In Talkshows nichts Neues – Auftritt von Wadephul sorgt für Augenverdrehen | ABC-Z

Ganze zwanzig Minuten spricht Moderatorin Maybrit Illner an diesem Abend fast ununterbrochen mit Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU), der aus Stuttgart zugeschaltet ist. Das an sich wäre aufgrund seiner Position und der aktuellen politischen Lage nicht der Rede wert. Doch der Politiker wiederholt lediglich das, was er bereits zur Genüge deutlich gemacht hat. „Die USA sind ein verlässliches Bündnis”, sagt er etwa.
„Maybrit Illner“: Das waren die Gäste:
- Johann Wadephul (CDU), Bundesaußenminister
- Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, General des Heeres
- Manfred Weber (CSU), Fraktions- und Parteivorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP)
- Florence Gaub, Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin, Forschungsdirektorin der NATO-Militärakademie in Rom
- Marina Weisband, Publizistin und Grünen-Politikerin, in Kiew geboren und besitzt neben der ukrainischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft
- Frederik Pleitgen, Auslandskorrespondent beim US-Nachrichtensender „CNN“
Dabei wurde Wadephul jüngst erst wegen Ovationen für US-Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz heftig kritisiert. Dieser hielt dort eine Rede, die viele als Kampfansage an Europa deuteten. Doch neben Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) applaudierte ihm auch Wadephul – und beide standen dafür im Anschluss in der Kritik.
Denn Rubio hatte den Europäern in seiner Rede mehrfach versichert, dass die US-Regierung sie als Partner wolle. Zugleich hatte er aber angekündigt, dass die USA notfalls auch alleine agieren würden und man keine Partner wolle, die an „Schuld und Scham” gefesselt seien. Er wandte sich auch gegen „Massenmigration”, „Klimakult” und Freihandel.

„Maybrit Illner” im ZDF: In Talkshows nichts Neues
Bei „Illner” verteidigt Wadephul sein Verhalten erneut. „Ich klatsche grundsätzlich nur aus Überzeugung”, sagt er dort. Er habe der Rede in vielen Punkten zugestimmt, etwa als es um die Zusicherung der gemeinsamen Zusammenarbeit oder um die gemeinsame Basis und die gemeinsamen kulturellen Werte gegangen sei. Die in der Ukraine geborene Publizistin und Grünen-Politikerin Marina Weisband verdreht ob dieser Worte so sehr ihre Augen, dass es im Großbild eingefangen wird.
Denn schließlich, da sind sich alle Gäste des Abends einig, müsse Europa – getreu den Worten des Bundeskanzlers in München zufolge – mehr Realismus und mehrUnabhängigkeit in Sachen USA wagen. Wie immer wird deshalb diskutiert, wie verlässlich die US-amerikanische Regierung unter Donald Trump ist und wie es Europa gelingen kann, unabhängig von Amerika zu werden. Nichts, was man so oder so ähnlich nicht schon in unzähligen Talkshow-Runden gehört hat.
Plötzlich geht es bei „Maybrit Illner” um hybride Kriegsführung
Spannend wird es dann aber doch noch an einer Stelle. Nämlich als Weisbrand anspricht, dass immer nur von Waffen und Panzern gesprochen werde, wenn hierzulande über den Krieg gegen die Ukraine gesprochen werde. Dabei müsse man ebenso über den hybriden Krieg sprechen, über eine Partei in der deutschen Politik, die von Russland unterstützt werde und über „Plattformen, die amerikanischen Oligarchen gehören.” Deutschland könne mit alledem furchtbar schlecht umgehen, sei nicht vorbereitet für diese Art der Kriegsführung.
„Hundertprozentige Zustimmung” bekommt sie dafür von der Forschungsdirektorin der NATO-Militärakademie in Rom, Florence Gaub. „Es geht auch um Strom, Züge, Grundwasser”, ergänzt die. „Putin beherrscht dieses Grauzonending.” Sein Ziel sei es, dass die Regierung so handle, dass es gut für ihn sei. „Wir haben eine Obsession mit dem Bild der russischen Panzer, die bei uns über die Grenze kommen, aber das wird nicht passieren”, so Gaub. Auf die viel größere Gefahr hingegen würden wir überhaupt nicht blicken. Vielleicht macht das in Zukunft eine der unzähligen Talkshows. Wünschenswert wäre es.





















