Nach Tod von 23-Jährigem: Legionäre berichten von Folter in Brasilien-Einheit der Ukraine | ABC-Z

Nach Tod von 23-JährigemLegionäre berichten von Folter in Brasilien-Einheit der Ukraine
Prügel, Folter, Waterboarding: In einer vorwiegend portugiesisch-sprachigen Kampfeinheit der Ukraine soll es zu entsetzlichen Verbrechen an Soldaten wie Anwärtern gekommen sein – laut einem Bericht in mindestens einem Fall mit Todesfolge.
Sowohl auf Seiten der Ukraine als auch auf der von Russland kämpfen nicht nur klassische Armeen, zusammengesetzt aus Einheimischen. In die Kampfgeschehen sind auch Einheiten mit Legionären oder Söldnern aus dem Ausland eingebunden. Diese sind bisweilen entlang von Sprach- und Herkunftslinien organisiert. So wird die Kommunikation innerhalb der Einheit sichergestellt. Auch stellen die Einheiten Anknüpfungspunkte für mögliche weitere Kampfanwärter aus den Herkunftsgebieten dar.
Eine solche letztendlich dem ukrainischen Militärgeheimdienst HUR nachgeordnete Legionärseinheit, die von Brasilianern geführt werden soll und damit portugieisch-sprachig geprägt ist, steht im Zentraum eines Folterskandals, über den der “Kyiv Independent” ausgiebig berichtet. Ein ehemaliges Mitglied mit dem Namen Daniel Santos Reis bestätigt nun Folterwürfe, die das Mediun bereits zuvor und nach dem Tod des 23-Jährigen Brasilianers Bruno Gabriel Leal da Silva im vergangenen Dezember aufgeworfen hatte.
Santos Reis erklärte demnach, dass es in der Einheit regelmäßig Schläge und Folter gegeben habe als Disziplinierungsmaßnahme und er selbst mehrfach davon Zeuge geworden sei. Aus weiteren dem “Kyiv Independent” von zumeist früheren Legionären oder Anwärtern vorliegenden Berichten geht hervor, dass der 23-jährige Leal da Silva vor seinem Tod Opfer einer Prügelattacke geworden sei und später an einen Ort gebracht wurde, an dem mutmaßlich härtere Folter ungesehen fortgeführt wurde. Auch im brasilianischen Fernsehsender SBT News bestätigt ein früherer Soldat der Einheit Foltervorwürfe.
Der Ablauf
Das Todesopfer Leal da Silva hatte Santos Reis zufolge eigentlich noch gar keinen Vertrag bei der Einheit unterschrieben. Er soll die Basis als Anwärter verlassen und sich betrunken haben. Er sei von einer Gruppe von Soldaten zurückgeholt worden, schildern mehrere Zeugen. Als Bestrafung für Trunkenheit sei er zu einem Boxkampf gezwungen worden. Den Schilderungen zufolge sei er bei diesem zumindest offensichtlich unbeschadet geblieben. Später sei er jedoch in einen Raum, der “Container” genannt wird, gebracht worden. Mehrere frühere Legionäre sagten aus, sie hätten den 23-Jährigen vierzig Minuten lang schreien hören. Sie hätten seinen geschundenen Körper, inklusive Fesselspuren, am folgenden Morgen im Schnee neben dem “Container” liegen sehen.
Die Zeugen berichten zudem, dazu gedrängt worden zu sein, gegenüber den Ermittlungsbehörden falsch auszusagen. Santos Reis erklärt, dass der Führer der Einheit bei Ankunft der Polizei versucht habe, ihn als Verantwortlichen der Basis hinzustellen. Dieser Kommandierende wird in den Berichten des “Kyiv Independent” mehrmals benannt und als besonders brutal dargestellt. Santos Reis erklärt, nun erst an die Öffentlichkeit zu gehen, da seine Frau und sein Kind mittlerweile die Ukraine verlassen hätten. Er selbst verließ die Einheit Anfang Februrar und bemühe sich um Asyl in einem EU-Land. Auch weitere seiner früheren Kameraden äußern die Angst vor Konsequenzen gegen sich und die eigenen Familien.
Vage Stellungnahme
Vertreter des HUR lehnten bei einem Treffen gegenüber den Journalisten eine offizielle Stellungnahme ab, erklärten aber, der HUR werde eine interne Überprüfung der Vorwürfe gegen die Einheit mit dem Namen “Advanced Company” durchführen. Sie gaben an, Soldaten könnten mutmaßliche Misshandlungen an höherrangige Kommandeure melden, räumten jedoch ein, dass es möglicherweise Lücken bei der Entgegennahme und Bearbeitung von Beschwerden ausländischer Kämpfer gebe. Ein Teil der Herausforderung bestehe darin, dass ein erheblicher Teil der Ressourcen des HUR auf die Überprüfung ausländischer Freiwilliger auf möglichen russischen Einfluss konzentriert sei, was die Kapazität zur Bearbeitung anderer Beschwerden einschränken könne – ein Problem, dem man nachgehen werde.
Insgesamt werden von den Legionären zahlreiche Vorwürfe vorgebracht, darunter Prügel, Verbrennungen, Waterboarding und Elektro-Schocks, mindestens einem Opfer soll das Ende eines Holzstils rektal eingeführt worden oder dies zumindest angedroht worden sein. Selbst Anwärtern soll es teils nicht möglich gewesen sein, die Einheit wieder zu verlassen. “Ich fragte nach meinem Reisepass und der Typ drohte, mir ins Gesicht zu schießen”, berichtet ein früherer Rekrut. Ihm sei schließlich erlaubt worden, die Einheit zu verlassen.
Auch Leal da Silva soll vor der Nacht seines Todes damit gedroht haben, seinen Reisepass zu nehmen und zu verschwinden. Santos Reis betont gegenüber dem “Kyiv Independent”, dass sich der Verstorbene im Gegensatz zu Angaben der ermittelnden Kiewer Polizei vor seinem Tod nicht im Militärtraining befunden habe. Er habe nach Hause zurückkehren wollen. “Er starb als Zivilist, er hat nie einen Vertrag unterschrieben.”





















