Kultur

Dreiviertelmillion Euro Defizit: Wird München Ticket verkauft? | ABC-Z

Ein Verlust seit den Pandemiejahren von vier Millionen Euro und ein erwartetes Defizit für das laufende Jahr von einer Dreiviertelmillion – das ist in Zeiten leerer städtischer Kassen offensichtlich zu viel für eine städtische GmbH, die eigentlich Gewinn erwirtschaften müsste. Deshalb berät der Stadtrat, was mit dem Ticketservice München Ticket passieren soll.

Die wahrscheinlichste Lösung ist ein Verkauf, um nicht ein weiteres Verlustjahr zu riskieren oder um eine strafbare Konkursverschleppung zu vermeiden und um München Ticket nicht mit einer Entlassung aller Mitarbeiter abwickeln zu müssen.

München Ticket – gegründet für die Münchner Kultur

Was München an seiner eigenen Ticket-Plattform hat, lässt sich vielleicht aus der Geschichte von München Ticket erahnen. Gegründet wurde die GmbH, die je zur Hälfte den städtischen Gesellschaften Gasteig GmbH und der Olympiapark GmbH gehört, 1993. Ziel war es, Münchner Veranstaltern eine eigene, zentrale Ticketplattform zu bieten, damit nicht jeder selbst als Einzelkämpfer seine Tickets verkaufen muss. Dafür stellte München Ticket die Infrastruktur für alle, die mitmachten zur Verfügung – inklusive Buchungen, Vertrieb, Verkauf und Teilen des Marketings.

Die Münchner Kammerspiele haben mit München Ticket im Juli 2025 ein neues Ticketsystem eingeführt und vertreiben auch über die eigene Theaterkasse.
© Gabriela Neeb
Die Münchner Kammerspiele haben mit München Ticket im Juli 2025 ein neues Ticketsystem eingeführt und vertreiben auch über die eigene Theaterkasse.

von Gabriela Neeb

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Wenn jetzt München Ticket abgewickelt wird, ginge eine Chance verloren, auch kleineren Münchner Veranstaltern eine eigene Plattform zu bieten. „Ich bin ein Fan von München Ticket“, sagt der Münchner Großveranstalter Andreas Schessl von Münchenmusik: „München Ticket ist ein wunderbarer Partner für regionale Veranstaltungen und ganz besonders auch für Klassik.“

Obwohl seine Firma selbst ein Ticketsystem hat, beobachtet Schessl, dass viele Zuschauer Klassikkonzerte über München Ticket buchen. „Viele Konzertbesucher wollen einen Künstler sehen oder ein bestimmtes Programm erleben: die Münchner oder Wiener Philharmoniker, David Garrett oder einen berühmten Pianisten. Ihnen ist es dann egal, wer das veranstaltet. Also suchen sie große Ereignisse über eine Plattform, die alles zusammenfasst – wie München Ticket“, meint Schessl: “Eine Ende von München Ticket wäre extrem schade“.

Angebahnt hat sich die drohende Insolvenz schon seit Längerem. Grund dafür war auch, dass viele Nutzer mit den von München Ticket erbrachten Leistungen nicht völlig zufrieden waren und ausstiegen. Es ging um Presales- und Mailing-Angebote, um Kunden für weitere Veranstaltungen zu interessieren, auch die Datenanalyse für gezielte Werbemaßnahmen für spezielle Kundengruppen waren manchen Veranstaltern bei München Ticket nicht gut genug.

Der Direktor des Deutschen Theaters: Thomas Linsmayer ist München Ticket treu, aber sieht auch die Chancen eines Neuanfangs.
Der Direktor des Deutschen Theaters: Thomas Linsmayer ist München Ticket treu, aber sieht auch die Chancen eines Neuanfangs.
© Stephan Rumpf
Der Direktor des Deutschen Theaters: Thomas Linsmayer ist München Ticket treu, aber sieht auch die Chancen eines Neuanfangs.

von Stephan Rumpf

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Die Folge war, dass Großveranstalter wie der Kreisjugendring oder auch die eigene Mitgesellschafterin Olympiapark Gesellschaft über Konkurrenzunternehmen Veranstaltungen abwickelten. Aber ohne viele Großveranstaltungen kann München Ticket nicht wirtschaftlich arbeiten. „Das Ganze funktioniert nur, wenn alle in München mitmachen“, sagt der Direktor des Deutschen Theaters, Thomas Linsmayer, dessen städtisches Theater den Kartenverkauf über München Ticket abwickelt. Die Münchner Kammerspiele haben mit München Ticket im Juli 2025 ein neues Ticketsystem eingeführt und vertreiben auch über die eigene Theaterkasse.

Thomas Linsmayer vom Deutschen Theater jedenfalls hofft, dass auch bei einem etwaigen Verkauf die Marke „München Ticket“ als eigene Münchner Unterplattform und Marke erhalten bleibt.

„Es klappt nur, wenn alle mitmachen!“

Der Vorteil aus Sicht der Kunden von München Ticket war, dass man eben nach einem Ticketkauf nicht extrem mit weiteren Werbe-E-Mails bombardiert wurde. Auch waren die Ticketgebühren beim Kauf zum Teil geringer als bei CTS/Eventim. Und: Auf einer regionalen Plattform kommen kleinere Veranstalter besser zur Geltung als auf einer Plattform, die global Tickets verkauft und von Mega-Events lebt.

So sieht das auch der CSU-Oberbürgermeisterkandidat: „Funktionierende Ticketingstrukturen sind essenziell. Ohne sie geraten Planungssicherheit, Einnahmen und Vertrauen gerade der kleineren Veranstalter ins Wanken“, erklärt Clemens Baumgärtner. Angesichts der wirtschaftlichen Schieflage spricht sich der Politiker dafür aus, München Ticket kurzfristig durch eine städtische Unterstützung zu stabilisieren.

Das Logo von München Ticket.
Das Logo von München Ticket.
© MT
Das Logo von München Ticket.

von MT

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Interesse an einem Kauf von München Ticket hat Deutschlands größter Ticketanbieter die CTS Eventim AG & Co. KG, die sogar börsennotiert ist und Millionengewinne erzielt – zum Beispiel über Fußball- oder Olympiatickets.

Auch der Musicalveranstalter Stage Entertainment wickelt über Eventim ab, die wiederum auch selbst Tourneen, Veranstaltungen und Festivals planen und sogar durchführen.

Bleibt zu hoffen, dass im Falle eines Verkaufs von München Ticket an CTS/Eventim München als Kulturstandort von städtischen Veranstaltungen bis hin zur kleinteiligen Tanz- oder Theaterszene sichtbar bleibt.

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