2800 Jahre altes Massengrab offenbart brutale Gewalt | ABC-Z

Die Geschichte der Menschheit ist untrennbar mit verschiedensten Formen von Gewalt verbunden. Exemplarisch dafür steht ein Grabfund an der archäologischen Fundstelle Gomolava nahe der heutigen Stadt Hrtkovci im Norden Serbiens. Dort wurde ein Massengrab freigelegt, das überwiegend die sterblichen Überreste von Kindern und Frauen enthält. Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass diese Personen Opfer massiver Gewalteinwirkung wurden.
Stumpfe Gewalteinwirkungen: Verletzungen offenbaren die wahre Brutalität
Die Siedlung Gomolava entstand bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. und wurde im Verlauf der Jahrhunderte von unterschiedlichen Kulturgruppen genutzt. Im 9. Jahrhundert v. Chr. verschärfte sich die Situation in der Region deutlich. Archäologische und historische Hinweise deuten auf zunehmende Spannungen und gewaltsame Auseinandersetzungen hin, deren Ursachen vermutlich in Fragen der Landnutzung und des Besitzanspruchs lagen.
In diese konfliktreiche Phase datiert ein Grabfund, der in einer Studie beschrieben und bei „Nature Human Behaviour“ veröffentlicht wurde. Im Zentrum der Untersuchung steht ein Massengrab mit einem Durchmesser von 2,9 Metern und einer Tiefe von 0,5 Metern. Trotz seiner vergleichsweise geringen Ausmaße barg es neben Tierknochen und Artefakten die Überreste von 77 Menschen. Exakte Analysen der Knochenreste ergaben, dass es sich überwiegend um Frauen und Kinder handelte.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Besonders auffällig sind die zahlreichen tödlichen Verletzungen im Bereich der Schädel. Diese weisen charakteristische Spuren stumpfer Gewalteinwirkung auf und wurden offenbar gezielt beigebracht. Anhand der Verletzungsmuster schließen die Forscher, dass die Angreifer entweder körperlich überlegen waren oder sich erhöht positionierten, möglicherweise zu Pferd. Die Vielfalt der Verletzungen legt nahe, dass unterschiedliche Werkzeuge oder Waffen zum Einsatz kamen, was auf ein systematisches und kollektives Gewalthandeln schließen lässt.
Was war der Grund für die massive Gewalt?
Zur weiteren Klärung der Hintergründe führten die Wissenschaftler umfassende genetische Analysen durch. Dabei zeigte sich, dass nur ein kleiner Teil der Bestatteten in enger verwandtschaftlicher Beziehung zueinanderstand und etwa ein Drittel seine Kindheit außerhalb der Region von Gomolava verbracht hatte. Diese Befunde sprechen für eine sozial und geografisch heterogene Gemeinschaft, die sich über längere Zeiträume hinweg formiert hatte.
Als mögliche Auslöser der Gewalteskalation werden Konflikte um Landbesitz und Ressourcennutzung diskutiert. Solche Auseinandersetzungen könnten Zwangsmigration, Vertreibung, Gefangennahme und gezielte Tötungen bestimmter Bevölkerungsgruppen nach sich gezogen haben. Da Frauen und Kinder für die demografische und soziale Stabilität einer Gemeinschaft von zentraler Bedeutung sind, interpretieren die Forscher ihre gezielte Tötung als Versuch, die genealogische Grundlage der betroffenen Gruppe nachhaltig zu zerstören.
Insgesamt verdichten sich die Hinweise darauf, dass der Tod von Frauen und Kindern nicht zufällig erfolgte, sondern als bewusst eingesetztes Mittel diente, einen eskalierenden Konflikt gewaltsam zu entscheiden.





















