen Voruntersuchungen gehört ein Gespräch mit einer Fachkraft für Psychologie, Psychiatrie oder Psychosomatik. Bei einer aktiven Essstörung oder Suchterkrankung sowie bei einer unbehandelten Depression darf nicht operiert werden. Ist eine solche psychische Erkrankung aber ausreichend behandelt und der Verlauf stabil, kann eine OP durchaus infrage kommen.
Kosten für eine Magenverkleinerung
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Magenverkleinerung oder einen Magenbypass, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Dabei rechnen die meisten behandelnden Kliniken direkt mit den Krankenkassen ab. Patienten müssen dafür keinen Antrag bei der Kasse mehr stellen. Bei der Therapie in spezialisierten Behandlungszentren und chirurgisch zertifizierten Adipositas-Zentren erhalten Patienten und Patientinnen interdisziplinäre Diagnostik und Beratung. Außerdem nehmen sie mindestens über sechs Monate an einem Basisprogramm teil, um gut auf die Operation und die Zeit danach vorbereitet zu sein. Gleichzeitig wird damit ein Behandlungsversuch ohne OP dokumentiert, der für Menschen mit BMI unter 50 Voraussetzung für die Kostenübernahme der Kassen ist.
Selbstzahler müssen mit OP-Kosten von 6.000 bis 15.000 Euro rechnen, Privatversicherte brauchen ein ärztliches Gutachten und sollten damit vorab bei ihrer Versicherung einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.
Was ist der BMI?
Der Body-Mass-Index (BMI) setzt Gewicht und Körpergröße in Bezug und dient zur Klassifikation des Körpergewichts. Er errechnet sich aus Körpergewicht (kg) geteilt durch die Körpergröße (m) im Quadrat. Beispiel: Ein Mensch mit einer Körpergröße von 1,67 Metern und einem Gewicht von 90 Kilogramm liegt mit seinem BMI-Wert von 32,3 im Bereich Adipositas Grad I. Im Internet lassen sich viele Seiten mit kostenlosem BMI-Rechner finden, etwa bei den Krankenkassen.
- BMI 18,5 bis 24,9 = Normalgewicht
- BMI 25 bis 29,9 = Übergewicht
- BMI 30 bis 34,9 = Adipositas Grad I
- BMI 35 bis 39,9 = Adipositas Grad II
- BMI größer als 40 = Adipositas Grad III
Spritze als Alternative zur OP?
Mit dem Begriff Abnehmspritze sind Wirkstoffe wie Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid gemeint. Diese werden je nach Mittel täglich oder wöchentlich gespritzt und verringern den Appetit. Sie sind bereits ab einem BMI von 30 zugelassen, sogar schon ab 27, wenn weitere Gesundheitsprobleme wie etwa Bluthochdruck vorliegen. Das Einsatzgebiet der Abnehmspritzen liegt also mehr im Bereich von mäßigem Übergewicht und Adipositas Grad I. Bei höherem BMI deutet eine Kohortenstudie darauf hin, dass bariatrische Eingriffe hinsichtlich Gewichtsabnahme und Therapiekosten effektiver sind als Medikamente. Eine andere Studie legt nahe, dass OPs auch bei der Verbesserung von Gesundheitsparametern mehr Vorteile haben als die Abnehmspritze. Fachleute sehen die Medikamente derzeit vor allem als Ergänzung zur OP. Sie können helfen, das Gewicht vor dem Eingriff zu verringern – das senkt auch das Risiko für Komplikationen. Außerdem ist der Einsatz nach der OP möglich, um langfristig beim Abnehmen zu helfen. Die Abnehmspritze ist allerdings keine Kassenleistung. Patientinnen und Patienten müssen die Kosten zwischen 175 und über 500 Euro monatlich selbst tragen.
























