Bezirke

Fürstenfeldbruck: Geschäftsleute klagen über Müll im Stadtzentrum – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Der Elefant saugt effektiv. In Sekundenschnelle löst Christian Müller mit dessen Rüssel die Kippen aus den Fugen des Kopfsteinpflasters in der Hauptstraße von Fürstenfeldbruck. Der 37 Jahre alte Mitarbeiter des Bauhofes ist zweimal pro Woche unterwegs, um das Zentrum der Stadt zu säubern. Etliche Geschäftsleute hatten sich im Rathaus beschwert, dass der Müll überhandnehme. „Wir haben eine Zeitlang beobachtet, wie es zugenommen hat. Die Stadt war unsauber“, sagt Franz Höfelsauer, Vorsitzender des Gewerbeverbandes.

Er berichtet von vollen Mülleimern sowie Ablagerungen rund um die Bushaltestellen und in den Baumscheiben. „Der Saustall war bodenlos“, sagt Wolfgang Lastner, der ein Geschäft in der Augsburger Straße führt. Er beklagt vor allem eine „Wüste aus Zigarettenstummeln“. Peter Schmid hat am Morgen als erstes Pappkartons weggeräumt, die jemand vor seinem Geschäft in der Schöngeisinger Straße abgelegt hat. Er ist Vorsitzender der Stadtmarketing-Gruppe, in der rund 30 Geschäftsinhaber im Zentrum organisiert sind.

Schmid klagt über Unrat um die Sitzbänke am Flussufer neben der Amperbrücke. Als weitere neue Quelle von Müll hat er die Parkscheinautomaten ausgemacht. Rund um die Stelen lägen jede Menge Quittungen, die die Geräte auswerfen. „Das sind Kleinigkeiten“, räumt er ein. „Aber man könnte es anders machen. Die Aufenthaltsqualität ist wichtig.“

Juliane Egert ärgert sich über Hundehaufen und leere Bierflaschen auf dem Gehsteig vor ihrem Stoffladen. Allerdings findet sie nicht, dass es in der jüngsten Zeit dreckiger geworden sei. Sie berichtet dagegen, der Vandalismus habe zugenommen. Nachts, an Wochenenden und während des Volksfestes seien immer wieder Blumen ausgerupft worden, die sie vor ihrem Geschäft platziert hat. Auch der Gastwirt Andreas Stipp, ein alteingesessener Brucker, findet nicht, dass es schlimmer geworden sei. Er hat das Café Brameshuber in der Hauptstraße wieder eröffnet und vor dem Eingang zwei hohe Aschenbecher installiert.

Wer an diesem Vormittag durch die Hauptstraße schlendert, gewinnt eher den Eindruck, es ist picobello. Aber das liegt wohl am Einsatz von Müller und seinem Elefanten, einem benzinbetriebenen Saug-Gerät, das ein Volumen von 120 Liter aufnehmen kann.

Franz Höfelsauer, Vorsitzender des Gewerbeverbandes, spricht für die Ladenbesitzer. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Müller sammelt neben den Kippen vor allem Pizzakartons ein und findet in den öffentlichen Abfallbehältern ziemlich viel Hausmüll und halbvolle Plastikbecher mit Kaffee, der ihm auf den orangeroten Anzug läuft, wenn er nicht aufpasst. Er hat vorher Wohnungen entrümpelt und erzählt von mancher Messie-Bleibe, die er geräumt hat. „Jetzt arbeite ich an der frischen Luft und tue etwas Sinnvolles“, sagt Müller über seinen neuen Job.

Lange Jahre war ein Mitarbeiter des Bauhofes mit einem Handkarren und Besen im Einsatz, im Stadtzentrum, aber auch im Stadtpark jenseits der Amper. Einer seiner Vorgänger habe die Tätigkeit des Mannes beendet, sagt Oberbürgermeister Christian Götz (BBV).

Nun hat der Stadtrat auf die Klagen der Geschäftsleute reagiert: Zwei neue Vollzeitstellen wurden am Bauhof geschaffen. Die Kosten belaufen sich laut Götz auf 60 000 Euro im Jahr. Müller ist bereits im Einsatz und ein Kollege wird noch eingestellt. Sie sollen auch am Geschwister-Scholl-Platz im Westen der Stadt arbeiten, der Bahnhof wäre ein weiteres lohnendes Einsatzgebiet. Außerdem wurde der Elefant repariert, der laut Oberbürgermeister fünf Jahre defekt im Bauhof stand, und die Mülleimer in der Hauptstraße sollen öfter geleert werden, wie es Geschäftsleute gefordert haben.

In den beiden vergangenen Jahren sind jeweils 110 Tonnen Müll gesammelt worden

Insgesamt haben die Mitarbeiter des Bauhofes in den Jahren 2024 und 2025 jeweils knapp 110 Tonnen Müll im gesamten Stadtgebiet eingesammelt. Dazu „wilde Ablagerungen“, etwa alte Reifen, die manche Zeitgenossen wegschmeißen. Insgesamt waren es in dieser Kategorie fast 2,5 Tonnen im Vorjahr.

Die Stadt wollte die Menge an Einweg-Verpackungen durch eine kommunale Steuer eindämmen, aber diese Möglichkeit habe die bayerische Staatsregierung gekippt, kritisiert der Oberbürgermeister. Die Kommune wolle deshalb eine neue Mehrweg-Initiative starten: Gastronomen, die solche Behältnisse anbieten, sollen einen Zuschuss bekommen.

Der Vorsitzende des Gewerbeverbandes ist skeptisch, weil es schon Versuche gab, Plastikbecher durch Pfandbehälter zu ersetzen. „Das hat sich nicht durchgesetzt“, sagt Höfelsauer. „Wir können die Leute nicht umerziehen“, sagt Schmidt von der Stadtmarketing-Gruppe. Er räumt ein, dass es einen gewissen Zusammenhang zwischen Umsatz und Hinterlassenschaften gibt. „Je höher die Frequenz, desto mehr Dreck.“

Man müsse mit der hiesigen „Wegwerfkultur“ leben und sich Lösungen einfallen lassen. Dass manche Hausbesitzer oder Hausmeister den Unrat mit einem Bläser weg von ihrem Gebäude auf den äußeren Rand des Trottoirs pusten, wie Florian Wurmbauer, der zuständige Bereichsleiter im Bauhof, berichtet, hält Schmid für wenig zielführend. „Das macht bloß Lärm und wirbelt den Dreck auf. Besen und Kehrschaufel sind das beste und schnellste“, lautet sein Ratschlag.

Außerdem empfiehlt Schmid der Stadtverwaltung einen integrierten Mülleimertyp aus der Schweiz aufzustellen: Die Öffnung sei groß genug für Pizzakartons, vorausgesetzt sie sind einmal gefaltet, und oben sei ein eigener Aschenbecher angebracht.

Back to top button