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Brücke in München: Ein Abriss, den der Pumuckl bejubeln würde – München | ABC-Z

Der Pumuckl hätte sicher seine helle Freude ob all des Getöses, Gedränges und Gelärms zu seinen Füßen. Und nicht zuletzt würden dem Kobold, der an der Sternstraße abwechselnd in Rot und Grün von der Fußgängerampel herableuchtet, die vielen Baufahrzeuge gefallen, die sich hier auf engstem Raum aneinander vorbeischieben. Unter anderem ist gerade ein gewaltiger Abbruchbagger herangerollt, der nun mit seiner Zange Stück um Stück von einem Bauwerk abknabbert, das jahrzehntelang das Stadtbild im Lehel geprägt hat.

Gemeint ist jene 550 Tonnen schwere Brücke, die sich auf einer Länge von 15 Metern über die Sternstraße spannt und zwei Gebäude der Bayerischen Versicherungskammer miteinander verbindet. Sie wird an diesem Tag also abgebrochen – mithin ein Vorbote großer Veränderungen, die hier an der Maximilianstraße anstehen.

550 Tonnen muss der Bagger entfernen. (Foto: Stephan Rumpf)
Doch der Abriss der Brücke soll nur der Auftakt zu einem größeren Projekt sein, auch die beiden Gebäude entlang der Sternstraße haben keine Zukunft.
Doch der Abriss der Brücke soll nur der Auftakt zu einem größeren Projekt sein, auch die beiden Gebäude entlang der Sternstraße haben keine Zukunft. (Foto: Stephan Rumpf)

Denn nach der Brücke werden von Mitte dieses Jahres an auch die beiden Gebäude entlang der Sternstraße abgerissen, sagt Daniel Preuße, Geschäftsführer der Immobilientochter von Deutschlands größtem öffentlichen Versicherer. Von 2027 an soll auf dem Areal unweit der Maximiliansbrücke ein neues Büro-Ensemble nach den Plänen des niederländischen Architekturbüros Mecanoo entstehen – sechs Geschosse hoch, mit „Flagship-Store“ im Parterre sowie weiteren Mietern im Gebäude. Denn obschon die Versicherungskammer auch künftig in dem Neubau vertreten ist, wird ein Großteil der Beschäftigten im „Campus Giesing“ des Konzerns an der Deisenhofener Straße arbeiten.

„Die Covid-Pandemie war ein Stück weit Initialzündung für diese Umstrukturierung“, sagt Preuße, der in gelber Warnweste und mit Schutzhelm auf dem Kopf verfolgt, wie sich der Abrissbagger an der Brücke zu schaffen macht. Damals habe die Versicherungskammer entschieden, dass ihre Arbeitsplätze in den bisherigen Gebäuden – allen voran Einzel- und Doppelbüros – nicht mehr den heutigen Anforderungen mit Home-Office und „Smart Working“ entsprächen, sagt Preuße. Infolgedessen habe man sich für die Entwicklung des „Campus Giesing“ mit einem neuen Arbeitsplatzmodell entschieden. Zugleich sollte der Standort im Lehel modernisiert und anschließend „für Fremdvermietungen geöffnet werden“, wie es in einer Mitteilung des Konzerns heißt.

Dies betrifft auch das erste Verwaltungsgebäude der „Königlich Bayerischen Brandversicherungskammer“, das 1877 an der Sternstraße 3 errichtet wurde. Bis 1928 folgten dort mehrere Aufstockungen und Erweiterungen entlang der Gewürzmühl- und bis zur Thierschstraße. Aktuell wird dieses denkmalgeschützte Gebäude saniert; 2027 soll hier der Bayerische Landtag als Mieter einziehen.

Entsprechend ist dann auch jene Brücke nicht mehr vonnöten, die das Geburtshaus der Versicherungskammer mit dem Komplex auf der anderen Seite der Sternstraße verbindet. Hier wurden 1972 und 1985 zwei Gebäude errichtet – wobei es bei dem später gebauten weiter nördlich leichte Verzögerungen gegeben habe, erzählt Preuße. Der Grund: Just dort befand sich in einem Hinterhof dereinst die Film-Werkstatt des Meister Eder, in der von 1979 an insgesamt 52 Folgen der Fernsehserie „Pumuckl“ aufgezeichnet wurden. „Da hat man erst noch das Ende der Dreharbeiten abgewartet, bis es mit den Bauarbeiten losging“, sagt Preuße.

Jene zwei Häuser in der Maximilianstraße 53 und der Sternstraße 8 waren ihm zufolge nicht nur in die Jahre gekommen, sondern auch im Innern nicht mehr zeitgemäß. „In dem hinteren Gebäude waren eine unternehmenseigene Druckerei und das Rechenzentrum untergebracht“, sagt Preuße. Der südliche Bau habe unter anderem die Registratur mit den Versicherungsakten beheimatet. „Da gab es viele innen liegende Dunkelflächen. Auch deshalb konnte man das nicht zeitgemäß umbauen.“

Stattdessen entschied sich die Versicherungskammer zu einem Abriss der beiden Gebäude mit anschließendem Neubau eines Büro-Ensembles. Dieses soll Preuße zufolge anders als bisher auch öffentlich zugänglich sein, unter anderem durch ein Café im Erdgeschoss. Nicht mehr in dem neuen Gebäude beheimatet sein wird dagegen die Versicherungskammer Kulturstiftung und deren Kunstfoyer, wo wechselnde Ausstellungen gezeigt werden. Sie ist bereits im vergangenen Frühjahr an den Thierschplatz nahe dem U-Bahnhof Lehel umgezogen.

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