Volkswagen lässt den nächsten Sparhammer kreisen | ABC-Z

Der Druck auf Oliver Blume könnte kaum größer sein, wenn er am 10. März auf der Jahrespressekonferenz darlegen muss, wie Volkswagen aus der Krise kommen will. Schon im vergangenen Jahr wollten der Konzernchef und seine Führungsmannschaft keinen Zweifel daran lassen, dass sie alles tun, um Milliardensummen zu sparen. „Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt“, betonten sie damals, als sie in der Berliner VW-Repräsentanz an der Prachtstraße Unter den Linden die Bilanz für das abgelaufene Jahr vorstellten. Jetzt zeigt sich immer klarer: Die bisher beschlossenen Einschnitte reichen nicht, um auf die vielen Krisen und Probleme zu reagieren.
Auf einer jährlichen Klausurtagung des oberen Topmanagements soll Blume vor etwa vier Wochen seinen Führungskräften eingebläut haben, dass die Gewinnschwelle weiter sinken muss, um auf Belastungen durch Amerikas Zollpolitik, auf den Verdrängungswettkampf in China und den wachsenden Preisdruck in Europa zu reagieren. Bis zum Jahr 2028, so wird kolportiert, sollen die Kosten im ganzen Konzern um 20 Prozent sinken. Darüber hatte das „Manager-Magazin“ am Montag als erstes berichtet.
Das Problem: Der VW-Konzern befindet sich derzeit in der „quiet period“, einer vorgeschriebenen Stillhaltephase vor Veröffentlichung der Jahreszahlen im März — entsprechend spärlich ist die Einordnung, die zu den kursierenden Informationen aus Wolfsburg kommt. Ob Entwicklungs-, Produktions- oder Personalkosten im Fokus stehen und welche Summen genau eingespart werden sollen, bleibt offen. Die genannte Größenordnung von 60 Milliarden Euro sei zu hoch, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Mehr ist kaum zu vernehmen.
Gleichzeitig reagieren die Arbeitnehmervertreter mitten im Wahlkampf für die Betriebsratswahlen empfindlich auf alles, was nach neuen Belastungen klingt. Die IG Metall nennt den Bericht eine bloße „Zustandsbeschreibung der längst laufenden Effizienzprogramme“. In Führungskreisen wird dagegen schon länger darauf gepocht, dass VW seine Sparprogramme beschleunigen muss.
Sparprogramme soweit das Auge reicht
Alle Konzernteile senken schon jetzt ihre Kosten. Besonders hart wurde vor etwas mehr als einem Jahr um Einsparungen der renditeschwachen Stammmarke VW gerungen. Laut geltender Vereinbarung mit der IG Metall werden bis Ende des Jahrzehnts 35.000 Stellen sozialverträglich abgebaut und die Kapazität von Werken wie Wolfsburg, Zwickau oder Emden verringert, ohne Standorte zu schließen. Auch die Premiummarke Audi baut Personal ab. Die Sportwagenmarke Porsche, bis Ende vergangenen Jahres in Personalunion von VW-Konzernchef Blume geführt, verhandelt unter ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden Michael Leiters über ein neues Sparprogramm.
Nachdem der Gegenwind durch politische Krisen, den schwachen Dollar und andere Schwierigkeiten noch zugenommen hat, wollen Blume und seine Führungskräfte ganz offensichtlich nachschärfen. Das sorgt für Nervosität, auch weil das Jahr 2026 schon unter bestehenden Vereinbarungen mit der IG Metall als Schicksalsjahr für deutsche Standorte gelten kann. In Wolfsburg, Zwickau und Emden sind die Fabrikkosten vergangenes Jahr laut Konzernkreisen im Schnitt schon um fast 30 Prozent gesunken. Nun müssten je nach Standort weitere zehn bis 15 Prozent folgen, um die Ziele für Ende 2026 zu erreichen. Verfehlt ein Werk die Vorgaben, will das Management dort nicht weiter investieren — Werksschließungen stünden wieder im Raum, auch wenn die IG Metall betont, solche Schritte seien mit ihr nicht zu machen.
Blume hat außerdem noch ganz andere Schwierigkeiten vor der Brust. Der Erfolg neuer Modelle in China ist ungewiss, frühestens in ein paar Monaten können sie das dortige Geschäft ankurbeln. Die Marktanteile in Amerika steigen nicht wie erhofft. Und die Krise von Porsche kratzt an seinem Ruf, schließlich hatte Blume als Chef der Sportwagenmarke viele Entscheidungen zu verantworten, die inzwischen zum Problem geworden sind, allen voran der forsche Umstieg auf E-Modelle, die jetzt nicht genug Käufer finden. Die Aktionärsfamilien Porsche und Piëch, heißt es, seien nervös. Und auch der Kapitalmarkt erwartet gespannt, mit welchen Nachrichten Blume im März zur Jahresbilanz aufwartet.





















