Kommunalwahl 2026 in Wolfratshausen: Sechs Männer wollen Bürgermeister werden – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Seit Wolfratshausen die Stadtrechte besitzt, hat noch kein Bürgermeister mehr als zwölf Jahre regiert. Sollten die Einwohner Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) erneut wählen, wäre er also der erste seit 1961. Denn der Biolandwirt ist seit 2014 Bürgermeister und würde seine dritte Amtsperiode beginnen. Es wäre nicht nur deshalb ein besonderer Erfolg: Zur Kommunalwahl am 8. März hat Heilinglechner fünf Gegenkandidaten, so viele wie noch nie.
Klaus Heilinglechner, BVW
Auf den Posten als Rathauschef erhielt Klaus Heilinglechner im Jahr 2014 seine Chance, als sein Vorgänger Helmut Forster, damals ebenfalls BVW, aus Altersgründen nach einer Amtszeit nicht mehr antreten konnte. Vor zwölf Jahren konnte sich Heilinglechner, der erst in der Legislaturperiode zuvor in den Stadtrat gekommen war, in der Stichwahl gegen Fritz Meixner (SPD) durchsetzen. Der 58-jährige Biolandwirt stammt aus dem Stadtteil Weidach und hat drei Kinder.
Dauerthema in der Flößerstadt ist die Aufwertung und Umgestaltung der Innenstadt sowie des Westufers der Loisach. Das bleibt eines der „Herzensprojekte“ für Heilinglecher, das aber wegen klammer Stadtkassen wohl erst in ein paar Jahren sichtbar umgesetzt werden kann. Der Rathauschef mahnt zur Geduld, spricht von einem Zehn-Jahres-Plan und fordert einen Wirtschaftsförderer, der das Leerstandsmanagement in den Fokus nimmt. Um mehr Wohnraum zu schaffen, tritt Heilinglechner für eine maßvolle Nachverdichtung ein. Darin ist er sich mit den meisten seiner Herausforderer einig.
Günther Eibl, CSU
Zum zweiten Mal nach 2020 kandidiert Günther Eibl, Elektrotechnikmeister und Chef eines einheimischen Betriebs, für den Posten als Bürgermeister. Vor sechs Jahren schaffte es Eibl in die Stichwahl, unterlag aber Heilinglechner mit 44,2 zu 55,8 Prozent.
Eibl ist 61 Jahre alt und hat drei Kinder. Im Stadtrat hat er bereits seit 2002 ein Mandat, ist seit 2020 Zweiter Bürgermeister. In seiner „Roadmap“ für die kommenden zehn bis 20 Jahre skizziert er unter anderem, die Parkdecks in Farchet und am Hatzplatz sowie eine zweite Ausfahrt vom Stadtteil Farchet auf die Bundesstraße 11 umsetzen zu wollen. Zudem wolle er IT- und EDV-Unternehmen aus der Start-up-Szene fördern, ein Fernwärmenetz auf- und den Katastrophenschutz ausbauen.
René Beysel, Grüne

Zur Kommunalwahl 2020 scheiterten die Wolfratshauser Grünen mit Kandidatin Annette Heinloth nur ganz knapp am Einzug in die Stichwahl. Diesmal soll es René Beysel schaffen, ins Rathaus einzuziehen. Der 56-jährige Bauingenieur und dreifache Vater kennt sich aus mit kommunaler Verwaltung: Beysel war zwischen 2018 und 2023 Hauptamtsleiter im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen und ist aktuell für das technische Bauamt der Kommune Icking verantwortlich.
In Wolfratshausen positioniert sich Beysel nach eigenen Worten für eine klimaneutrale, gerechte, offene und lebendige Stadt. Das schließe mit ein, bezahlbaren Wohnraum, sichere Arbeitsplätze und attraktive Aufenthaltsräume fördern zu wollen. Mit Beysel wollen die Grünen vor allem auch die Mobilität für Fußgänger und Radfahrer verbessern. Tempo 30 soll auf allen Straßen außer den Ausfallstrecken gelten. Ein dichterer Takt und langfristige Kostenfreiheit für den Stadtbus stehen ebenso auf dem Programm wie Schutzstreifen für Radfahrer und Fahrradstraßen.
Manfred Fleischer, Wolfratshauser Liste

Auch Manfred Fleischer kandidiert zum zweiten Mal fürs Bürgermeisteramt, allerdings im Abstand von mehr als zwei Jahrzehnten. Der inzwischen 71-jährige diplomierte Forstwissenschaftler und Immobilienberater war bei der Kommunalwahl 2002 noch für die CSU angetreten und dann dem SPD-Bürgermeister Reiner Berchtold unterlegen. Seit 2020 vertritt er die Wolfratshauser Liste, die er mit Helmut Forster und Richard Kugler gegründet hat.
In Wolfratshausen will Fleischer nach die Standards halten, wie er sagt, sowie die Einwohner im Dialog mehr in politische Entscheidungen einbeziehen. Zu ihren Erfolgen zählt die Wolfratshauser Liste das Bürgerbegehren, den Marienbrunnen in der Altstadt an seinem Standort zu belassen, das die Bürger im Entscheid mit großer Mehrheit bestätigten. Zudem wehrt sich die Gruppierung gegen Pläne einer „Mammutbebauung“ der Stafflerwiese in Farchet, auch wenn es dafür noch keine Beschlüsse gibt.
Renato Wittstadt, SPD

„Ich bin Außenseiter“, sagt der 69-jährige Sozialdemokrat Renato Wittstadt über seine Chance, zum Bürgermeister gewählt zu werden. Der einstige Hauptmann und Kompaniechef bei der Bundeswehr sowie spätere Betriebsprüfer bei der Steuerverwaltung hat drei Kinder und lebt seit 1990 in Wolfratshausen.
Für die SPD war Wittstadt bereits Ortsvorsitzender und zwischen 2002 und 2014 im Stadtrat, streckenweise als Fraktionssprecher. Im beruflichen Ruhestand ist er als Bürgermeisterkandidat seiner Partei zur Kommunalwahl 2026 wieder aktiv geworden.
Am Anfang seines Wahlkampfs stand eine „Krise“, wie Wittstadt sich ausdrückt: Bei einer Podiumsdiskussion im November 2025 in der Loisachhalle bezeichnete er die AfD zwar als sehr problematische Partei. Er schloss aber eine kommunalpolitische Zusammenarbeit nicht a priori aus, sondern erklärte, er wolle er erst mit jedem AfD-Vertreter, der es in den Stadtrat schaffen sollte, persönlich reden und dann über den weiteren Umgang entscheiden. Wittstadt tritt dafür ein, die AfD inhaltlich zu stellen, ihre Strategie als „Wolf im Schafpelz“ aufzudecken, wie er sagt.
Mit der SPD will er die Altstadt und das Loisachufer endlich umgestalten und weiterentwickeln und dafür auch Parkplätze aus der Innenstadt verbannen. Zudem tritt die Partei dafür ein, alternative Finanzierungsquellen zu erschließen, um etwa Fernwärme aus Geothermie in der Stadt nutzbar zu machen. Die SPD denkt auch über einen qualifizierten Mietspiegel in Wolfratshausen nach.
Patrick Lechner, FDP

Für den Mathematiker und Digitalisierungsexperten Patrick Lechner könnte in Wolfratshausen vieles schneller vorangehen. Der 48-Jährige sitzt seit 2020 als einziger Vertreter der FDP im Stadtrat, als Teil einer gemeinsamen Fraktion mit der SPD, und will nun Bürgermeister werden. Sollte das klappen, wolle er in der folgenden Amtsperiode etwa 1000 neue Arbeitsplätze schaffen, auch damit weniger Wolfratshauser pendeln müssen.
Der promovierte Mathematiker Lechner hält es zudem für realistisch, einen Hochschulstandort nach Wolfratshausen zu holen. Und er fordert, die Schulen besser auszustatten. Zudem tritt Lechner für solide Finanzen ein. Fundamental unterscheidet sich er von allen Kandidaten darin, dass er sich klar gegen die seit vielen Jahren geplante S-Bahnverlängerung nach Geretsried ausspricht. Das Projekt, das nach aktuellem Stand 433 Millionen Euro kosten soll, sei ökonomisch und ökologisch sinnlos. Stattdessen spricht sich Lechner dafür aus, Expressbusse zwischen Wolfratshausen und Geretsried einzusetzen. Das ist aus seiner Sicht schneller umsetzbar und kosteneffizienter.





















