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Spritpreise steigen kräftig wegen Iran-Krieg | ABC-Z

Der Krieg im Nahen Osten sorgt für erhebliche Turbulenzen an den Energie- und Finanzmärkten. Rasant steigende Öl-, Benzin– und Gaspreise, fallende Aktienkurse und neue Inflationssorgen erhöhen die Unsicherheit – mit potenziellen Folgen für die deutsche Wirtschaft.

Als zentrales Risiko gilt ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises, insbesondere falls die Straße von Hormus blockiert bleibt. Ein solches Szenario könnte nicht nur Verbraucher und Unternehmen belasten, sondern auch den Inflationsdruck verstärken.

An den Tankstellen sind die Auswirkungen bereits sichtbar. Laut ADAC kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Sonntag 1,794 Euro – 1,6 Cent mehr als am Freitag vor Beginn der Angriffe. Damit wurde ein Preisniveau erreicht wie zuletzt im Mai 2024.

Diesel verteuerte sich im gleichen Zeitraum um 1,3 Cent auf 1,759 Euro je Liter – der höchste Stand seit April 2024.

Am 2. März beschleunigte sich der Preisanstieg weiter. „Die Zahlen am Vormittag deuten auf eine Dimension von drei bis vier Cent“, sagte ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Sollte sich dies bestätigen, könnte Diesel den höchsten Preis seit 2023 erreichen.

Ob die Preise weiter steigen, hängt maßgeblich von der Entwicklung am Ölmarkt ab. Sollte der Ölpreis nicht bald nachgeben, dürfte der Aufwärtstrend anhalten. Mittelfristig bestehe jedoch Hoffnung auf Entspannung, da die Opec+ höhere Fördermengen angekündigt habe.

Sparpotenzial sieht Laberer vor allem in den Abendstunden, da Kraftstoff dann meist günstiger sei als morgens. Zudem lohne sich in volatilen Zeiten der Preisvergleich besonders, da die Unterschiede zwischen Tankstellen groß sein könnten.

Noch deutlicher fiel der Preissprung beim Heizöl aus. Das Portal Heizoel24 meldete am Montagvormittag zwischenzeitlich Preise von über 120 Euro pro 100 Liter. Am Freitag hatten sie noch unter 100 Euro gelegen. Die Nachfrage sei bereits am Wochenende stark gestiegen.

Auch am Gasmarkt kam es zu einem markanten Ausschlag: Der wichtige Terminkontrakt TTF verteuerte sich zum Wochenstart um rund 25 Prozent gegenüber Freitag – der stärkste Anstieg seit August 2023. Aufgrund langfristiger Lieferverträge werden solche Großhandelspreise jedoch meist erst zeitverzögert an Endkunden weitergegeben.

In Kombination mit dem Dollarkurs bleibt der Rohölpreis der wichtigste Treiber für Sprit- und Heizölpreise. Die aktuelle Eskalation wirkt sich auch deshalb aus, weil der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt hat. Rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte passiert täglich diese Meerenge; auch Flüssiggaslieferungen sind auf die Route angewiesen.

Jede nachhaltige Störung dieses Nadelöhrs kann Energiepreise erhöhen und internationale Märkte verunsichern.

An den Aktienmärkten zeigte sich die Nervosität deutlich. Der deutsche Leitindex DAX verlor zeitweise 2,3 Prozent beziehungsweise mehr als 500 Punkte, bevor sich die Lage etwas stabilisierte. Besonders Chemie- und Tourismuswerte gerieten unter Druck.

Der Reiseverkehr in der Region ist weitgehend zum Erliegen gekommen, zahlreiche Urlauber sitzen fest. Airlines wie die Lufthansa meiden den Nahen Osten großräumig.

Investoren suchten stattdessen Sicherheit im Gold. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) näherte sich mit knapp 5.400 US-Dollar wieder dem Rekordhoch von fast 5.600 Dollar von Ende Januar.

Für die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft hängt vieles von der Dauer des Konflikts ab. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, hält die Auswirkungen bei einem kurzen Konflikt für begrenzt. Ziehe sich der Krieg jedoch hin, könnten deutlich höhere Ölpreise „signifikante“ wirtschaftliche Folgen haben.

Berechnungen der Europäische Zentralbank (EZB) zeigen laut Gitzel: Ein Anstieg des Ölpreises um 10 Prozent drückt das mittelfristige Potenzialwachstum um 0,2 Prozent. Für eine Wirtschaft, die laut Bundesregierung in diesem Jahr um rund ein Prozent wachsen dürfte, wäre das spürbar.

Auch Ulrich Kater von der DekaBank hält Ölpreise von über 100 US-Dollar pro Barrel für möglich, falls Transportwege im Golf wochenlang effektiv gesperrt würden. Derzeit zeichne sich ein solches Szenario jedoch nicht klar ab.

Jörg Krämer von der Commerzbank erwartet bei einem nur wenige Wochen dauernden Konflikt kaum direkte Effekte auf die heimische Wirtschaft. Zöge sich der Krieg über Monate hin, könnte die Inflation im Euroraum um mindestens einen Prozentpunkt steigen, während das Wachstum um einige Zehntel Prozentpunkte geringer ausfallen würde.

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