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Freeski Big Air: Medaillen und Höchstleistungen in Livigno – Sport | ABC-Z

Ein Glück, dass sie sich im Freestyle ein Bewertungssystem ausgedacht haben, anhand dessen man nun sagen kann: Gratulation an alle, insbesondere an die drei Medaillengewinner, zu einem der besten Freeski-Wettkämpfe auf der Big-Air-Schanze in der Geschichte dieser Sportart.

200 Punkte können die Freeskier theoretisch als Höchstwert erreichen, in der Regel kommt dieser Zahl kaum jemand wirklich nahe: Alle Werte über 180 machen aus einem herausragenden Freeskier einen Medaillenkandidaten. Am Dienstagabend aber gewann der Norweger Tormod Frostad (195,5) vor dem US-Amerikaner Mac Forehand (193,25) und dem Österreicher Matej Svancer (191,25). Alle drei Werte waren spektakulär. Und alle drei Athleten zeigten innerhalb weniger Minuten Tricks, die zuvor noch nie in einem Wettbewerb zu sehen waren. Auf der größten Bühne, die ihnen zur Verfügung steht.

Es hat mehrere Geschichten bei diesen Spielen gegeben, die vom Scheitern im entscheidenden Moment handelten. Am eindrucksvollsten war jene des Eiskunstläufers Ilia Malinin, der in der Kür sein Versprechen, einen Vierfach-Axel, nicht einlösen konnte. Unter dem Druck der Weltöffentlichkeit brach der 22-Jährige ein, womöglich aber auch unter dem Druck der langen olympischen Historie seiner Sportart: Eiskunstlauf ist eine der traditionsreichsten Disziplinen, in der Athleten auch gegen die Vergangenheit antreten. Die Erwartungen haben sich über mehr als ein Jahrhundert in die Höhe geschraubt.

Sprünge haben Namen wie „Switch Left Tail Butter Triple Cork 2160 Safety“

Vielleicht liegt darin zumindest ein Teil der Erklärung für das, was sich am Dienstagabend in Livigno ereignete – und was überhaupt so beachtlich ist bei den Freestyle-Wettbewerben bei den Olympischen Spielen. Es geht auch dort um sportliche Höchstleistungen, um das Austesten von menschlichen Limits und natürlich um Medaillen, Fördergelder, Sponsoren. Aber doch immer in einem anderen Kontext: Die Freeskier und Snowboarder begreifen Olympia immer noch eher als gigantische Chance und als Privileg. Nicht als einen Wettbewerb, an dem man zerbricht, sondern als einen, in dem man in neue Höhen aufsteigt. Vor einem Publikum, das immer noch in der Kennenlernphase ist.

Mit den X-Games hat die Freestyle-Gemeinschaft im Winter seit den späten 1990er-Jahren eine Heimat gefunden, die kommerziellen und sportlichen Erfolg miteinander verbindet: Wer in Aspen seine besten Sprünge zeigt, erreicht damit die Szene und diejenigen, die ihr folgen und dort werben wollen. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen – Freeski Big Air etwa ist erst seit 2022 dabei – haben die Bedeutung dieser Show nicht gemindert. Aber sie haben ein neues Publikum gebracht: Vielleicht brauchen Zuschauer bei Olympia etwas länger, um den Unterschied zu verstehen zwischen einem „Right Nose Butter Double Bio 1620“ (Frostads perfekter Sprung zu Gold) und einem „Switch Left Tail Butter Triple Cork 2160 Safety“ (Svancers dritter Sprung). Aber den Spirit dieser Sportart erkennen sie auch ohne Detailkenntnisse.

Die Faszination entsteht nicht aus dem Druck der Öffentlichkeit. Sondern aus dem Mut der Athleten, den Emotionen, die sie dabei offen zeigen, der Lockerheit, die sie nie verlieren, und der Kollegialität, mit der sie sich zu Höchstleistungen antreiben. Jeder Olympiasportler sollte sich diesen positiven Zugang zum Sport zu Herzen nehmen, eine enorme Kraft liegt darin: Fliegt wie die Freeskier auf ihrer großen Schanze!

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