Kultur

Liebesbogen in Apulien stürzt am Valentinstag ein | ABC-Z

Das Fischerdorf Sant’Andrea, ein­gemeindet zur Stadt Melendugno in ­Apulien, hat über Nacht seine wichtigste Sehens­würdigkeit verloren. Der Arco degli innamorati (Bogen der Verliebten oder kurz: Liebesbogen) ist nicht mehr.

Ausgerechnet am späten Abend des ­Valentinstags, des Tags der Lie­benden, brachten heftige Regenfälle, ­hoher Seegang und Orkanböen den natür­lichen Bogen zwischen dem Festland und einem sogenannten Faraglione zum ­Einsturz. Faraglioni heißen jene kegel­runden bis bleistiftspitzen Felsforma­tionen, die mit der Zeit von Wind und Meer aus einer Steilküste heraus­gemeißelt werden und wie natürliche Leuchttürme wenige Hundert Meter vor der Küste aus den Fluten ragen.

Manche Faraglioni bleiben zunächst über natür­liche Bögen mit der Küste verbunden. Faraglioni bilden sich, wenn Wellen und Gezeiten an porösem Gestein nagen. In Sant’Andrea ist es der für die apulische Küste typische helle Kalkstein, der neben bizarren Faraglioni und zer­klüfteten Felsen auch zahlreiche Grotten ausgeprägt hat.

Sturmtiefs beschäftigen Italien seit Wochen

Seit Wochen bringen atlantische Sturmtiefs große Mengen Regen und Schnee nach Italien – vom Norden bis zum Süden und auch auf die Inseln im Tyrrhenischen Meer. Das jüngste Tief Oriana hat von der Hauptstadtregion Latium bis nach Kalabrien und Apulien Überschwemmungen und schwere ­Schäden am Küstenstreifen verursacht.

In Sant’Andrea, am Absatz des Stiefels gelegen, hat die Natur nun über Nacht zerstört, was sie zuvor über die Jahr­tausende geschaffen hatte. Bürger­meister Maurizio Cisternino sprach am ­Morgen danach von einem „furchtbaren Schlag mitten ins Herz“ – dorthin also, wo bekanntlich die Liebe ihren Sitz hat, die auch dem famosen Felsenbogen ­seinen Namen gegeben hatte. Verschwunden sei „eines der bekanntesten Touristenziele an unserer Küste und in ganz Italien“, klagte der Bürgermeister. Wind und Wellen hätten „einen der wichtigsten Werbeträger“ dieses Küstenabschnitts geschaffen, und nun habe sich die Natur den Felsenbogen zurückerobert. „Dies ist ein schwerer Verlust für das Image des Salento und für den Tourismus“, sagte Cisternino. Er ­forderte, die gesamte Küste besser zu ­sichern. Denn: „Was vor 30 Jahren noch da war, ist heute nicht mehr.“

Glücklicherweise kam bei dem Einsturz niemand zu Schaden. Der Felsenbogen dürfte seinen Namen auch dem Umstand verdanken, dass sich dort die Pärchen zum Stelldichein einfanden, in pittoresker Szenerie unterm Sternenzelt. Am Ende meinte es die Natur mit den Liebenden am Tag der Liebenden auch gut: Sie hat sich den Liebesbogen bei einem Unwetter zurückgeholt, bei dem es kein Pärchen dorthin gezogen hätte. Außerdem war ein Teil des Geländes schon seit 2014 auf Geheiß des Rat­hauses und der Hafenbehörde abgesperrt: wegen Einsturzgefahr.

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