Metropolenregion Berlin-Brandenburg: Kaum Besserung in Sicht, aber Hoffnung auf Expo 2035 | ABC-Z

Der Himmel ist trist und grau über dem Ludwig-Erhard-Haus, Heimstätte der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), in Charlottenburg. Ähnlich traurig ist, was am Mittwochmorgen im 7. Stock des Hauses bei einer Pressekonferenz zu hören ist. Die Berliner IHK und die drei Brandenburger Kammern präsentieren dort einen kaum ermutigenden Konjunkturbericht für die Metropolregion: Kein positiver Trend in irgendeinem Wirtschaftszweig, überwiegend Skepsis bei den Unternehmen der Region und große Zurückhaltung bei Investitionen. Erst vorige Woche wurde bekannt, dass auch der Großkonzern BASF in Berlin Stellen streichen will.
„Die Lage für die Berlin-Brandenburger Wirtschaft bleibt besorgniserregend“, sagt dabei der Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, André Fritsche, „die Hoffnung auf eine Trendumkehr ist sehr verhalten.“ Am negativsten sei die Lage in Brandenburg in Handel und Bau, nur im Gastgewerbe gebe es Lichtblicke. „Wir brauchen einen Leitstern“, fordert Fritzsche vor den Journalisten Richtung Politik – und das soll die Expo 2035 sein, die Weltausstellung. Dazu erwarte man von beiden Landesregierungen eine klare Aussage.
Eher vorsichtig äußern sich die führenden Köpfe der vier IHKs in Richtung der künftigen Verhältnisse in ihren beiden Bundesländern. Mit Blick auf die mutmaßlich Mitte März startende brandenburgische SPD-CDU-Koalition drängt Fritsche auf eine möglichst bald handlungsfähige Regierung und Stabilität. Rot-Schwarz folgt auf die Anfang Januar beendete Koalition der SPD mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht.
Berlins IHK-Chefin Manja Schreiner, bis Ende April 2024 Verkehrssenatorin und lange führendes Mitglied im CDU-Landesverband, geht auf eine taz-Frage hin nur indirekt auf die Möglichkeit ein, dass Berlin im Herbst eine Regierungschefin von der Linkspartei haben könnte. Sie lehnt die von der Linkspartei wie von den Grünen geforderte Enteignung großer Wohnungseigentümer ab, übt aber auch Kritik an den laufenden Volksbegehren zu einer autofreien Innenstadt und zu eingeschränkter Werbung im öffentlichen Raum. „Das sind alles Debatten, die dem Wirtschaftsstandort Berlin nicht guttun“, sagt Schreiner. Beide Initiativen streben einen Volksentscheid parallel zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September an.
Expo-Bewerbung als Test für Länderzusammenarbeit
Konkreter gegen die Linkspartei hatte sich jüngst der Verband Berliner Kaufleute und Industrieller geäußert, der ebenfalls im Ludwig-Erhard-Haus seinen Sitz hat. „Wir glauben, dass eine Linkspartei, die an einer Regierung in Berlin beteiligt wäre, eine Belastung für die Entwicklung der Stadt darstellt“, äußerte sich VBKI-Chef Markus Voigt in einem Interview mit dem Tagesspiegel.
Potsdams IHK-Chef Christian Herzog wünschte sich von der Politik für die Metropolenregion eine engere Zusammenarbeit beider Länder. Die Länderchefs Dietmar Woidke (SPD) und Kai Wegner (CDU) hatten noch Ende 2025 von enger und „wirklich großartiger“ Kooperation gesprochen, aber Herzog sah durchaus noch Luft nach oben. „Die Expo wird es ja zeigen, wie gut die beiden Länder zusammenarbeiten“, sagt er. Woidke hatte Ende Januar zurückhaltend reagiert, als Wegner Schönefeld am BER als Expo-Standort vorschlug. Wegner selbst hatte Expo-Pläne länger nicht verfolgt, weil sie aus seiner Sicht die Chancen einer Berliner Olympiabewerbung schmälern würden.





















