Machtkampf in den Philippinen: Duterte-Tochter Sara will Präsidentin werden | ABC-Z

„Ich biete mein Leben, meine Kraft und meine Zukunft für den Dienst an unserer Nation“, erklärte die 47-jährige Sara Duterte voll Pathos am Mittwoch im philippinischen Fernsehen. „Ich kandidiere für die Präsidentschaft der Philippinen.“
Die älteste Tochter des früheren populistischen Präsidenten Rodrigo Duterte, der derzeit wegen Tötung Tausender angeblicher Drogendealer in seiner Amtszeit (2016-2022) in U-Haft des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wartet, ist nicht nur seine politische Erbin, sondern seit 2022 bereits die gewählte Vizepräsidentin des Landes.
Schon damals hatte sich ihr Vater zunächst Hoffnungen gemacht, dass sich seine Tochter um seine direkte Nachfolge bewerben würde. Denn das war ihr in seiner Heimatstadt Davao schon erfolgreich als Bürgermeisterin gelungen.
Doch stattdessen kandidierte Sara Duterte nur als Stellvertreterin des Diktatorensohns Ferdinand „Bongbong“ Marcos Jr. für die Vizepräsidentschaft. Die beiden verbündeten Familienclans Marcos und Duterte siegten erdrutschartig, doch hielt das Zweckbündnis nicht einmal das erste Jahr der sechsjährigen Amtszeit.
Familienstreit
Inzwischen sind die beiden Politdynastien heftig zerstritten. Sara Dutertes Ankündigung ihrer Kandidatur ging denn auch wieder mit heftigen Angriffen gegen Präsident Marcos einher. Der habe schon frühzeitig seine Wahlversprechen gebrochen und sei korrupt. Explizit entschuldigte sie sich dafür, Marcos unterstützt zu haben.
In der Vergangenheit hatten sich die beiden Spitzenpolitiker sogar schon mit großer Theatralik verklausuliert mit Mord gedroht. Duterte drohte Marcos zudem, die sterblichen Überreste seines Vaters, des Diktators Ferdinand Marcos, auszugraben und den Fischen in der Bucht von Manila zum Fraß vorzuwerfen.
Umgekehrt sorgte Marcos Jr. dafür, dass sein Vorgänger und Dutertes Vater in einem überraschenden Manöver vor knapp einem Jahr an den Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert wurde. Dabei hatte der inzwischen 80-Jährige als Präsident eigens die Anerkennung des Gerichts durch die Philippinen aufgekündigt. Und auch unter Marcos geht die Politik der Tötungen angeblicher Drogendealer weiter, wenngleich vermindert.
Darüber hinaus überziehen sich Präsident und Vizepräsidentin mit gegenseitigen Amtsenthebungsverfahren. Das ihres politischen Lagers gegen Marcos Jr. war kürzlich gescheitert, umgekehrt überstand Sara Duterte schon ein solches Verfahren im letzten Jahr. Doch jetzt stehen weitere Amtsenthebungserfahren gegen sie wegen Korruption und Zweckentfremdung öffentlicher Mittel bevor.
Ein riskantes Manöver
Beobachter sehen einen Zusammenhang zur jetzigen Ankündigung ihrer Kandidatur. Denn über Amtsenthebungen entscheiden Senat und Repräsentantenhaus. Weil sich vor Wahlen Abgeordnete für ihre eigene Wiederwahl um die aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten scharen, ist es für Politiker riskant, für Sara Dutertes Amtsenthebung zu stimmen. Denn damit würde sie selbst nicht auf ihre erfolgversprechende Liste gelassen werden. Doch sei auch Dutertes Manöver riskant, sagt Professor Ederson Tapia von der Universtität Makati laut dem Newsportal Rappler.
In Umfragen ist Sara Duterte, die eine ähnlich undiplomatische Sprache pflegt wie ihr Vater, beliebt. Umgekehrt fehlt dem Marcos-Clan eine solch beliebte Person. Präsident Marcos Jr. darf nicht wieder antreten, und sein von seiner Familie ursprünglich favorisierter Cousin Martin Romualdez musste wegen Korruption im September als Vorsitzender des Repräsentantenhauses zurücktreten.
Beim Timing von Sara Dutertes Ankündigung dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass am Montag in Den Haag die Vorverhandlung über die Anklage gegen ihren Vater beginnt. Während der immer noch bei vielen im Land beliebt ist, nehmen seine Auslieferung viele Präsident Marcos übel.
Im Fall ihres Sieges wäre Sara Duterte bereits die dritte Frau an der Staatsspitze und die Dutertes nach den Marcos’, Aquinos und Macapagals die vierte präsidiale Familiendynastie des Landes.
taz talk „Von Marcos zu Marcos“ zu Politik und Gesellschaft der Philippinen am 25. Februar, 19 Uhr, in der taz Kantine Berlin und im Livestream. Infos unter: taz.de/veranstaltungen





















