Champions League: An vier Toren schuld und Platzverweis – Horror-Tag für Bensebaini | ABC-Z

Der zuletzt starke Ramy Bensebaini hat beim dramatischen Dortmunder Champions-League-Aus einen Horror-Tag erlebt. An allen vier Gegentoren in Bergamo war er maßgeblich beteiligt, flog vom Platz und verursachte dabei den entscheidenden Elfmeter. Doch Selbstmitleid und langes Hadern wären kontraproduktiv – in der Liga warten am Samstag (18.30 Uhr, Live-Ticker bei sportschau.de) die Bayern.
Das Gesicht der 1:4-Pleite, die nach dem 2:0 im Playoff-Hinspiel vor einer Woche doch noch den sicher geglaubten Weg ins Achtelfinale verbaute, war eindeutig Bensebaini. Doch allein schuld war der Algerier natürlich nicht. Insgesamt leisteten sich die Dortmunder vom Anpfiff eine kaum erklärbare Passivität in den Zweikämpfen, die Flankengeber von Bergamo hatten Zeit und Raum ohne Ende, auch das Fehlverhalten von Daniel Svensson oder Julian Ryerson auf den Außenpositionen trug dazu bei, dass Bensebaini im Zentrum immer wieder schlimm aussah.
Rettungs-Grätsche als perfekte Vorlage
Beim ersten Gegentreffer (5. Minute) wollte der Ex-Gladbacher kurz vor dem eigenen Tor per Grätsche klären, verlängerte die Hereingabe von links aber genau in den Lauf von Gianluca Scamacca, der nur noch einzuschieben brauchte. Gegentor Nummer zwei (45.) war erneut ein komplett missratener Klärungsversuch von Bensebaini: Kobel wollte den Distanzschuss von Davide Zappacosta gerade wegfausten, doch der Innenverteidiger fälschte kurz vor seinem Keeper unhaltbar ins eigene Tor ab.
Beim 0:3 wollte er dann möglicherweise nicht schon wieder alles vermasseln – Mario Pašalić deshalb am Fünfmeterraum völlig frei köpfen zu lassen, war aber auch keine gute Idee. Auch hier hatte sich der BVB zuvor aber wieder auf der Außenposition düpieren lassen, Marten de Roon durfte ungehindert flanken.
Ähnliche Gegentore wie in Leipzig
Erstaunlich war dabei, dass Dortmund immer wieder nach dem gleichen Muster in Probleme geriet, die auch Leipzig am vergangenen Samstagabend in der Bundesliga aufgedeckt hatte. Schon bei diesem 2:2 nach 0:2-Rückstand hatte sich der BVB mehrfach durch Flügelwechsel aushebeln lassen: Angriff über rechts oder durchs Zentrum, Verlagerung auf links – so fielen die beiden Gegentore durch Christoph Baumgartner.
Bei der letztlich spielentscheidenden Szene in Bergamo war es dann wieder Bensebainis Absicht, den Patzer eines Kollegen auszubügeln – was ihm aber spaktakulär und folgenschwer misslang. Torhüter Gregor Kobel hatte sich tief in der Nachspielzeit von der Hektik seiner Vorderleute anstecken lassen, das Spiel unbedingt noch vor der Verlängerung entscheiden zu wollen. Sein Pass ins Zentrum war leichte Beute für die Konterspezialisten von Atalanta, aus dem versuchten Spielaufbau des Torhüters wurde der verhängsvolle Gegenangriff.
Kobel wurde überlobt, Bensebaini wollte per Hacke klären – und verpasste dabei dem einköpfbereiten Nikola Krstović mit seinen Stollen einen blutenden Cut an der Stirn. Bensebaini hatte zwar auch den Ball getroffen, doch Krstović war minimal vor ihm an der Kugel. So ließen die Bilder vom blutenden Bergamo-Stürmer Schiedsrichter José Sánchez Martínez kaum ein andere Wahl, als nach kurzem Videostudium auf Elfmeter und Gelb-Rot für Bensebaini zu entscheiden.
Pleiten, Pech und Pannen: Ramy Bensebaini und Gregor Kobel (rechts)
BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl haderte anschließend: “Es hat hier vorher keiner an Bayern oder Arsenal gedacht, aber man muss trotzdem sagen: Wir haben es wie im Hinspiel in den ersten 25 Minuten nicht richtig angenommen.Und bei den Gegentoren haben wir natürlich fleißig mitgeholfen und Bergamo dadurch erst stark gemacht. Der Kritik müssen wir uns stellen und die ist auch berechtigt.”
Kovač: “Müssen die Dinge ansprechen”
Der Umgang mit diesem geballten Ungeschick wird nun spannend. Zumal in der Liga zuletzt bis auf den kleinen Rückschlag in Leipzig alles perfekt lief und in Deutschlands Top-Spiel bei weitem nicht alles für die Bayern spricht. Trainer Niko Kovač plant eine Mischung aus Analyse und Aufbau: “Wir müssen die Dinge natürlich ansprechen. Aber wir haben in drei Tagen ein Bundesligaspiel, das macht es nicht leichter, weil der Deutsche Meister kommt. Wir müssen uns schleunigst darauf konzentrieren, gut zu verteidigen. Wenn wir gut verteidigen, gewinnen wir Spiele. Wenn du zwei oder mehr kassierst, gewinnst du selten Spiele, schon gar nicht in der Champions League. Deshalb Kräfte bündeln, um am Samstag eine gute Performance abzuliefern.“
Auch Kapitän Emre Can spricht Klartext, will aber niemanden an den Pranger stellen: “Das waren schon Kacktore, würde ich sagen. Ich weiß nicht, welches Wort ich sonst finden sollte. Wenn du vier Tore in den Playoffs bekommst, dann ist es echt schwer. Das darf definitiv nicht passieren. Ich mache keinem einzelnen Spieler einen Vorwurf, aber wenn du so viele individuelle Fehler machst, dann wird es schwer.”






















