Glonner Hospizinsel wegen Personalmangel geschlossen – Ebersberg | ABC-Z

Für Menschen, die schwer krank sind und am Ende ihres Lebens stehen, gibt es seit Mai 2022 im Landkreis Ebersberg eine Einrichtung, in der sie Ruhe finden und gut betreut unterkommen können: die Hospizinsel im Glonner Marienheim. Derzeit allerdings ist die Hospizinsel geschlossen, die vier Bewohner, die bis Ende Januar dort lebten, sind anders untergebracht. Grund für die Schließung ist „erheblicher Personalmangel“, erklärt Carmen Krippl, Sprecherin des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising. Wann die Einrichtung wieder geöffnet werden kann, ist unklar.
„Derzeit wird sorgfältig geprüft, unter welchen Voraussetzungen und zu welchem Zeitpunkt der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.“ Die Schließung wird im Landkreis mit großem Bedauern und Betroffenheit aufgenommen. Denn die Einrichtung schließt eine Lücke zwischen ambulanter und stationärer Palliativversorgung. Das Team der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) könne vielen Menschen durch ambulante Betreuung zuhause helfen, sagt Maria Sommer vom Hospizverein, doch für einige sei das Angebot eben nicht ausreichend.
„Wenn etwa Menschen allein leben und schwer krank sind, reicht es auch nicht, wenn der ambulante Pflegedienst dreimal am Tag kommt. Oder wenn junge Schwerkranke betroffen sind, bei denen der Partner oder die Partnerin im Beruf eingebunden ist und vielleicht sogar noch kleine Kinder da sind.“ Die Hospizinsel ist kein Hospiz im klassischen Sinn, sondern eine Wohngemeinschaft, die an das Marienheim angebunden ist, und in der bis zu sechs Menschen aufgenommen und palliativ betreut werden können.
Oder vielleicht wurden – doch die Vergangenheitsform will in Zusammenhang mit der Hospizinsel momentan niemand in den Mund nehmen. Auch die Sprecherin des Caritasverbands unterstreicht, dass von einer vorläufigen Schließung die Rede ist, man strebe die Fortführung des Angebots an.
Ausgelöst wurde die Schließung laut Krippl durch verschiedene personelle Wechsel aus persönlichen Gründen: „Diese fielen leider zeitlich unglücklich eng zusammen, so kam es zu personellen Engpässen. Da es sich hier um spezialisiertes Fachpersonal handelt, ist keine schnelle Nachbesetzung möglich.“ Vier Personen auf 3,5 Vollzeitstellen waren dauerhaft in der Hospizinsel beschäftigt. Zusätzlich waren Pflegefachkräfte punktuell aus dem stationären Bereich des Marienheims im ambulanten Bereich der Hospizinsel im Einsatz.
Freilich ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften nicht das einzige Problem beim Betrieb der Hospizinsel. Das andere ist das Geld, die Caritas-Sprecherin nennt es eine „dauerhafte strukturelle Unterfinanzierung, die auch durch Spenden und Eigenanteile nicht kompensiert werden kann“. Denn die Hospizinsel ist so etwas wie ein Pilotprojekt. Außer in Ebersberg gibt es nur in der Nähe von Mühldorf eine ähnliche Einrichtung. Die Kostenträger erstatten, sehr vereinfacht gesagt, nur in etwa die Ausgaben, die für eine ambulante Betreuung der Bewohner anfallen würden. Bei Weitem kann damit nicht alles finanziert werden, was die Hospizinsel den schwer kranken Menschen bietet.
Es bleibt also eine große Finanzierungslücke. Obwohl für die Hospizinsel im Jahr 2025 wie in den Vorjahren etwa 95 000 Euro an Spenden eingingen, jeder Bewohner einen Eigenanteil von 86 Euro pro Tag gezahlt hat und der Landkreis 75 000 Euro beigetragen hat, musste der Caritasverband in diesem Jahr laut Krippl 116 000 Euro an Eigenmitteln einbringen. Dazu sei man bereit gewesen, weil die hospizliche und palliative Begleitung zum Kern des Selbstverständnisses als Caritasverband München-Freising: „Sie ist ein Ausdruck dessen, was unseren Auftrag ausmacht.“
Der Landkreis hätte von Anfang an lieber ein klassisches Hospiz gehabt
Von Anfang an stellte die Finanzierung ein Problem dar. Dass es nicht ohne eine Finanzspritze vom Kreis gehen würde, war immer klar gewesen. Zunächst steuerte er 65 000 Euro jährlich bei, Anfang 2024 entschied sich der Kreistag, den Zuschuss um 10 000 Euro aufzustocken und bis mindestens einschließlich 2029 sicherzustellen. Lieber wäre dem Landkreis ohnehin ein klassisches Hospiz gewesen, dies war aber unter anderem deshalb nicht möglich, weil bereits das neue Sophienhospiz im Nachbarlandkreis Erding in Planung war und ein weiteres Projekt im Landkreis Ebersberg daher nicht genehmigt wurde. Ein weiterer Vorstoß von Landrat Robert Niedergesäß (CSU) Anfang 2025 blieb ohne Erfolg.
Er hat jetzt bereits angekündigt, dass er alle Beteiligten an einen Tisch bringen und an einer gemeinsamen Lösung arbeiten will. Die Hospizinsel habe sich zu einer „sehr segensreichen Einrichtung entwickelt“, die aus dem sozialen Netzwerk nicht mehr wegzudenken sei, unterstreicht Niedergesäß: „Wir müssen alles daran setzen und dafür unternehmen, dass die Schließung nur vorübergehend ist und die Personalprobleme behoben werden können.“ Ein weiteres Ziel müsse sein, die Hospizeinrichtung auf eine dauerhaft solide finanzielle Basis zu stellen. Mit der Absage der AOK für ein klassisches stationäres Hospiz will sich der Landrat nicht abfinden: „Unter anderem hier gilt es nun erneut anzusetzen und nachzufassen – wir brauchen ein Hospiz im Landkreis, der Bedarf ist dringend gegeben.“





















