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Stephen Colbert vs. Trump-Regierung: Dann eben auf Youtube – Medien | ABC-Z

Meist ist es interessant, oft amüsant und manchmal sogar politisch relevant, wen Stephen Colbert in seiner „Late Show“ als Gast begrüßt. Am Montag war jedoch viel spannender, wer nicht in die Sendung des US-Talkers kam.

James Talarico werde heute Abend nicht kommen, sagte Colbert, nicht ohne ein Bild des demokratischen Abgeordneten zu zeigen. Talarico sitzt im Repräsentantenhaus von Texas und kandidiert für einen Sitz im US-Senat. Genau das sei der Grund für die Interviewabsage, erzählte Colbert dann: CBS habe ihm „in no uncertain terms“, also ziemlich deutlich, zu verstehen gegeben, dass das geplante Interview nicht stattfinden könne – mit Hinweis auf die Richtlinien der US-Telekommunikationsaufsicht Federal Communications Commission (FCC).

Diese besagen, dass Kandidaten für politische Ämter gleichwertige Sendezeit zu gewähren sei. Allerdings treffe diese Regel, wie Colbert in seiner Show erklärte, auf Nachrichtenformate oder Talkshow-Interviews bisher nicht zu. FCC-Chef Brendan Carr wolle sie zwar auf solche Formate ausweiten, aber endgültig durchgesetzt habe er sich mit dieser Position noch nicht. Was Colbert CBS also vorwirft, ist Zensur im vorauseilenden Gehorsam vor der Trump-Regierung. Carr gilt als enger Vertrauter des US-Präsidenten.

Anderson Cooper verlässt „60 Minutes“

Sendungen mit James Talarico sind nicht zum ersten Mal im Visier des FCC. Wegen eines möglichen Verstoßes gegen die Gleiche-Zeit-Regel wollte die Behörde auch eine Untersuchung gegen die ABC-Sendung „The View“ einleiten, in der Talarico zu Gast war und über seine Kindheit mit einer alleinerziehenden Mutter sprach, die auch im Publikum saß.

Sein Sender habe ihn nicht nur klipp und klar angewiesen, Talarico nicht zu interviewen, sagte Colbert. Er dürfe auch nicht erzählen, dass er es überhaupt geplant hatte. „Und weil mein Sender eindeutig nicht will, dass wir darüber reden – lassen Sie uns darüber reden“, grinste er. Dem 61-Jährigen scheint die Wut seiner Chefs egal zu sein, seit CBS im vergangenen Sommer bekannt gab, seine „Late Show“ abzusetzen. Offiziell aus finanziellen Gründen, viele vermuten jedoch, dass CBS den erklärten Trump-Kritiker Colbert aus dem Weg haben will.

CBS gehört zum Paramount-Konzern, der vergangenes Jahr von Skydance unter David Ellison übernommen wurde, Sohn des US-Milliardärs und Trump-Vertrauten Larry Ellison. Nach der Übernahme tauschte CBS seine Führung aus und machte die konservative Journalistin Bari Weiss zur Chefredakteurin. Die hielt im Dezember dann gleich einen Beitrag der Nachrichtensendung „60 Minutes“ zurück, der sich kritisch mit einem Gefängnis in El Salvador beschäftigte, wohin die Trump-Regierung angebliche Gangmitglieder aus Venezuela abschiebt.

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Bei „60 Minutes“ wiederum hat Anderson Cooper am Dienstag seinen Abgang angekündigt. Der 58-Jährige moderierte die CBS-Sendung seit knapp 20 Jahren, außerdem zwei Nachrichtenformate auf CNN. Die Arbeit bei „60 Minutes“ sei eine der größten Ehren seiner Karriere gewesen, „aber jetzt habe ich kleine Kinder und möchte so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen, solange sie noch Zeit mit mir verbringen wollen“.

Stephen Colbert hat James Talarico übrigens doch noch als Gast begrüßt, das Interview wurde auch aufgezeichnet. Er dürfe zwar keine URL und keinen QR-Code mitteilen, sagte er in der Sendung, aber: „Wenn Sie auf unsere Youtube-Seite gehen, werden Sie es finden.“ Dort findet man es in der Tat – und hört dann auch die Frage Colberts an Talarico, warum er mit seinen Auftritten bei ihm und bei „The View“ so viel Ärger verursacht habe.  Talarico daraufhin:  „Ich glaube, Donald Trump hat Angst, dass wir Texas gewinnen werden.“

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