Kommentar zum Angriff auf Iran: Die machtlosen Europäer | ABC-Z

Bundeskanzler Merz wird der erste Regierungschef sein, der den amerikanischen Präsidenten trifft, seit der den Befehl gab, Iran anzugreifen. Man darf davon ausgehen, dass Trump am Dienstag eine Gratulation erwartet: zu seiner Entschlossenheit, mit aller Macht loszuschlagen, und dem Erfolg, einen „der bösartigsten Menschen der Geschichte“ ins Jenseits befördert zu haben.
Lautstark dafür loben wird Merz Trump wohl nicht. Für den getöteten Ajatollah Khamenei ist aber auch in Berlin keine Staatstrauer angeordnet worden. Auch hierzulande hat niemand vergessen, wie das Mullah-Regime im eigenen Volk wütet. Und dass es Israel auslöschen will, dessen Sicherheit in Berlin zur deutschen Staatsräson erklärt wurde – ohne dass Deutschland im Kriegsfall die Entschlossenheit und die Mittel hätte, diese Sicherheit zu gewährleisten.
Abermals haben die USA und Israel selbst wieder übernommen, was Merz nach dem Zwölftagekrieg im vergangenen Jahr zutreffend die „Drecksarbeit“ genannt hatte. Wieder enthält die Bundesregierung sich eines Urteils darüber, wie dreckig sie ist. Denn das hieße, Trump zu kritisieren, und das wollen die meisten Europäer vermeiden, wie auch schon im Fall Venezuela.
Ob Freund oder Feind: Trump verknüpft alles mit allem
Sie sind abermals nur machtlose, in vielem aber auf Trumps Wohlwollen angewiesene Zuschauer, die genau wissen, dass der amerikanische Präsident alles mit allem verknüpft, wenn ihm danach ist: Zölle, die Ukraine, die Beistandszusage für die Verbündeten. Wer, ob Freund oder Feind, ihn auf einem Gebiet verprellt, muss mit Bestrafung auch auf einem anderen rechnen.
Deshalb fallen auch die Moskauer Reaktionen auf den Enthauptungsschlag gegen den Drohnenlieferanten in Teheran moderat aus: Für Putin ist es wichtiger, dass Trump weiterhin Druck auf Kiew ausübt, einem Diktatfrieden zuzustimmen. Merz wird in Washington versuchen, dem entgegenzuwirken. Der Kanzler sollte Trump daran erinnern, dass auch das Regime in Moskau für Tod und Terror steht, im Inneren wie nach außen.





















