Nach Skandal in Legehennen-Schlachthof in Bayern: Strafbefehle gegen Mitarbeiter – Bayern | ABC-Z

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Tierschutzskandals am Geflügelschlachthof Buckl im mittelfränkischen Wassertrüdingen steht vor dem Abschluss. Die Staatsanwaltschaft Ansbach, die die Ermittlungen geführt hat, hat nach eigenen Angaben gegen sieben Schlachthof-Mitarbeiter Strafbefehle beim Amtsgericht Ansbach beantragt. Eines der Verfahren sei inzwischen rechtskräftig durch Strafbefehl abgeschlossen, teilte ein Sprecher mit. Der Beschuldigte hat also die Geldstrafe akzeptiert. Sie beträgt laut Staatsanwaltschaft mehr als 90 Tagessätze. Damit gilt der Mann als vorbestraft.
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Die Ermittlungen gegen die Geschäftsleitung des Geflügelschlachthofs indes dauern an. Der Grund ist dem Sprecher zufolge, dass ein Sachverständigengutachten über die Schlachtanlage in dem Unternehmen nach wie vor aussteht. In das Förderband der Anlage wurden die lebenden Hühner per Hand eingehängt. Die Tierrechtsorganisation Aninova, die den Tierschutzskandal öffentlich gemacht hatte, wirft der Geschäftsleitung auf Basis verdeckt aufgenommener Videoaufnahmen vor, dass bei der Anlage ein Bauteil vorstand und dadurch wiederholt Hennen bei lebendigem Leib der Kopf abgerissen worden sei. Das Gutachten dazu werde in Kürze erwartet, sagte der Sprecher. Erst dann könne bewertet werden, ob eine Strafbarkeit der Geschäftsleitung vorliege.
Der Tierschutzskandal auf dem Geflügelschlachthof Buckl hat Ende April 2025 bundesweit Schlagzeilen gemacht. Die heimlich gedrehten Bilder, die Aninova damals von Bayerns größtem Legehennen-Schlachthof veröffentlicht hat, zeigen, wie Arbeiter lebenden Hennen Hälse und Körper verdrehen, die Tiere mit Fäusten und Stangen traktieren und ihnen andere Grausamkeiten mehr antun. Die bayerische Kontrollbehörde Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) schritt seinerzeit sofort ein. Sie untersagte dem Schlachthof sofort das Schlachten, in dem bis dahin bis zu 60 000 Legehennen täglich getötet und unter dem Markennamen Luna Suppenhuhn bei zahlreichen Lebensmittelketten und Discountern vermarktet wurden.
Inzwischen wird der Schlachthof abgewickelt. Entsprechende Informationen hat der Vorsitzende des Landesverbands der bayerischen Geflügelwirtschaft, Robert Schmack, der Süddeutschen Zeitung bestätigt. Die Buckl-Geschäftsleitung reagierte wie in der Vergangenheit nicht auf entsprechende Anfragen. Nach Schmacks Worten werden seit einiger Zeit der Fuhrpark sowie die Maschinen und anderen Anlagen des Unternehmens soweit möglich verkauft. Der Belegschaft – die Rede ist von ungefähr 125 Mitarbeitern – sei schon vor Längerem größtenteils gekündigt worden. Die Zukunft der Immobilie im Wassertrüdinger Gewerbegebiet ist unklar.

:„Rohe Gewalt gegenüber hilflosen Tieren“
Ein Tierschutzaktivist filmt mit versteckter Kamera, wie Arbeiter Kälbern und Kühen gegen den Kopf treten und sie schlagen, bis der Stock bricht – ausgerechnet auf dem Hof, der bereits 2019 im Fokus des Allgäuer Tierschutzskandals stand. Experten sprechen von „krassen Bildern“.
Der Geflügelverband hatte sich lange um den Erhalt des Schlachthofs bemüht. Der Grund: In den großen Eier-Betrieben in Süddeutschland – dem Einzugsgebiet der Firma Buckl – fallen jedes Jahr mindestens acht Millionen schlachtreife Legehennen an, alleine in Bayern sind es jedes Jahr fünf Millionen Tiere. Wohl der größte Teil davon wurde im Schlachthof Buckl getötet. Die Anlage galt in der Geflügelbranche als systemrelevant. Nach der Betriebsschließung gerieten prompt Legehennen-Betriebe und Eier-Produzenten in Süddeutschland in Schwierigkeiten, weil die verbliebenen wenigen und deutlich kleineren Schlachthöfe den Ausfall von Buckl nur schwer kompensieren konnten. Zu den nächsten größeren Schlachthöfen im osteuropäischen Ausland sind die Transportwege länger, was für die Hennen größere Strapazen bedeutet.
Die Bemühungen des Geflügelverbands um einen Weiterbetrieb haben sich inzwischen endgültig zerschlagen. Der Hauptgrund war nach Worten von Verbandschef Schmack das hohe finanzielle Risiko. Der Schlachthof hätte umfassend modernisiert und der Schlachtbetrieb neu zugelassen werden müssen. Die Kosten dafür hatte der Verband schon zu einem frühen Zeitpunkt auf einen „unteren zweistelligen Millionenbetrag“ beziffert.
Das war offenkundig zu viel Geld für die neue Gesellschaft, an der sich den Plänen zufolge um die 80 große Geflügelhalter aus Süddeutschland hätten beteiligen sollen. Zumal es keine Möglichkeit für eine staatliche Ausfallbürgschaft gegeben habe, wie Verbandschef Schmack sagt, und zwar trotz der Unterstützung der entsprechenden Ministerien in Bayern und Baden-Württemberg. Inzwischen hätten sich außerdem alternative Wege für die schlachtreifen Legehennen etabliert. Von großen Legehennen-Haltern werden die Tiere nun doch zum Schlachten nach Osteuropa gefahren, auch in Österreich werden Althennen aus Bayern getötet und vermarktet.
Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Ansbach wegen der Tierquälereien gegen elf Buckl-Mitarbeiter ermittelt. Die Verfahren gegen drei seien allerdings an die KBLV als zuständige Überwachungsbehörde abgegeben worden, sagte der Sprecher. Denn die Ermittlungen hätten ergeben, dass die Beschuldigten keine Straftaten begangen hätten, sondern Ordnungswidrigkeiten. Für letztere sei die KBLV zuständig. In einem Verfahren wurden die Ermittlungen vorläufig eingestellt. Der Grund: Der Aufenthaltsort des Beschuldigten ist unbekannt. Der Mann wurde zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben.





















