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München: Einzelhändler sauer wegen MVG-Streik am Freitag und Samstag – drastische Auswirkungen befürchtet – München | ABC-Z

In München sorgen die angekündigten Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr vor allem im Einzelhandel für Unmut. Ausgerechnet am Freitag und Samstag – den umsatzstärksten Tagen der Woche – sollen U-Bahnen, Trambahnen und die meisten Busse stillstehen. Die Gewerkschaft Verdi hat bundesweit zum zweitägigen Warnstreik aufgerufen. Bereits in der Nacht auf Freitag wird ein Großteil der Fahrzeuge in den Depots bleiben. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) kündigt Notfahrpläne an; das Angebot hänge von der Streikbeteiligung ab. „Aber es wird spürbare Einschränkungen geben“, heißt es von einem Sprecher. Nicht bestreikt wird die S-Bahn, ebenso verkehren Busse privater Anbieter.

Für viele Händler kommt der Ausstand zu einem heiklen Zeitpunkt. „Die Nachricht, die nach draußen geht an die Gäste aus den umliegenden Landkreisen: Kommt bloß nicht nach München!“, sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern. Angesichts der gedämpften Kauflaune sei das „ein harter Schlag“. Ohlmann rechnet mit erheblichen Einbußen: „Dem Münchner Einzelhandel fehlen durch die Streiks Millionen an Umsätzen. Die Auswirkungen sind eklatant.“ Freitag und Samstag seien für viele Betriebe die entscheidenden Tage. Auch für die Beschäftigten sei die Situation schwierig, da sie trotz eingeschränkter Verbindungen zur Arbeit kommen müssten.

Wolfgang Fischer, Geschäftsführer von City Partner München, beschreibt die Stimmung ähnlich. „Unmut ist noch sehr gelinde ausgedrückt“, sagt er. Der Streik treffe nicht nur Geschäfte, sondern ebenso Gastronomie, Dienstleister sowie Kultureinrichtungen und Clubs – für sie seien Freitag und Samstag die wichtigsten Tage der Woche. Innerhalb des Altstadtrings gebe es etwa 100 000 Arbeitsplätze. „Zudem ist die Münchner Innenstadt Europas größtes Ärztezentrum – wie sollen mobilitätseingeschränkte oder ältere Patienten, die nicht Auto fahren können, in die Praxen kommen?“, fragt Fischer. Er warnt zudem vor längerfristigen Folgen: „Sarkastisch gesagt: Verdi ist der größte Förderer des Onlinehandels.“

Konkret wird Tobias Knaup, Storemanager des Sporthauses Schuster in der Innenstadt. Dass nun auch Freitag und Samstag bestreikt werden, sei „wirklich Neuland“. Unter der Woche habe man bei früheren Streiks deutliche Rückgänge bei der Kundenfrequenz beobachtet. Für das Wochenende kalkuliert Knaup mit einem spürbaren Minus: „Wir nehmen an, dass wir unter dem Strich 20 Prozent weniger Umsatz haben werden als an einem gewöhnlichen Wochenende.“

Der Zeitpunkt sei besonders bitter. Der kommende Samstag wäre aus Sicht vieler Händler der erste seit Wochen ohne zusätzliche Beeinträchtigungen gewesen: kein schlechtes Wetter, keine Sicherheitskonferenz mit weiträumigen Absperrungen, keine Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke. „Es wäre der erste normale Samstag seit Wochen“, sagt Knaup. „Da ist es einfach ärgerlich, dass nun gestreikt wird.“

Vor allem Kundinnen und Kunden aus dem Umland bereiten ihm Sorgen. „Man kann es inzwischen schon fast so sagen: Das Umland kommt nicht mehr, wenn die Stammstrecke gesperrt ist“, sagt er. Orte wie Ebersberg, Fürstenfeldbruck oder Rosenheim seien wichtige Einzugsgebiete. Fahren Bahnen nur eingeschränkt oder gar nicht, sei die Anreise kompliziert; Parkhäuser in der Innenstadt seien teuer. Die Folge: „Der Onlinehandel wird mit Sicherheit vom Stillstand am Freitag und Samstag profitieren“, so Knaup. Auch Ziele wie das Ingolstadt Village oder große Sporthäuser im Umland nennt er als Alternativen. „Was weg ist, ist weg“, sagt Knaup mit Blick auf entgangene Umsätze. Nachholeffekte habe man bei früheren Streiks kaum beobachtet.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt: Die Wetterprognose für Samstag ist gut. „Das einzige Glück, das wir haben, ist, dass vielleicht viele mit dem Fahrrad kommen“, sagt Knaup. Schließlich habe man „eine sportliche Kundschaft“.

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