Langzeitversuch zeigt: Weniger Bäume geben mehr Holz – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Bei der Waldbewirtschaftung geht es wegen des Klimawandels heutzutage auch Aspekte wie Waldumbau, Wasserspeicherung oder Kohlenstoffbindung. Wesentlich für Waldbesitzer ist und bleibt jedoch der Holzertrag. Dieser wiederum ist – abgesehen von äußeren Einflussfaktoren wie Bodenbeschaffenheit oder Wasserverfügbarkeit – abhängig von der Anzahl der Bäume, die auf einer Fläche gepflanzt werden und von regelmäßigen Durchforstungen.
Wie man hierfür das optimale Maß findet, wird in Bayern laut Peter Pröbstle, Präsident der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), schon seit 1870 erforscht. Zu verdanken ist dies vor allem August Ritter von Ganghofer (1827 bis 1900), der als Leiter der bayerischen Forstabteilung von 1879 an den Rang eines Ministerialrates hatte. Schon das Pflanzen von Bäumen sei weit mehr, als Setzlinge in den Boden zu bringen. Es sei ein komplexer Prozess, der sorgfältige Planung und professionelle Umsetzung erfordert, heißt es in einer Broschüre der LWF.
In enger Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München (TU) experimentiert die Landesanstalt bayernweit auf etwa 160 Versuchsflächen mit verschiedenen Baumarten und Misch-Pflanzungen, um eine möglichst effektive Waldnutzung zu erreichen. Unterstützt wird sie dabei von den regional zuständigen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).
Seit 1974 werden 21 Parzellen gleicher Größe unterschiedlich bewirtschaftet
Auf einer diese Versuchsflächen östlich von Althegnenberg im Landkreis Fürstenfeldbruck wird ausschließlich die Entwicklung der Fichte abhängig von Stammzahlen und Durchforstungen erfasst und ausgewertet. „Im Prinzip geht es um die Fragen, wie viel Platz brauchen Bäume, um stabil zu wachsen, und welchen Beitrag leisten gezielte Durchforstungen zu gesunden, widerstandsfähigen Wäldern“, erklärt Pröbstle bei einer Begehung. Wie der Forstwirt Martin Nickel vom TU-Lehrstuhl für Wachstumskunde erläutert, wurden hier 1974 auf einer Fläche der Staatsforsten 21 Parzellen gleicher Größe angelegt, wobei die Anzahl der Setzlinge zwischen sehr viel und wenig variiert habe.
Im Laufe der Jahrzehnte seien auf der Basis bestimmter Kriterien in den Parzellen mehrere Durchforstungen vorgenommen worden, um zu sehen, wie sich die Bäume daraufhin entwickeln. Alle fünf Jahre seien Bäume herausgenommen worden, um den anderen in den Parzellen mehr Platz und damit auch mehr Licht zu verschaffen, so Nickel: „Die Ergebnisse sind eindeutig: Wenn Bäume frühzeitig gezielt ausgewählt und ihre Konkurrenten entnommen werden oder mit genügend Abstand gepflanzt werden, entwickeln sie sich schneller, erreichen schneller größere Stammdurchmesser und bilden Holz mit höherer Qualität aus.“
Dies sei logisch nachvollziehbar, nicht aber in welchem Umfang, erklärt die Forstwirtin Marie Neufanger von der TU und zeigt mit ihrem Kollegen Nickel anhand von Baumscheiben, wie sich das Wachstum in unterschiedlich dicht bepflanzten Parzellen auswirkt: In der einen beträgt die Stammzahl hochgerechnet auf ein Hektar 10 000, in einer anderen ist die Anzahl der Bäume im Zuge von Durchforstungen auf hochgerechnet 1000 pro Hektar reduziert worden. „Der Stamm eines Baumes aus der Parzelle mit vielen Bäumen ist nur ein Drittel so dick wie der eines Baumes, der mehr Raum und Licht bekam“, erklärt Neufanger. Bäume mit dicken Stämmen seien auch gesünder, leichter und besser zu vermarkten. Damit sei der Beweis erbracht, dass es sich aus wirtschaftlicher Sicht lohnt, Wälder entsprechend zu pflegen.

Wie LWF-Präsident Pröbstle erläutert, können rechtzeitige Durchforstungen auch die Zeitspanne verkürzen, bis die Bäume eines Waldes geerntet werden können. Entscheidend sei, gezielt Raum für die leistungsfähigsten Bäume zu schaffen. Mit dem dokumentierten Nachweis, dass gezielte und frühzeitige Durchforstungen der Schlüssel für stabile Wälder sind, könnten Waldbauern gezielt beraten werden, sodass sich für diese die Waldnutzung auch lohne.





















