Leggings wieder im Trend: Ein Comeback aus der Finsternis | ABC-Z

In den ersten Tagen dieses Jahres kam die britische Ausgabe des Magazins „GQ“ mit folgender Nachricht um die Ecke: „Yes, you will be wearing slim-fit in 2026.“ Mit „you“ waren Männer gemeint, und das Jahr 2026 würde sie zurück in hautenge Jeans verfrachten. Man solle nur abwarten. Ein paar Wochen später deutet sich an: Gemeint sein könnten bald auch Frauen. Vielleicht droht ihnen kein Comeback der Skinny, aber dafür jenes ebenso enger Leggings.
Wer sich erinnert: Die Teile, meistens in Schwarz, häufig mit Steg um den Fuß, waren in den Nullerjahren vorzugsweise bei American Apparel erhältlich. Schon damals shoppte es sich in den industriell anmutenden Filialen des Anbieters mit gemischten Gefühlen. Einerseits stand AA – so die Kurzform – als Versorger für gute Basics bereit. Andererseits war klar, wer diesem Unternehmen vorstand: Dov Charney, der mehrere Prozesse wegen sexueller Belästigung am Laufen hatte. Models gabelte er vorzugsweise auf der Straße auf und ließ sie von dem nicht minder umstrittenen Fotografen Terry Richardson in sexuell provokanten Posen ablichten. Meistens waren es weibliche Models. Häufig Mitarbeiterinnen.
Die Bilder mit gespreizten Beinen und herausgestreckten Hinterteilen waren für alle gut sichtbar – in den Läden, auf den Plastiktütchen, in denen die Produkte steckten, auf den Anzeigenflächen in der Stadtlandschaft. Konsequenzen gab es nicht, noch nicht mal wirtschaftlicher Art. American Apparel blieb gefragt, trotz – oder vielleicht auch ein bisschen wegen – seiner dunklen Seite. So war das in den Nullerjahren, deren Mode nun wieder so angesagt ist. MeToo kam ja erst viel später.
Leggings verschwanden aber auch in Zeiten von Body Positivity nicht. Lululemon setzte sich als Anbieter durch, später auch Teveo mit Modellen, die dank integrierter Naht am Gesäß den Hintern optisch vergrößern. Beide Marken sind weiterhin beliebt. Aber selbst wenn diese Hauteng-Hosen abseits von Gym und Pilatesstudio auftauchten, konnte man sie eindeutig als Athleisure definieren, als Sportbekleidung im Alltag. Bis jetzt.
Bei Celine in Paris waren Leggings in der Kollektion dieses Frühjahr auf dem Laufsteg zu sehen. Die „Vogue“ spricht von einer Leggings-Renaissance. Und selbst die Steghosenvariante, die American Apparel in den Nullerjahren an einem Model fotografierte, das auf dem Bauch lag, die Beine in die Höhe gespreizt, ist jetzt wieder da und passt zu Turnschuhen mit markantem Profil. Nur American Apparel ist endgültig Geschichte. Die Firma ist längst pleite.





















