Westjordanland: Israelischem Siedler droht Anklage nach Tötung von Palästinenser | ABC-Z

Ein halbes Jahr nach der Tötung eines palästinensischen Aktivisten im Westjordanland wollen israelische Staatsanwälte einen jüdischen Siedler anklagen. Die zuständige Strafverfolgungsbehörde bestätigte, ein Verfahren eingeleitet zu haben. Genaue Angaben zu den Anklagepunkten machte sie nicht.
Der Tod des Aktivisten Awdah Hathaleen hatte international Aufmerksamkeit erregt. Der Getötete war an dem Dokumentarfilm No Other Land beteiligt, der im vergangenen Jahr einen Oscar gewann. Bei dem Beschuldigten handelt es sich um den Siedler Yinon Levi, der von westlichen Staaten bereits 2024 wegen Gewaltvorwürfen mit Sanktionen belegt wurde.
Ein Anwalt der Familie des Getöteten sagte, die Staatsanwaltschaft habe
die Angehörigen darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie Levi wegen
fahrlässiger Tötung anklagen wolle. Das Verfahren ermögliche dem
Beschuldigten, die Vorwürfe anzufechten, bevor sie formell
erhoben werden. “Die Durchsetzung des Gesetzes in Fällen wie diesem, in
denen Palästinenser im Westjordanland involviert sind, ist sehr selten,
daher ist dies ein einzigartiger Fall”, sagte der Anwalt.
Mehrere Videoaufnahmen zeigen die mutmaßliche Tat
Hathaleen wurde im Juli bei einer Konfrontation von Palästinensern und israelischen Siedlern im Ort Umm al-Chair getötet. Die Siedler sollen damals mit einem Bagger Eigentum der Palästinenser beschädigt haben. Von der mutmaßlichen Tat gibt es Videoaufnahmen aus verschiedenen Perspektiven. Eine davon wurde von Hathaleen selbst aufgezeichnet. Darin ist zu sehen, wie Levi Schüsse auf die Person abgibt, die die Kamera hält. Eine andere
Aufnahme zeigt Levi bei der Abgabe von zwei Schüssen, ohne dass
ersichtlich wird, wo diese einschlagen.
Chalil Hathaleen, der Bruder des Getöteten, sagte, die Familie sei froh, dass zumindest zu einem gewissen Grad Gerechtigkeit angestrebt werde. Den Vorwurf einer fahrlässigen Tötung halte er jedoch für unzureichend. “Es war eine vorsätzliche Tötung am helllichten Tag, mit Vorsatz und Planung”, sagte er.
Levis Anwalt Avichai Hadschbi lehnte eine Stellungnahme ab und teilte mit, er habe keine Benachrichtigung über die bevorstehende Anklage erhalten. Zuvor hatte er gesagt, sein Mandant habe in Notwehr gehandelt. Ein israelischer Richter hatte Levi vor einem halben Jahr aus dem Gewahrsam entlassen und dies damit begründet, dass es keine ausreichenden Beweise dafür gebe, dass Levi die tödlichen Schüsse abgefeuert hat.





















