Iran unter Beschuss: Donald Trump und Israel agieren | ABC-Z

Am Ende seiner Rede wendet sich Donald Trump an „das große und stolze iranische Volk“. Amerikas Präsident verspricht den Iranern die Chance, einen Regimewechsel herbeizuführen. Sobald die amerikanisch-israelische Militäroperation beendet sei, sei ihre Zeit gekommen. „Übernehmt eure Regierung, wenn wir fertig sind”, sagt er. „Es wird wahrscheinlich für Generationen eure einzige Chance sein.“ Die Revolutionsgarde und die reguläre Armee Irans rief Trump auf, ihre Waffen niederzulegen. Andernfalls würden sie getötet.
In seiner Rede begründet Trump, warum das amerikanische Militär am Morgen gemeinsam mit Israel Iran angegriffen hat. Er spricht von einer „massiven und andauernden Operation“. Laut amerikanischen Regierungsquellen wird mit einer mehrtägigen Militäraktion gerechnet. „Unser Ziel ist es, das amerikanische Volk zu beschützen, indem wir unmittelbare Bedrohungen durch das iranische Regime eliminieren“, sagt Trump. Als Bedrohungen benennt er Irans Atom- und Raketenprogramm sowie die von Iran unterstützten Milizen in der Region.
Worin die „unmittelbare“ Bedrohung besteht, erklärt der amerikanische Präsident allerdings nicht. Er sagt, Irans Raketen könnten „bald“ amerikanisches Festland erreichen. Amerikanische Geheimdienste hatten dagegen zuletzt erklärt, das Land könne von 2035 an dazu in der Lage sein. Trump sagt weiter, Iran habe versucht, sein Atomprogramm wiederaufzubauen. Konkreter wird er nicht.
Der amerikanische Präsident nennt etliche Kriegsziele. Er kündigt an, die iranische Raketenindustrie „komplett zu zerstören“. Ebenso die iranische Marine. Amerika werde verhindern, dass Iran eine Atombombe erlange, und sicherstellen, dass die von Teheran unterstützten Milizen nicht länger in der Lage sein würden, die Region zu destabilisieren. Es handle sich um eine „noble Mission“.
„Das Joch der Tyrannei abschütteln“
Die gleichen Töne schlägt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, der sich wie Trump am Samstagmorgen in einer Videobotschaft äußert. Auch er begründet den gemeinsamen Angriff zum einen mit der Abwehr einer unmittelbar bevorstehenden Bedrohung, zum anderen aber damit, dass man das iranische Volk unterstütze, das dem seit 1979 herrschenden Regime ein Ende bereiten wolle. Israel und die USA wolle man „die existenzielle Bedrohung“ durch Iran beseitigen, erklärt er. Damit werde man auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass „das tapfere iranische Volk sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann“. Die Iraner sollten „das Joch der Tyrannei abschütteln“, sagt Netanjahu. Auch der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad wendet sich auf seiner persischsprachigen Seite in dem Messengerdienst Telegram an die Iraner: Sie seien nicht allein, heißt es. „Gemeinsam werden wir Iran zu seinen glorreichen Tagen zurückführen.“
Netanjahu verkündet, die israelische Militäroperation trage den Namen „Das Brüllen des Löwen“. Damit knüpft Netanjahu an den Zwölftagekrieg vom Juni vergangenen Jahres an. Die damalige israelische Angriffsaktion hatte er „Operation sich erhebender Löwe“ getauft. Manche Beobachter sahen darin eine doppelte Anspielung: Der Löwe ist nicht nur das Symbol des biblischen Stammes Juda, sondern war bis zur Islamischen Revolution auch das Reichsemblem Irans.
Am Morgen um kurz nach acht Uhr iranischer Zeit hat die Militäroperation begonnen. Zunächst werden drei schweren Explosionen aus Teheran gemeldet. Eine davon in der Nähe der Residenz des Obersten Führers Ali Khamenei. Eine andere in der Nähe des Geheimdienstministeriums. Später werden weitere Explosionen gemeldet. Aus der Nähe des Präsidentenpalasts, eines Stützpunkts der Revolutionsgarde und vom Sitz des Nationalen Sicherheitsrats. Insgesamt ist von rund 30 Zielen die Rede.
Laut amerikanischen Medienberichten zählen zentrale Figuren der iranischen Führung zu den Zielen. Ob sie getötet wurden, bleibt zunächst offen. Irans Staatsmedien berichten nur über Führer, die angeblich wohlauf sind. Der Oberste Führer Ali Khamenei soll schon vorab an einen „sicheren Ort“ gebracht worden sein.
Auch aus zahlreichen anderen iranischen Städten werden Explosionen gemeldet, etwa aus Qom, Kermanshah, Isfahan und Täbris. Dort befinden sich wichtige Militäranlagen. Zu den Angriffszielen zählen auch Luftabwehrsysteme, wohl mit dem Ziel, später gefahrlos im iranischen Luftraum agieren zu können.
Gut drei Stunden nach dem Beginn der Angriffe startet Iran eine erste Vergeltungsaktion. Nach Angaben des israelischen Militärs werden Raketen in Richtung Israel abgefeuert, die zunächst abgefangen werden. Die Revolutionsgarde teilt mit, die Raketen- und Drohnenangriffe hätten sich gegen das Hauptquartier der Fünften Flotte der Vereinigten Staaten in Bahrain sowie weitere amerikanische Basen in Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten gerichtet. Und gegen Militäreinrichtungen in Israel. Die mit Iran verbündeten Huthis kündigten an, ihre Angriffe auf Schiffe im Roten Meer wieder aufzunehmen. Der Oberste Führer hatte mit einem „regionalen Krieg“ gedroht, sollte Iran angegriffen werden. Das Regime hatte gedroht, US-Basen in der Region anzugreifen sowie Israel und den Ölhandel in der Straße von Hormus.
Israel bereitet sich auf eine längere Auseinandersetzung vor
In Israel hieß es, man bereite sich auf eine mehrtägige kriegerische Auseinandersetzung vor. Netanjahu sagt in seiner Videoansprache, die Bürger sollten den Anordnungen der Armee folgen und „Geduld und innere Stärke“ zeigen. Im vergangenen Juni hatte es zahlreiche Einschläge iranischer Raketen in Israel gegeben, 28 Menschen waren getötet worden.
Krankenhäuser in Israel werden jetzt angewiesen, sich auf einen Notbetrieb einzurichten und ihre geschützten beziehungsweise unterirdischen Bereiche in Betrieb zu nehmen. Der Luftraum wird für den zivilen Flugbetrieb gesperrt, Flüge nach Israel werden nach Zypern und Griechenland umgeleitet.
Die israelische Armee beruft 20.000 Reservisten ein; sie sollen vor allem an der Grenze mit Libanon sowie im Westjordanland eingesetzt werden. Dort richtete die Armee umfassende Straßensperren ein. In Ostjerusalem sollte die Al-Aqsa-Moschee palästinensischen Berichten zufolge für Betende geschlossen werden.
Irans Nationaler Sicherheitsrat rief die Bewohner Teherans auf, sich, wenn möglich, in anderen Städten in Sicherheit zu bringen. Schulen und Universitäten wurden geschlossen. Banken und Behörden sollten aber weiter geöffnet bleiben. Man rechne mit einer länger anhaltenden Militäroperation, erklärte der Sicherheitsrat.
Am Freitag hatte Omans Außenminister Sayyid Badr Albusaidi einen letzten Versuch unternommen, eine militärische Konfrontation noch abzuwenden. Er war nach Washington gereist und hatte verkündet, Iran sei bereit, angereichertes Uran „auf den niedrigstmöglichen Gehalt zu verdünnen“ und auf jegliche Lagerung von angereichertem Uran zu verzichten. Eine Einigung könne umgehend erzielt werden. „Ein Friedensdeal ist in Reichweite“, sagte er. Zu dem Zeitpunkt hatten die Vorbereitungen für den Angriff wohl schon begonnen.





















