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Christiansen und die Krise in Wolfsburg: Der VfL hat ein Führungsproblem | ABC-Z

AUDIO: So schwierig ist die Lage beim VfL Wolfsburg (1 Min)

Bundesliga

Stand: 24.02.2026 16:32 Uhr

Das Männerteam spielt in der Bundesliga die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte und ist vom Abstieg bedroht, die Frauenfußball-Abteilung verliert durch den Abschied von Ralf Kellermann ihren Chef und wird eklatant geschwächt. Die Folgen von falschen Management-Entscheidungen führen den Club in eine tiefe Krise.

von Inka Blumensaat

Wie sehr ihn die aktuelle Lage mitnimmt, war Yannick Gerhardt deutlich anzusehen. Der Mittelfeldspieler, am Sonnabend Kapitän für den verletzten Maximilian Arnold, beantwortete nach der bitteren 2:3-Niederlage gegen Augsburg die Fragen der Journalistinnen und Journalisten – mit nachdenklichem, teilweise leerem Blick.

“Es fühlt sich richtig hart an. Grausam. Eine der schwierigsten Situationen meiner Karriere”, sagte Gerhardt, der seit knapp zehn Jahren in Wolfsburg spielt, im ARD-Interview. Er hat hier viel erlebt – zweimal, 2017 und 2018, rettete sich der Club erst in der Relegation vor dem Abstieg.

Historisch schlechte Bilanz

In den Spielzeiten hatte das Team aber nach dem 23. Spieltag jeweils mehr Punkte auf dem Konto als jetzt. 20 sind es aktuell, Tabellenplatz 15, punktgleich mit dem 16. St. Pauli.

Eine Fußballtabelle vor eine Fußballmotiv

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Der tiefe Fall ist Folge einer verfehlten Kaderplanung und falscher Entscheidungen in der Leitung des Clubs, an deren Spitze Geschäftsführer Peter Christiansen steht. Der Däne war im Sommer 2024 zum Club gekommen und hatte einen “Wolfsburger Weg” angekündigt. Er wolle “langfristig etwas aufbauen, erfolgreicher werden, von der Akademie bis zu den Profis”, das Ideal sei ein Spielstil, der “spannend, offensiv und mitreißend ist”. Ziel war mindestens mittelfristig eine Rückkehr in den Europapokal.

Kaderplanung wirft Fragen auf

Davon könnte der VfL allerdings kaum weiter entfernt sein. Der von Christiansen hauptverantwortlich zusammengestellte Kader wirft die Frage auf, ob er überhaupt bundesligatauglich ist – und welche Struktur dahintersteht. Es gibt ein Überangebot an zentralen Mittelfeldspielern. Beispielsweise wurde im Sommer für 15 Millionen Euro Vinicius Souza verpflichtet, der zunächst statt auf seiner gelernten Position, der “Sechs”, offensiver eingesetzt wurde, nicht überzeugte und nun auf der Bank sitzt.

Mit Christian Eriksen kam im September ein herausragender Fußballer, der aber im VfL-Ensemble bislang keine entscheidende Rolle spielt und dem wie einigen Kollegen das Tempo fehlt. Einen verlässlich treffsicheren Stürmer gibt es nicht, für die Abwehr wurde im Winter Innenverteidiger Jonas Adjetey aus Basel geholt, der bislang auf zwei Spielminuten kommt. Dies nur einige Beispiele dafür, warum Christiansens Ideen zum Teil irritierend wirken.

Felix Magath, Trainerkandidat beim VfL Wolfsburg

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Im Aufsichtsrat des abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg wird darüber diskutiert, den 72-Jährigen zurückzuholen – als Trainer.

Christiansen versprach Unterstützung für den Frauenfußball

Der Geschäftsführer hatte bei seinem Amtsantritt auch deutlich betont, wie wichtig ihm der Frauenfußball in Wolfsburg sei. Er wolle die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen – nicht nur durch finanzielle Mittel für Transfers, sondern auch durch eine bessere Infrastruktur vor Ort, immer wieder war auch vom Bau eines neuen Centers für die VfL-Frauen die Rede.

Passiert ist seitdem wenig – neben dem in die Jahre gekommenen Trakt mit Kabinen, Kraftraum und Physiotherapie-Einrichtungen wurde ein Container aufgestellt, in dem die Spielerinnen gemeinsam essen können. Vergleicht man dies mit den Bedingungen bei konkurrierenden Clubs im Ausland, ist es eher wenig attraktiv.

Kellermann verlässt den VfL nach mehr als 20 Jahren

Das weiß auch Ralf Kellermann, der immer wieder darauf drängte, dass der in Aussicht gestellte Fortschritt auch in die Tat umgesetzt werden müsste. Dass dies nicht nach seinen Vorstellungen passierte, dürfte ein kleines Puzzleteilchen sein, warum der langjährige Direktor Frauenfußball den Club nun im Sommer verlässt.

Direktor Frauenfußball Ralf Kellermann vom VfL Wolfsburg

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Der langjährige Chef der “Wölfinnen” wird den Bundesligisten zum Saisonende verlassen. Der am Montag offiziell bestätigte Wechsel ist für den Verein eine Zäsur.

Kellermann arbeitet seit mehr als 20 Jahren für den VfL, zunächst als Scout, dann als Trainer (unter anderem drei Meistertitel, zwei Champions-League-Siege), anschließend im Management. Es ist unvorstellbar, wie der VfL es schaffen kann, diesen Mann mit all seiner Erfahrung, seinem Netzwerk und seinem Gespür zu ersetzen. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Der üblichen vorzeitigen Verlängerung räumte die Clubführung offenbar keine Priorität ein, zu beschäftigt war man mit den Problemen in der Männerabteilung.

Vielleicht fühlte Kellermann sich nicht genügend wertgeschätzt, wenn dann möglicherweise ein Club aus dem Ausland Interesse hat, den international so anerkannten Fachmann zu verpflichten, fällt ein Abschied womöglich leicht.

Christiansen und Bauer weiter im Amt

Was für eine Krise in Wolfsburg. Der Aufsichtsrat sprach sich zuletzt dafür aus, mit Christiansen weiterzumachen, der wiederum sprach Trainer Daniel Bauer das Vertrauen aus – der bisherige Wolfsburger Nachwuchscoach hatte das Amt im vergangenen November nach der Entlassung von Paul Simonis zunächst interimsmäßig übernommen, im Dezember wurde er mit einem Vertrag für das Profiteam ausgestattet.

Nach einem kurzen Hoch gewann das Team unter ihm in diesem Jahr nur eine Partie – das Heimspiel gegen den FC St. Pauli. “Die Hoffnung stirbt zuletzt”, sagte Bauer am Sonnabend. Was aber die Hoffnung in Wolfsburg gerade am Leben erhält – diese Frage lässt sich nicht beantworten.

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