News

Verbraucherschützer: E-Patientenakte findet noch wenig Anklang | ABC-Z

Stand: 18.02.2026 15:02 Uhr

Seit vergangenem Jahr gibt es die elektronische Patientenakte. Die praktische Umsetzung sei aber an vielen Stellen schlecht, beklagen Ärztevertreter und Verbraucherschützer. Nur wenige Patienten nutzen sie aktiv.

Für Hausarzt Bahman Afzali hat die elektronische Patientenakte (ePA) schon jetzt einen praktischen Nutzen. Vor einigen Tagen hatte er Notdienst, ein neuer Patient kam in seine Praxis im nordrhein-westfälischen Bedburg. Der Patient brauchte ein Schilddrüsenmedikament, konnte sich aber nicht mehr an den Namen des Herstellers erinnern. “Das ist bei manchen Medikamenten schon wichtig”, sagt Afzali. In der elektronischen Patientenakte konnte er schnell erkennen, welches Medikament der Patient nimmt.

Hausarzt Bahman Afzali ist ein Befürworter der ePA. Allerdings ist er frustriert über die praktische Umsetzung.

“Absurd komplizierter Registrierungsprozess”

Afzali ist ein großer Befürworter der ePA. Seit Oktober vergangenen Jahres sind Ärzte dazu verpflichtet, die digitale Akte mit wichtigen Patientendaten zu befüllen. Im Alltag ist der Hausarzt allerdings regelmäßig frustriert von der praktischen Umsetzung. Ein Kritikpunkt ist die komplizierte technische Ausgestaltung. Selbst für ihn als technikaffinen Menschen sei die elektronische Patientenakte nur schwer nutzbar, viel schwerer etwa als die digitale Verwaltung seines Bankkontos.

Der Deutsche Hausärztinnen- und Hausärzteverband spricht von einem “absurd komplizierten Registrierungsprozess”. Der Verband beklagt außerdem häufige technische Störungen der ePA-Software und eine fehlende Volltextsuche in der Akte.

71 Prozent verwalten die ePA nicht aktiv

Die technische Zugangshürde gilt als ein zentraler Grund, warum bisher nur recht wenige Menschen ihre Patientenakte selbst verwalten. Die allermeisten gesetzlich Versicherten haben schon mal von der ePA gehört, so eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen. Aber nur 18 Prozent von ihnen verwalten die elektronische Patientenakte selbst beziehungsweise mit Hilfe einer bevollmächtigten Person. 71 Prozent nutzen die Patientenakte nicht aktiv. Neun Prozent haben ihr widersprochen oder sie gelöscht.

Hausarzt: Interesse wieder abgeebbt

In seiner Hausarztpraxis hatte Bahman Afzali bei der Einführung der ePA ein erhöhtes Interesse unter seinen Patientinnen und Patienten wahrgenommen, dieses sei inzwischen aber wieder abgeebbt. Im Alltag gehe das Thema neben vielen anderen einfach unter, erzählt sein Patient Kevin Büttner.

Er findet es zwar gut, dass Afzali und seine anderen Ärzte nun einfacheren Zugriff auf seine Daten haben. Auf die Idee selbst mal in seine Patientenakte zu schauen, um beispielsweise medizinische Befunde einzusehen, sei er aber noch gar nicht gekommen. “Man kennt es: Arbeiten hier, Familie hier”, sagt Büttner. “Da denk ich nicht samstagmittags: ‘Ich guck jetzt mal in meine Patientenakte'”. Er lasse das lieber im Hintergrund laufen.

Hausarzt Bahman Afzali und Patient Kevin Büttner: Im Alltag gehe die elektronische Patientenakte neben vielen anderen Themen einfach unter, so Büttner.

Verbraucherschützer: Wichtige Funktionen fehlen

Aus Sicht des Verbraucherzentralen-Bundesverbandes würden mehr Menschen in ihre ePA schauen, wenn diese einen wirklichen Mehrwert bringen würde. “Das Impfheft, der Mutterpass, die Bonushefte für den Zahnarzt, das wären Dinge, die wirklich jedem und jeder was bringen würden”, sagt Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbands. Diese Funktionen müssten nun in die ePA integriert werden, so ihre Forderung. Denn, davon sind die Verbraucherschützer überzeugt, eigentlich habe die elektronische Patientenakte großes Potential.

Back to top button