Borussia Dortmund: Peinlich für die Bundesliga | ABC-Z

Was ist nur wieder mit Dortmund los? Nach dem 2:0 im Hinspiel und einer ganzen Serie von ungeschlagenen Partien in der Bundesliga ging der BVB 1:4 in Bergamo unter. Das Aus in der Champions League vor dem Achtelfinale kommt den Verein teuer zu stehen. Wirtschaftlich, weil dem Klub mindestens elf Millionen Euro durch die Lappen gehen, die eingeplant waren. Und sportlich. Der BVB zeigt wieder zwei Gesichter, heißt es. Doch das stimmt nicht.
Der BVB spielt sogar ziemlich konstant, seit Niko Kovač vor einem Jahr Trainer wurde. Konstant mittelmäßig. In der Bundesliga gelingt ihm, gemessen an den Zahlen, die beste Saison seit Jürgen Klopp. Er war bisher nur von den Bayern zu besiegen. In der Champions League hingegen gewinnt er nur gegen die Kleinen.
Doch so rätselhaft ist das gar nicht. Es ist sogar recht einfach zu erklären. Das Aus in Bergamo ist nämlich nicht nur eine schwere Niederlage für Dortmund, sondern auch eine peinliche für die Bundesliga. Der mit Abstand zweitbeste Verein des Landes ist im europäischen Vergleich schlicht nicht gut genug.
Es war nicht nur die Niederlage in Bergamo, die Borussia blieb in diesem Jahr generell die Reife für die Champions League schuldig. Die Vorrunde schloss sie auf Platz 17 ab, gewann gerade mal drei von acht Spielen: gegen den FC Villarreal, Athletic Bilbao und beim FC Kopenhagen. Alle drei Vereine landeten weit unten in der Tabelle und schieden nach der Vorrunde aus.
Atalanta ist vor allem gegen deutsche Mannschaften stark
Manchester City und Inter Mailand waren dagegen zu stark für Dortmund, auch Tottenham Hotspur, das in seiner heimischen Liga gegen den Abstieg kämpft. Dabei müsste gemessen an den Möglichkeiten in Dortmund deutlich mehr möglich sein. Laut der Deloitte Money Football League zählt der BVB zu den zehn umsatzstärksten Champions-League-Teilnehmern in diesem Jahr. Das sollte wenigstens für das Achtelfinale reichen, die anderen neun haben es ausnahmslos geschafft.
Das sportliche Ergebnis wird noch trüber, wenn man sich anschaut, von wem sich Dortmund in den Play-offs überrumpeln ließ. Atalanta Bergamo ist eine physische und aggressive Mannschaft, so gewann sie vor zwei Jahren die Europa League. Sie spielt klassischen Underdog-Fußball, der dem Marktwert von Bergamo gerecht wird. Der liegt klar unter dem der Borussia.
Bis zum Mittwoch hatte Atalanta, das in der Vorrunde gegen den Außenseiter Slavia Prag zu Hause nicht gewann und bei Union Saint-Gilloise verlor, in neun Spielen lediglich zehn Tore geschossen. Drei davon beim ungefährdeten 3:0-Sieg in Frankfurt. Gegen Dortmund kamen vier hinzu. Mal sehen, wie viele sie in den zwei Achtelfinal-Partien gegen die Bayern schießen.
Die Fans spüren, dass nichts vorangeht
Was die Dortmunder zusätzlich schmerzen sollte: Italiens Fußball ist eigentlich abgeschlagen. Inter Mailand und Juventus Turin, gegen die Dortmund nicht gewinnen konnte, flogen diese Woche gegen Vereine aus Norwegen und der Türkei raus. Doch selbst in der kriselnden Serie A liegt Bergamo nur auf Rang 7, neunzehn Punkte hinter dem Tabellenführer.
Bezeichnend für den deutschen Fußball, wenn der Verein, der nach den Bayern die besten Voraussetzungen hat, in diesem Duell unterliegt. Borussia Dortmund mag nicht mehr Jungstars wie Erling Haaland oder Jude Bellingham in ihren Reihen haben. Durch die vielen Investitionen in den vergangenen fünfzehn Jahren hat der Verein aber den zweitteuersten Bundesligakader.
Wenn er an diesem Samstag im Spitzenspiel gegen den FC Bayern nicht verliert, wäre der BVB eine ganze Halbserie lang, nämlich siebzehn Spiele, ungeschlagen. Bei einem Sieg wäre sogar noch ein Titelrennen denkbar, obwohl Bayern die beste Saison seit Pep Guardiolas Abgang spielt. Das ist die Leistung, die man Niko Kovač anrechnen kann: Er hat die traditionell defensiv anfälligen Dortmunder stabilisiert. So kommt die hohe Punktausbeute zustande.
Die Fans aus Dortmund murrten schon vor dem Bergamo-Debakel. Sie spüren, dass nichts vorangeht, dass die sportliche Führung nur den Vorsprung verwaltet. Den Bayern kommt man damit auf Dauer nicht näher, aber es ist gut genug für Platz 2. Erst der internationale Vergleich legt dann das ganze Mittelmaß der Bundesliga offen.





















