Pakistan bombardiert militärische Ziele in Afghanistan – Grenzkonflikt eskaliert weiter | ABC-Z

Als Reaktion auf Angriffe der afghanischen Taliban hat Pakistan mehrere militärische Einrichtungen in Afghanistan bombardiert. In der Hauptstadt Kabul seien mehrere Explosionen zu hören gewesen, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Darüber hinaus seien Stellungen in den Provinzen Kandahar und Paktia bombardiert worden, teilte der Sprecher der islamistischen Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, auf der Plattform X mit.
Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar bestätigte die Luftangriffe im staatlichen Fernsehsender PTV. Vor diesen Angriffen war es zu heftigen Auseinandersetzungen entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze gekommen. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die Reaktion der pakistanischen Streitkräfte sei umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen.
Grenzkonflikt zwischen Afghanistan und Pakistan eskaliert
Erst in der Nacht zum Sonntag hatte die pakistanische Armee tödliche Luftangriffe im Grenzgebiet geflogen. Nach Angaben der UN-Vertretung in Afghanistan wurden dabei mindestens 13 Zivilisten getötet, die Taliban-Regierung sprach von mindestens 18 Toten. Sie wies pakistanische Angaben zurück, dass mindestens 80 afghanische Kämpfer getötet worden seien.
Am Donnerstagabend schlugen die afghanischen Taliban zurück. Als Reaktion auf die pakistanischen Angriffe sei eine umfassende Offensive auf deren militärische Stellungen eingeleitet worden, hatte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid auf X geschrieben. Dabei seien 15 Außenposten der pakistanischen Armee eingenommen und „dutzende“ pakistanische Soldaten getötet worden. Weitere pakistanische Soldaten seien verletzt oder gefangengenommen worden.
Angaben zu möglichen Verlusten auf afghanischer Seite lagen zunächst nicht vor. Das pakistanische Informationsministerium warf den afghanischen Streitkräften vor, „unprovozierte“ Angriffe an mehreren Orten in der pakistanischen Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa ausgeführt zu haben. Auf diese Angriffe werde „unverzüglich“ und „effektiv“ reagiert, erklärte das Ministerium im Onlinedienst X.

Pakistan wirft Taliban Unterstützung von militanten Gruppen vor
Aus Islamabad wiederum hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der Hauptstadt und weitere Anschläge im Nordwesten Pakistans. Den Anschlag auf die Moschee in Islamabad vor zwei Wochen, bei dem 31 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren, hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.
Im vergangenen Oktober wurden bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die beiden Nachbarländer vereinbarten zwar schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.
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Die Nachbarländer teilen sich eine rund 2400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan entstand. Der Verlauf der als „Durand-Linie“ bekannten faktischen Grenze ist zwischen den Ländern umstritten.
os/dpa/os





















