Kultur

Cevapcici in der Kantine des Wirtschaftsministeriums | ABC-Z

Man kennt es aus der Deutschen Bahn: Wenn nichts mehr hilft, hilft nur noch das Bordbistro. Falls es denn geöffnet hat. Bei kaltem Bier und ebenso kaltem Käsebrot kann man Frieden mit seinem Schicksal schließen. Ein Zug, der Verspätung hat, ist immerhin (noch) nicht ausgefallen.

Ähnliche Gedanken dürften gerade vielen Mitarbeitern im Wirtschaftsministerium kommen. Ihr Hauptquartier wird gründlich saniert. Brandschutz, Dach, Energieeffizienz und so weiter. Ein Teil der Leute, Ministerin inklusive, sitzt schon in einem Ausweichquartier, ein anderer noch an angestammter Stelle.

Sie befindet sich im alten Hauptquartier. Die F.A.S. trifft dort zwei Mitarbeiterinnen aus der Pressestelle – die schon im Ausweichquartier sitzen. Rund fünfzehn Minuten sind sie von dort in den Speisesaal unterwegs, wenn sie schnell gehen, berichten sie. Und werden gleich, als sie sich die Tabletts fürs Essen schnappen, in erste Plaudereien verwickelt. Du mal wieder hier? Mahlzeit! Wollen wir mal wieder einen Kaffee trinken? Gern, später.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Auf dem Speiseplan stehen an diesem Dienstag Kohlrabi-Ragout mit Kokos und Basilikum, eine Gemüseboulette mit Pflaumensoße – und, als eher klassisches Kantinenessen, Cevapcici auf Letscho-Gemüse und Reis. Letzteres kostet 7,90 Euro. Also gut. Es ist ja immer noch Winter, kalt draußen, hoher Kalorienverbrauch. Eher ironisch wirkt da die einsame Palme, die am Fenster steht. Irgendwann wird’s mal wieder richtig Sommer. Und davor Frühling. Aber noch nicht so bald.

Kündet von besseren Zeiten: Palme
Kündet von besseren Zeiten: PalmeFriederike Haupt

Dafür hat die Kantine viel Tageslicht, sie ist nach mehreren Seiten verglast, dazu modern eingerichtet und gut besucht. Die Pressefrauen räumen ein, dass sie trotzdem nicht täglich hier sind. Rund um ihr Arbeitsquartier gibt es viele Möglichkeiten, einen Imbiss einzunehmen – und zwar schnell. Heute verlieren sie durch Hin- und Rückweg allein ja schon eine halbe Stunde. Ja, es gibt auch Menschen in Ministerien, die es eilig haben, mit ihrer Arbeit voranzukommen. Es sind gar nicht mal so wenige.

Das Essen selbst lässt keinen Zweifel daran, dass die Kantine sich als Kantine versteht. Ein Schild verweist etwa auf die Möglichkeit, eine „größere Portion“ oder einen „Nachschlag“ zu bekommen. Beides ist unterstrichen, dazu heißt es: „Wir weisen auf verschiedenen Aufstellern im Ausgabebereich auf diese Möglichkeit hin.“ Immerhin: Im Unterschied zur Bahn wird man hier im Oberlehrerton auf Vor- statt auf Nachteile aufmerksam gemacht.

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