Kultur

Olympia 2026: Die Nordischen Kombinierer stürzen ins Ungewisse | ABC-Z

Am Donnerstagvormittag staunten die deutschen nordischen Kombinierer noch über sich selbst. „Was ist denn hier los?“, fragte Johannes Rydzek, nachdem er gemeinsam mit Vinzenz Geiger die erste Teildisziplin, das Skispringen, glänzend beendet hatte. Die Mannschaft des deutschen Skiverbandes (DSV) gewann in dichtem Schneetreiben diese Teildisziplin. Zuvor waren Rydzek und Geiger im Einzelwettkampf mit der Anlage nicht zurechtgekommen. Die beiden starken Langläufer aus Oberstdorf befanden sich nun aber in der Goldspur.

Doch der Traum vom Triumph platzte bei ebenfalls dichtem Schneetreiben im Langlaufstadion von Tesero im Val di Fiemme am Nachmittag sehr rabiat. Geiger stürzte in der entscheidenden Phase in seiner vierten von fünf 1,5-Kilometer-Runden, die jeder Starter zu absolvieren hatte. Und das gleich zweimal kurz hintereinander im tiefen Neuschnee des Tages. Damit hatten die Deutschen keine Chance mehr auf einen der vorderen drei Plätze.

„Dass es hier passiert, ist extrem bitter“

Zuvor hatte sich eine Fünfergruppe gebildet, Rydzek und Geiger liefen taktisch und hatten ihren nicht so großen Vorsprung von 13 Sekunden auf Norwegen nach dem Sprung von der Schanze bewusst abgegeben, um im Pulk zu fahren. Norwegen, Finnland, Österreich, Deutschland und Japan pflügten den Schnee fortan von vorne. Die beiden Deutschen schienen das Rennen im Griff zu haben, doch dann verlor Geiger bei seinem vorletzten Tageseinsatz in der Loipe plötzlich die Kontrolle im Tiefschnee und kippte nach links weg. Der Japaner Ryota Yamamoto fuhr daraufhin auf Geiger auf.

Geiger rappelte sich schnell auf, fiel kurz darauf aber noch einmal in den Schnee. Damit hatte er alle Chancen auf eine Medaille für sein Zweierteam eingebüßt. „Ich bin noch nie gestürzt. Dass es hier passiert, ist extrem bitter”, sagte Geiger nach dem Rennen. „Es tut mir wahnsinnig leid. So hart gekämpft, so hart gearbeitet die ganzen Monate und dann so ein blöder Fehler. Das ist sehr, sehr bitter.“

Medaillen für AIN werden im Medaillenspiegel nicht aufgeführt. Aufgrund der Dopingmanipulationen, eines in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystems und der teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.

Am Ende gewann Norwegen mit An­dreas Skoglund und Jens Luraas Oftebro, der zuvor schon beide Einzel gewonnen hatte und mit drei Goldmedaillen bei drei Starts zum König der Kombinierer bei diesen Winterspielen aufstieg. Finnland wurde Zweiter, Österreich Dritter. Die Deutschen wurden auf der Zielgeraden sogar noch von Italien überholt und belegten den für sie völlig enttäuschenden fünften Rang.

Die Kombinierer drohen aus dem Programm zu kippen

Die DSV-Athleten waren mit großen Zielen zu den Spielen ins Val di Fiemme gereist. Nach den Vorleistungen im Weltcup schienen drei Medaillen keine utopische Zielsetzung zu sein. Nun aber steht die erfolgreiche Kombinierer-Nation erstmals seit 1998 mit leeren Händen da. Denn die neun vergebenen olympischen Medaillen dieser Spiele teilten sich Norwegen, Finnland und Österreich.

Ob deutsche Kombinierer in Zukunft ihre olympische Bilanz aufbessern können, ist offen. Denn diese traditionelle Sportart droht aus dem Programm der Olympischen Spiele zu kippen, zu dem sie seit den ersten Winterspielen von 1924 gehört. Es geht dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mit seinen Wettkämpfen vor allem um eine weltweite Verbreitung einer Sportart, Abwechslung in den Ergebnislisten und auch um weiche Faktoren wie Nachahmungseffekt, Verkaufsmöglichkeiten und Anziehungskraft für Zuschauer vor Ort und an den Fernsehern.

Der Ringe-Konzern wird registriert haben, dass bei diesen Winterspielen im Gegensatz zu vorherigen oder auch zu Weltcup-Veranstaltungen eine sehr große Zuschauermenge bereits beim Skispringen das Stadion gefüllt hat. Die Langlauf-Arena in Tesero bot überdies den gewohnt stimmungsvollen Rahmen. Am Donnerstag wurde von einigen Zuschauern mit Plakaten gegen die Streichung der Sportart aus dem olympischen Programm protestiert.

Zur ersten Entscheidung der Kombinierer war am fünften Wettkampftag auch IOC-Präsidentin Kirsty Coventry nach Tesero gereist. Sie hatte sich nach einem spannenden Rennen vom Ambiente angetan gezeigt. Nach dem Wettkampf hatte sie zudem das Gespräch mit Athleten gesucht. Geiger sagte: „Kirsty Coventry hat von dem Tag geschwärmt, sie fand ihn super aufregend.“ Klar ist: Sollte die Kombination im olympischen Programm bleiben, dann nur im Zusammenspiel mit den Frauen, die bisher noch nicht zugelassen sind.

Zuletzt hatten sich auch der Deutsche Olympische Sportbund und Staatsministerin Christiane Schenderlein für den Erhalt der Kombination im olympischen Programm eingesetzt. Schenderlein sagte: „Die Zukunftsfrage der Nordischen Kombination kann für mich nicht damit beantwortet werden, indem man die Sportart aus dem olympischen Kanon entfernt, sondern indem man die Frauen hinzufügt.“ Die finale Entscheidung fällt im Juni.

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