Politik

So isst Politik: Japanische Botschafterin kocht für FAS | ABC-Z

Anfang Januar berichtete die F.A.S. an dieser Stelle über die Kochvideos der japanischen Botschafterin. Daraufhin meldete sich die Botschaft. Der im Artikel dokumentierte Versuch der Redaktion, die von Botschafterin Shino produzierten Onigiri – Bällchen und Dreiecke aus Reis – gemäß ihrer Anleitung anzufertigen, war auf deren Anerkennung gestoßen, außerdem hatte die erwähnte F.A.Z.-Lunchbox ihr Interesse geweckt. Kein Wunder, hat Japan doch eine lange Lunchboxtradition; die sogenannten Bento-Boxen gibt es seit dem fünften Jahrhundert; damals wurden Bambusröhren mit Essen für unterwegs gefüllt.

Moderne Bento-Boxen sind heute auch in deutschen Großstädten beliebt, zumal das Essen in den kleinen Kästchen äußerst delikat aussehen kann. Die F.A.Z.-Box dagegen ist eine Lunchbox in deutscher Tradition, deutlich größer als eine Bento-Box und mit weniger Fächern. Belegte Brote passen da gut hinein oder ein Teller Eintopf zum Aufwärmen; ein Knabberdeck bietet außerdem Platz für Kekse oder Früchte.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Dass die Botschafterin sich dafür interessierte, passte zum Programm ihrer Kochvideos, die – wie sollte es bei einer Diplomatin anders sein – keine reinen Anleitungen waren, sondern am Beispiel von etwas, worauf sich alle Menschen einigen konnten – Essen –, Völkerverständigung betrieben.

Die F.A.S. überbrachte der Botschafterin eine F.A.Z.-Lunchbox. Die Botschafterin wiederum lud die Redaktion kurz darauf ein, eine von ihr persönlich befüllte Bento-Box entgegenzunehmen. Diese Woche war es so weit.

Dienstagmorgen, halb elf, in der japanischen Botschaft: Ein turbulenter Tag steht bevor, abends wird hier ein großer Empfang aus Anlass des Kaisergeburtstags gegeben. Im Aufzug stehen Mitarbeiterinnen mit Servierwagen voller Essstäbchen. Botschafterin Shino stand schon frühmorgens in der Küche, um die Bento-Box zu füllen. Eine Mitarbeiterin zeigt Videos der Produktion auf ihrem Handy. Highlight: eine Portion Reis, auf die die Botschafterin mit einem Streugewürz, Yukari Furikake, das Fraktur-F aus dem Titelkopf der F.A.Z. gezeichnet hat.

Sodann eilt Botschafterin Shino mit der fertigen Box heran. Diese ist eingewickelt in ein zart rosafarbenes Furoshiki-Tuch, worin in Japan traditionell Geschenke verpackt werden. Übergabe, Dank, dann muss sie weiter, Termine. „Ich hoffe, es schmeckt Ihnen!“

Bento-Box im Furoshiki
Bento-Box im FuroshikiFriederike Haupt

Zwei Stunden später im Büro: Die kleine Doppelstockbox enthält ein ganzes Buffet. Käse, umwickelt mit in Salz eingelegter Gurke, Rucola Ohitashi – in Brühe eingelegter Rucola mit Sesam –, Würstchen, in Oktopus-Form geschnitten, japanisches Omelette, Brokkoli, Paprika. Äpfel hat die Botschafterin so kunstvoll eingeschnitten, dass sie wie schlafende Hasen aussehen. Das Fraktur-F hat den Transport bestens überlebt. Der Reis ist noch warm. Alles schmeckt ausgezeichnet – Lunchbox-Diplomatie.

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