Wirtschaft

Mondlandung: Nasa ändert radikal ihre Mondfahrtpläne, um China zuvorzukommen | ABC-Z

Eine bemannte Mondlandung wird erst 2028 mit der Artemis IV-Mission angepeilt. Die Nasa versucht jetzt, die von Kostenexplosion und Pannen geprägten Pläne zu beschleunigen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Dieses Rennen wollen die USA gegen China unter keinen Umständen verlieren: wer zuerst wieder Menschen auf den Mondboden schickt und dort eine Präsenz aufbaut. Die USA kämpfen mit ihrem Artemis-Programm um den Erfolg. Doch das Vorhaben ist von mehrjährigen Verzögerungen, Kostensteigerungen und Pannen geprägt. Jetzt kündigt der relativ neue NASA-Chef Jared Isaacman radikale Änderungen im Fahrplan an.

Das Programm soll trotz eines zusätzlichen Testflugs beschleunigt und eine von Boeing zu entwickelnde leistungsstärkere Variante der Schwerlastrakete SLS eingespart werden.

Nach dem bisherigen Fahrplan sollte nach der anstehenden Mondumrundung mit der aktuellen Mission Artemis II schon beim nächsten Flug die bemannte Mondlandung der USA erfolgen. Doch der NASA-Chef will mit Artemis III jetzt doch nicht auf dem Erdtrabanten landen, sondern lieber in niedriger Erdumlaufbahn Andocktest der Orion-Kapsel entweder mit der Mondlandevariante der Starship-Rakete von Elon Musk oder dem Mondladevehikel Blue Moon von Jeff Bezos durchführen und neue Raumanzüge testen. Geplanter Start: Mitte 2027.

Damit könnte Jeff Bezos womöglich noch seinen Rivalen Elon Musk mit einem bemannten Mondlandevehikel überflügeln. Zuletzt gab es Äußerungen aus Nasa-Kreisen, die sich mit dem Entwicklungstempo der Starship-Rakete unzufrieden äußerten. Das für eine Mondlandung notwendige Schlüsselmanöver der Raketenbetankung im Weltraum wurde bislang noch nicht getestet.

Erst mit Artemis IV soll dann die bemannte Rückkehr der USA auf dem Mond erfolgen. Als Zieldatum wird 2028 genannt – das wäre noch vor den Chinesen, die 2030 anpeilen.

Nasa-Chef Isaacman wörtlich: „Angesichts der täglich zunehmenden Konkurrenz durch unseren größten geopolitischen Gegner müssen wir schneller vorankommen, Verzögerungen beseitigen und unsere Ziele erreichen.“ So sind fast dreieinhalb Jahre seit dem Start von Artemis I vergangen und der aktuell anstehende Start von Artemis II verzögert sich durch ein Problem mit der Helium-Technik, weshalb die SLS-Rakete vom Startplatz zurück in das Montagegebäude geschoben wurde. Jetzt wird April als neuer Starttermin genannt.

Diese großen Zeitabstände zwischen den SLS-Starts seien „nicht der richtige Weg nach vorne“, sagte Isaacman. Zu Zeiten der früheren Gemini- oder Apollo-Programm starteten die USA alle drei Monate eine bemannte Mission.

Das Ziel sei es daher, die SLS-Rakete in einer einheitlichen Konfiguration zu standardisieren, um ihre Zuverlässigkeit zu erhöhen und sie möglichst alle zehn Monate starten zu können. Die NASA werde die SLS-Rakete so lange einsetzen, bis es kommerzielle Alternativen für bemannte Mondflüge gibt.

Isaacman kündigte daher die Einstellung der Entwicklung einer leistungsstärkeren SLS-Oberstufe (Exploration Upper Stage) und die SLS-Weiterentwicklungen (Block IB) an, die für Ende des Jahrzehnts geplant war. Diese leistungsstärkere Oberstufe sollte unter der Regie von Boeing erfolgen, womit dem Konzern jetzt Aufträge in vermutlich Milliardenhöhe entgehen. Aus Deutschland beteiligt ist an der neuen SLS-Oberstufe der Raketenstrukturteilelieferant MT Aerospace, der zum Bremer OHB-Konzern gehört.

Einige Fragen blieben bei der Neuausrichtung des Artemis-Programms noch offen: So äußerte sich Isaacman nicht über die Zukunft zum Lunar Gateway, einer Art Umsteigeplattform für bemannte Missionen, die den Mond umkreisen soll. Wichtige Elemente dieser Raumstation befinden sich bereits im Bau.

Die Auswirkungen der Neuorganisation auf die Kosten sind ebenfalls noch unklar. Das Artemis-Programm kostet die USA noch früheren Angaben bis 2025 rund 93 Milliarden Dollar. Ein Start einer SLS-Rakete mit einer Orion-Kapsel wird auf 4,1 Milliarden Dollar veranschlagt.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.

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