Generalsanierung dauert länger: Das müssen Fahrgäste wissen | ABC-Z

Der Abschluss der Sanierung verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Wegen des kalten Wetters in den vergangenen Wochen sei die Wiederaufnahme des Zugverkehrs zwischen Hamburg und Berlin zum 30. April nicht zu halten, teilte die Deutsche Bahn Mitte Februar mit. Es sei der stärkste Winter seit 15 Jahren, die Böden seien teilweise bis zu 70 Zentimeter tief gefroren. Dadurch seien Kabelkanäle vereist, was die Verlegung von neuen Signalkabeln um Wochen verzögern werde. Auch Arbeiten an den Oberleitungen seien kaum möglich.
Die Bahn will am 13. März einen neuen Zeitplan für die laufende Generalsanierung der Strecke vorlegen. “Wir haben heute schon einen Mehrschichtbetrieb”, sagte Gerd-Dietrich Bolte, Leiter der Streckennetzgesellschaft DB InfraGo. Es werde sieben Tage die Woche rund um die Uhr gearbeitet. Jetzt starte die Aufholjagd. “Es geht jetzt darum, zu kämpfen. Jeder Tag ist wichtig, weil wir wollen natürlich möglichst dicht an der geplanten Betriebnahme dranbleiben”, so Bolte.
Die Verzögerungen bei den Bauarbeiten sorgen für Empörung und Unverständnis in der Politik. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) forderte die Bahn auf, “so schnell wie möglich” ein belastbares Konzept vorzulegen, “damit die wichtige Verbindung zwischen Berlin und Hamburg wieder in Betrieb gehen kann”. Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Wolfgang Blank (parteilos) bezeichnete die Ankündigung der Bahn, über den 1. Mai hinaus bauen zu wollen, als “völlig inakzeptabel”. Die Landesregierung fühlt sich von der Bahn verschaukelt. Vor ein paar Tagen hätten Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und er sich mit Bahnchefin Evelyn Palla getroffen, so Blank. “Die Ministerpräsidentin hat ausdrücklich gefragt, ob es bei der Eröffnung bleibt. Da gab es kein Wort von der Bahn zur Verzögerung.”
Insgesamt will die DB mehr als 160 Kilometer Gleise erneuern, Hunderte Weichen und Dutzende Kilometer Oberleitung austauschen. Die Strecke soll damit zu einem “Hochleistungskorridor” ausgebaut werden. Außerdem werden 28 Bahnhöfe modernisiert. Die ursprünglich geplante Umstellung auf komplett digitale Leit- und Sicherungstechnik wurde hingegen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Die Fahrzeit zwischen dem Hamburger und dem Berliner Hauptbahnhof verlängert sich um mindestens 45 Minuten: Statt eindreiviertel Stunden dauert die Fahrt während der Bauarbeiten zweieinhalb Stunden – wegen der Umleitung über Stendal und Uelzen. Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Schwerin ist vorübergehend gar nicht per Fernverkehr erreichbar. Normalerweise beträgt die Fahrtzeit ab Hamburg im ICE nur 54 Minuten. Mit dem Ersatzbus sind Reisende nun knapp zwei Stunden unterwegs. Die Fernzüge zwischen Hamburg und Rostock werden über Lübeck und Bad Kleinen umgeleitet, die Fahrtzeit verlängert sich um etwa eine Stunde. Sämtliche Ersatzverbindungen sind im Internet auf bahn.de oder in der App DB Navigator einseh- und buchbar.
Die Bahn hat nach eigenen Angaben “Deutschlands größten Ersatzverkehr mit Bussen” eingesetzt, um die Folgen der Sperrung für die Fahrgäste abzumildern. Um die entfallenden Halte anzubinden, seien in Spitzenzeiten bis zu 173 Busse im Einsatz. Sie verkehren auf 28 Linien und werden laut DB täglich insgesamt bis zu 86.000 Kilometer zurücklegen. Eine Übersicht über das Streckennetz hat die Bahn im Internet veröffentlicht. Die purpurfarbenen Busse mit der Aufschrift “Ersatzverkehr Replacement Service” sind barrierefrei, verfügen über große Info-Monitore sowie Steckdosen an den Sitzplätzen. Außerdem soll es in allen Fahrzeugen WLAN geben. Fahrräder dürfen in den Bussen nicht mitgenommen werden – Ausnahme sind Klapp- und Falträder.
Nach zwei Busunfällen auf der A24 im vergangenen Sommer reagierte Ersatzverkehr-Betreiber ecoVista mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde von 100 auf 80 km/h reduziert. Alle Busse wurden technisch so umgerüstet, dass schnelleres Fahren nicht mehr möglich ist. Zudem wurden Kontrollen verstärkt und interne Regeln verschärft. Nach Angaben des Verkehrsministeriums Mecklenburg-Vorpommern erreichen die Busse eine Pünktlichkeitsquote von 90 Prozent. Zum Vergleich: Der Fernverkehr der Bahn kam im vergangenen Jahr bundesweit nur auf 60,1 Prozent. Dennoch bedeutet der Ersatzverkehr mitunter erhebliche Belastungen für Menschen, die täglich auf die Verbindungen angewiesen sind, so etwa auch für Schulkinder, die teils stundenlang unterwegs sind.
Alle Bahnverbindungen im Nahverkehr, die auf die Fernverkehrsstrecke Hamburg-Berlin zulaufen oder sie nutzen, können während der Generalsanierung nicht mit dem Zug befahren werden. Betroffen sind vor allem viele Verbindungen in Mecklenburg-Vorpommern.
Änderungen oder Ausfälle im Nah- und Regionalverkehr gibt es auf folgenden Linien:
- RE1 Rostock-Schwerin-Hagenow-Hamburg
- RE4 zwischen Bützow und Lübeck
- RE5 Rostock-Güstrow-Waren
- RE8 Wismar-Schwerin-Ludwigslust-Berlin
- RB14 Parchim-Ludwigslust-Hagenow
- RB17/18 Wismar-Bad Kleinen-Schwerin-Ludwigslust
Zwischen Schwerin und Berlin ist mit dem RE85 eine Extra-Verbindung im 120-Minuten-Takt eingerichtet. Der Zug hält in MV noch an den Bahnhöfen Bad Kleinen, Güstrow und Waren (Müritz), in der Gegenrichtung zudem in Neustrelitz. Wer von Ludwigslust nach Berlin fahren möchte, ist während der Generalsanierung auf Ersatzbusse im Nahverkehr angewiesen. Mit Umstieg in Quitzow bei Perleberg sowie Wustermark bei Berlin beträgt die Fahrzeit mindestens 3:40 Stunden. Für die Fahrt von Ludwigslust nach Hamburg (U-Bahnhof Steinfurther Allee) können IC-Ersatzbusse genutzt werden. Fahrtzeit: etwa zweieinhalb Stunden.
Von Hamburg aus sind neben den Fahrgästen im Fernverkehr nach Berlin auch Reisende Richtung Ostsee betroffen: Die IC-Züge nach Binz auf Rügen und nach Greifswald halten nicht in Schwerin, sie werden über Lübeck umgeleitet. Hier verlängert sich die Fahrtzeit um etwa eine Stunde.
Im Nahverkehr ist die Linie RE1 von den vorübergehenden Änderungen betroffen: Die Verbindung von Hamburg über Hagenow nach Schwerin und weiter nach Bad Kleinen fällt aus. Alternativ muss der Ersatzverkehr mit Bussen genutzt werden.
Für den Ersatzverkehr werden die Bahnhöfe Bergedorf, Steinfurther Allee und Wandsbek-Markt zu zentralen Umsteigepunkten in Hamburg. Von dort können auch Ziele in der Metropolregion wie etwa Mölln und Lauenburg/Elbe in SH erreicht werden.
Für die Zeit der Generalsanierung ist der Hauptbahnhof in Lübeck Start- und Endpunkt der neuen Linie RE2 von und nach Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem werden IC-Züge von Hamburg nach Binz auf Rügen über Lübeck umgeleitet, da in MV der Fernverkehrs-Halt Schwerin entfällt.
Änderungen oder Ausfälle im Nah- und Regionalverkehr gibt es auf folgenden Linien:
- RE1 Hamburg-Büchen-Schwerin
- RE4 Lübeck-Bad Kleinen-Bützow
- RE83 Lübeck-Mölln-Büchen-Lüneburg
Zwischen Mölln und Lauenburg fährt zweimal pro Stunde eine Busersatzlinie, auch von Mölln und Büchen nach Hamburg sind Ersatzbusse unterwegs.
Durch die komplette Sperrung der Bahnstrecke Hamburg-Berlin werden die Fernverkehrszüge über das niedersächsische Uelzen umgeleitet. Auf anderen Verbindungen zwischen den beiden Metropolen steigen viele Fahrgäste in Hannover um. Weil sich die Bauarbeiten nun verzögern, wird die eigentlich ab 1. Mai geplante Sanierung der Strecke Hannover-Hamburg später starten. Die Bahn will nicht zwei Hauptkorridore gleichzeitig sanieren.
Änderungen und Ausfälle im Nah- und Regionalverkehr gibt es auf folgenden Linien:
- RE19 Uelzen-Salzwedel-Stendal-Magdeburg
- RE20 Uelzen-Salzwedel-Stendal-Magdeburg
- RB40 Braunschweig-Helmstedt-Magdeburg
- RB47 Uelzen-Bad Bodenteich-Braunschweig
- RE50 Hildesheim-Braunschweig-Wolfsburg
Die Arbeiten auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin sind Teil der Generalsanierung der Deutschen Bahn, bei der ein Viertel des bundesweiten Streckennetzes modernisiert werden soll. Eigentlich sollten die Arbeiten 2031 abgeschlossen sein, nach Bahn-Angaben vom Sommer 2025 könnten sie sich aber noch bis 2036 hinziehen. Einige Strecken wurden viele Jahre lang vernachlässigt. Die Bahn will die Bauarbeiten an den Gleisen künftig neu organisieren. Notwendige Maßnahmen wurden bislang auf mehrere Monate und Jahre verteilt. Das führte zu immer neuen Einschränkungen auf derselben Strecke. Bei Fahrgästen sorgte das für Unverständnis. Größere Bauarbeiten sollen künftig in einem feststehenden Zeitfenster erfolgen. Auch sollen sich die einzelnen Gewerke besser abstimmen und ihre Maßnahmen bündeln, heißt es.
Insgesamt sollen bei der derzeit laufenden Generalsanierung 4.000 Kilometer Gleise auf mehr als 40 Strecken in Deutschland kernsaniert werden. Kostenpunkt: 87 Milliarden Euro. 4.000 weitere Kilometer des Streckennetzes sollen durch “kleinere und mittlere Maßnahmen” verbessert werden. Allein im vergangenen Jahr sollten 14 Strecken, 2.000 Kilometer Gleise, 2.000 Weichen, 1.000 Bahnhöfe und 150 Brücken für insgesamt 16 Milliarden Euro saniert werden.
Die Deutsche Bahn hat viele Baustellen: Taktverdichtung, Personalmangel, marode Bahnhöfe oder zu wenige Züge im Regionalverkehr. Auch bei Starkregen, Frost, hohen Temperaturen und ähnlichen Wetterextremen gibt es schnell Schwierigkeiten auf der Schiene.
Auch in den kommenden Jahren werden laut Planung an vielen Stellen im Norden Baumaßnahmen am Streckennetz der Deutschen Bahn durchgeführt. Im September 2025 veröffentlichte die Bahn einen neuen Zeitplan dafür.
- Die Strecke Hamburg-Hannover soll im Jahr 2026 für zehn Wochen gesperrt werden. In dieser Zeit soll unter anderem das Stellwerk Uelzen elektrifiziert werden. Wegen der nun verzögerten Generalsanierung auf der Strecke Hamburg-Berlin wankt aber auch hier der Zeitplan, da die Bahn nicht beide wichtigen Korridore gleichzeitig sperren will.
- Auf der Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover sollen im Jahr 2027 Gleise und Weichen erneuert sowie mehrere Bahnhöfe modernisiert werden. Auch zwischen Bremerhaven und Bremen soll dann gebaut werden.
- Auf der Strecke Lübeck-Hamburg erfolgt ab 2028 die Sanierung von Weichen, Gleisen sowie der Leit- und Sicherungstechnik. Zudem werden mehrere Bahnhöfe renoviert. Ursprünglich war der Start bereits 2027 geplant gewesen.
- Auch im “Ostkorridor Nord” sollen 2028 auf den Strecken Uelzen-Stendal und Stendal-Magdeburg Baumaßnahmen umgesetzt werden.
- Ab Februar 2029 steht auf der Strecke Hamburg-Hannover die Modernisierung von Bahnhöfen, Gleisen, Weichen und Technik an. Die Strecke wird dann für fünf Monate komplett gesperrt. In Uelzen wird ein Bahnsteig neu gebaut. In Lüneburg soll ein Gleis reaktiviert werden. Bei Bienenbüttel wird ein Überholgleis eingerichtet. Auch zwischen Bremen und Wunstorf sowie zwischen Lehrte und Groß-Gleidingen stehen im Jahr 2029 Arbeiten an.
- Ab 2031 werden auf der Strecke Bremen-Hamburg unter anderem umfangreiche Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik umgesetzt.
- 2032 und 2033 sollen die Strecken Bremen-Osnabrück, Osnabrück-Münster, Münster-Recklinghausen, Minden-Wunstorf und Weddel-Magdeburg modernisiert werden.
- 2034 möchte sich die Bahn um den Abschnitt zwischen Bremen/Rotenburg und Wunstorf kümmern.
- 2035 soll auf der Strecke Nordstemmen-Göttingen unter anderem der Untergrund verbessert werden.
- 2036 wird auf der Strecke zwischen Flensburg und Hamburg gebaut
Das Pilotprojekt für die Generalsanierung hat die DB zwischen Juli und Dezember 2024 auf der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt/Main und Mannheim umgesetzt. Innerhalb von fünf Monaten haben rund 800 Mitarbeitende der DB und der beteiligten Bauunternehmen auf der rund 70 Kilometer langen Strecke die überalterte Infrastruktur nahezu komplett erneuert. Durch die Sanierung sollen laut DB die betrieblichen Störungen auf einer der meistbefahrenen Strecken in Deutschland um bis zu 80 Prozent gesenkt werden.
Als “Vorarbeit” für die Generalsanierung auf der Strecke Hamburg-Berlin sind zwischen Hamburg und Wittenberge (Brandenburg) von Mitte August bis Mitte Dezember 2024 mehr als 74 Kilometer Gleise und 100 Weichen erneuert worden. Außerdem wurden in der Zeit in dem Bereich Brücken modernisiert, zweite Gleise gebaut, Eisenbahnüberführungen weitergebaut und Bahnhöfe modernisiert.





















