High Noon in Wolfratshausen: Zum Starkbierfest füllt die Loisachtaler Bauernbühne die Loisachhalle – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Würde allein das Glücksrad entscheiden, hätte „Greenhorn“ René Beysel beste Chancen, der neue Bürgermeister in Wolfratshausen zu werden. Denn der Kandidat der Grünen dreht das Rad vor dem „Wahl-Saloon“ auf den höchsten Zahlenwert unter allen fünf Bewerbern. Für die Verlierer steht beim „High Noon in Wolfratshausen“ direkt daneben schon Berti Boandl, der Totengräber, bereit.
Damit mitten hinein in die Szenerie des diesjährigen Singspiels der Loisachtaler Bauernbühne, deren Ensemble die Bühne in der voll besetzten Loisachhalle am Freitagabend in eine Westernstadt verwandelt hatte. Vor dieser Kulisse duellierten sich Amtsinhaber Klaus Heilinglechner (BVW) und die fünf weiteren Kandidaten, wer der „beste Sheriff für Wolfratshausen“ sei. Unbeschadet sollte aber keiner der sechs Kandidaten von der Bühne abtreten. Zum süffig starken Bier teilte die Loisachtaler Bauernbühne deftig aus und begeisterte damit den Saal.

Bardame Kathi Longdrink (dargestellt von Melissa Demmel) sowie Farmerin Mary Maine (Verena Hrotko) kommentierten den „High Noon in Wolfratshausen“ bissig und trocken, erklärten alle Kandidaten zu „Maultrommlern“ und fragten sich, warum Bewerberinnen fehlten. „Wo bleibt denn da die Emanzipation? Habt ihr keinen Mumm?“, so Mary Maine. „Am 8. März ist Weltfrauentag und keine einzige von euch steht zur Wahl.“
„Du bist und bleibst ein guter Hilfssheriff“, so Heilinglechner zu Eibl
Ganz machotypisch entgegnete Heilinglechner-Darsteller Markus Auer, das persönlich gar nicht so schlimm zu finden. Auer stellte den Bürgermeister als abgeklärten Amtsinhaber dar, der schon wisse, was die Wolfratshauser wollten und auf seine Herausforderer herabsah. „Du bist und bleibst ein guter Hilfssheriff! Alles andere ist für dich zu groß“, sagte er etwa zum Zweiten Bürgermeister Günther Eibl (CSU), der nach 2020 aktuell erneut kandidiert.

An diesem Abend, neun Tage vor der Kommunalwahl 2026, hat das Singspiel der Loisachtaler Bauernbühne besondere Relevanz. Doch sämtliche Visionen werden aus Geldmangel erstickt. Darunter die von Eibl geforderte zweite Ausfahrt für den Stadtteil Farchet auf die Bundesstraße 11 oder womöglich gar eine Umgehungsstraße, genauso wie die von Heilinglechner favorisierte Altstadtsanierung. Das Projekt der S-Bahnverlängerung nach Geretsried erklärte Totengräber Berti nach 50 Jahren Planung, mehreren Neustarts im Planfeststellungsverfahren und einer Kostensteigerung auf 433 Millionen Euro für „todsicher irgendwann begraben“.
„Wolfratshausen ist doch schön genug, wie es ist“, so Fleischer
Manfred Fleischer von der Wolfratshauser Liste (dargestellt von Stefan Randi) fand sowieso, dass Wolfratshausen doch schön genug sei, wie es sei. „Am besten wir lassen alles so, wie es ist.“ Der echte Fleischer im Publikum brauchte aber starke Nerven, wurde er doch von Farmerin Mary mit einem Mitglied der Dalton-Bande verglichen. Da musste natürlich jeder im Publikum an das tollpatschige Quartett denken, die Gegenspieler von Lucky Luke aus den Comics.
Überhaupt die Wolfratshauser Liste. Die „Grufties“ sorgten doch ständig für Ärger mit ihrer Verhinderungspolitik, so Totengräber Berti. Die Gruppierung hatte etwa das Bürgerbegehren angestrengt, den Marienbrunnen in der Altstadt an seinem Standort zu belassen, was die Wolfratshauser im Entscheid mit großer Mehrheit bestätigten. Zudem wehrt sich die Gruppierung gegen Pläne für eine „Mammutbebauung“ auf der Stafflerwiese in Farchet. Doch als Fleischer das im Singspiel preisen wollte, schallte ihm ein lautes „Nein“ entgegen. Seinen Vorschlag, 100 Wohnungen am Gleisdreieck zu bauen, konterte Mary damit, dass dieses erst nach erfolgter S-Bahnverlängerung bebaut werden könne.
SPD-Kandidat Wittstadt spricht von sich selbst als „Notlösung“
Bitter wurde es auch für Renato Wittstadt (Franz Foitzik), der für die SPD als Bürgermeisterkandidat antritt. Der trug den Arm in der Schlinge und sprach von sich selbst als der „Notlösung“, als die Partei ihn brauchte. Obendrauf setzte er noch, keine Ahnung von aktuellen Themen zu haben, weil er ja seit zwölf Jahren kein Stadtratsmitglied mehr sei. Deshalb sei für ihn nur der Erhalt der Kreisklinik zentral.

Grünen-Kandidat Beysel (Michi Brauner) schlief am Anfang des Stücks mit Poncho und Sombrero vor der Hütte des Sheriffs und klapperte mit zwei Kokosnusshälften, als die anderen Kandidaten auf Steckenpferden auf die Bühne ritten. „Dich kennt doch keiner in Wolfratshausen“, musste er sich von Farmerin Mary anhören. Als er vom „moderaten Nachverdichten“ sprach, hielt sie ihm vor, dass doch die Grünen den Bauantrag der Sparkasse zu einem Neubau im Gewerbegebiet abgelehnt hätten, weil damit 20 Quadratmeter Grünstreifen verloren gingen.

Schlussendlich wurde selbst FDP-Kandidat Patrick Lechner (dargestellt von Tobias Zengerle), der sich selbst als „Patrick der Erste und Einzige“ anpries, in seinem Optimismus ausgebremst. Von Heilinglechner und Eibl musste er sich anhören, dass sein Eintreten gegen die S-Bahnverlängerung nicht mehr Stimmen bringen werde. Seine Idee, stattdessen E-Busse einzusetzen, komme viel zu spät. Überdies gebe es keine Förderung dafür. Einen Treffer konnte Lechner immerhin bei Bürgermeister und Stellvertreter landen, als er ihnen das Projekt „Parken am Hatzplatz“ vorwarf, woran die Kommune schon 50 Jahre herummurkse. Allerdings ist der Kritikpunkt überholt: In der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl 2026 hatte der Stadtrat dafür gestimmt, dort ein Parkdeck auf zwei Ebenen zu errichten.

Hans Schmidt mit Hymne verabschiedet
Applaus bekam Totengräber Berti für den Satz, dass es höchste Zeit sei, dass die ganzen Uralten im Stadtrat endlich abgewählt werden, um Platz für Jüngere zu machen. Über die größte Hymne konnte sich in diesem Singspiel aber der aus dem Gremium ausscheidende Klima- und Umweltreferent Hans Schmidt (Grüne) freuen. „Musst du jetzt gerade gehen“, dichten die Lucky Singers (Karoline Wolf, Theresa Mockenhaupt und Stephan Schwellenbach). „Es gibt doch hier keinen, der so ist wie du.“

Nach 21 Jahren war es auch das letzte Mal, dass Hans Pestel für den Bühnenbau am Singspiel verantwortlich zeichnete. Das endet mit einem Appell, am 8. März wählen zu gehen.





















