Kritik am Konzept der Korridorsanierungen der Deutschen Bahn | ABC-Z

Die Verzögerungen bei den Bauarbeiten an der Bahnstrecke Hamburg-Berlin sorgen für Unverständnis. Die Deutsche Bahn hatte am Montag, 16. Februar, mitgeteilt, dass sie aufgrund des Winterwetters den Termin zur Fertigstellung der Streckensanierung Ende April nicht einhalten kann. Erst am 13. März will der Konzern mitteilen, wann auf der Strecke wieder Züge fahren können. Am Dienstag hieß es, es gehe um eine Verzögerung von „wenigen Wochen, nicht von Monaten“. Die Lage habe in den vergangenen Tagen neu bewertet werden müssen, die Öffentlichkeit sei „umgehend“ informiert worden. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) forderte die Bahn auf, „so schnell wie möglich» ein belastbares Konzept vorzulegen, «damit die wichtige Verbindung zwischen Berlin und Hamburg wieder in Betrieb gehen kann“.
Die Arbeiten sind der DB zufolge seit sechs Wochen in Verzug, weil Frost und Schnee Kabeltiefbauarbeiten für die Signal- und Stellwerksanlagen nahezu unmöglich machten. Schwierig gestalten sich der Bahn zufolge aufgrund der Kälte auch Arbeiten an den Oberleitungen. Eigentlich sollten die Generalsanierungen von rund 40 Strecken eine Art Befreiungsschlag für die Verbesserung der maroden Infrastruktur sein. Nun aber gibt es zunehmend Fragen zum Konzept.
So hatte die Bahn ursprünglich geplant, die etwas mehr als 40 Generalsanierungen bis 2031 zu erledigen. Inzwischen wurde der Zeitplan bis 2036 gestreckt, damit nicht zu viele Sanierungen gleichzeitig das Netz belasten. In der Bahnbranche kam die zeitliche Streckung gut an. Dort gab es Befürchtungen, die Bahn sei sonst mit Planung und Bau überfordert. Ebenfalls verlängert hat sich die Bauzeit bei einzelnen Generalsanierungen. Statt einem halben Jahr sollten etwa die Bauarbeiten zwischen Hamburg und Berlin neun Monate dauern – plus die nun angekündigte Verlängerung.
Wie so oft bei großen Bauprojekten liegen auch hier die tatsächlich Kosten über den Budgetplänen. Die Riedbahn etwa war mit 500 Millionen Euro veranschlagt – und kostete 1,3 Milliarden. Für die Strecke Hamburg-Berlin wurden 2,2 Milliarden Euro veranschlagt – angesichts der Verlängerung ist eine Erhöhung dieses Budgets wahrscheinlich. Und bei den Generalsanierungen werden Baumaßnahmen gebündelt abgearbeitet – alles lässt sich so aber dann doch nicht erledigen, so dass schnell wieder Bauarbeiten samt Sperrungen anfallen. Im Gegenzug für die Belastungen durch die Vollsperrungen versprach die Bahn zu Beginn ihrer Generalsanierungs-Pläne acht bis zehn Jahre Baufreiheit für jeden Korridor. Das Versprechen wurde später auf fünf Jahre verkürzt – und es mehren sich die Anzeichen, dass auch dieser Zeitraum nicht auf allen Strecken eingehalten wird.
In der Bahnbranche kommen angesichts der Probleme bei den Generalsanierungen grundsätzliche Fragen auf. „Bund und Bahn müssen verbindliche Standards für Generalsanierungen festlegen, die auf jeden Fall eine deutliche Kapazitätssteigerung für die Strecke und belastbare Zeitpläne vorsehen“, sagte Dirk Flege von der Allianz pro Schiene. „Hamburg-Berlin hätte eigentlich einen großen Zeitpuffer haben müssen, weil weniger gebaut wird als ursprünglich vorgesehen.“ Nun reichten aber die neun Monate Totalsperrung nicht einmal für die abgespeckte Variante aus. Ähnlich reagierte Peter Westenberger vom Verband der privaten Güterbahnen. Er forderte: „Die Planung der Korridorsperrungen muss endlich wirklich auf den Prüfstand.“





















