Multiple Sklerose: Symptome, Diagnose, Therapie | ABC-Z

Stand: 16.02.2026 00:00 Uhr
Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung des Nervensystems, die das Gehirn und Rückenmark umfasst. Sie verläuft äußerst unterschiedlich, aber meist in Schüben und ist bisher nicht heilbar.
Multiple Sklerose (MS) wird auch die “Krankheit mit den 1.000 Gesichtern” genannt. Sie kann so unterschiedlich verlaufen, dass sich allgemeingültige Aussagen nur bedingt treffen lassen. In Deutschland sind mindestens 280.000 Menschen von dieser chronisch-entzündlichen Erkrankung des Nervensystems betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Die meisten Betroffenen erhalten die Diagnose MS im frühen Erwachsenenalter. MS ist nicht ansteckend.
Symptome von MS: unterschiedlichste Störungen
Bei der Multiplen Sklerose greifen fehlgeleitete Immunzellen die Nerven an – das führt zu Entzündungen und verschiedenartigen Symptomen. Prägnante Anzeichen einer Multiplen Sklerose sind neurologische Störungen, und zwar stunden- bis tagelange Ausfallerscheinungen in unterschiedlichen Körperregionen. Einzeln oder in Kombination können folgende Symptome auftreten:
- Sehstörungen (Doppelbilder)
- Beinschmerzen
- Lähmungen
- Blasen- und Darmstörungen
- Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
- Sprechstörungen
- Kribbeln und andere Sensibilitätsstörungen
- chronische Erschöpfung (Fatigue)
- sexuelle Störungen
Anfangs verschwinden die Störungen wieder oder es bleiben nur geringe Beschwerden zurück. Mit der Zeit kommen neue hinzu, die teils dauerhaft bleiben. Typisch für den Verlauf von MS: Der Schweregrad der Symptome nimmt mit dem Krankheitsverlauf zu, einige Störungen treten jedoch nur vorübergehend auf. Man spricht dabei von Schüben.
MS-Diagnose mit MRT und Lumbalpunktion
MS ist aufgrund der unterschiedlichen Erscheinungsbilder auch für erfahrene Ärztinnen und Ärzte häufig schwer zu diagnostizieren.
Zunächst steht eine sorgfältige Erhebung der Krankheitsgeschichte an, die Anamnese. Klassischerweise folgt dann eine neurologische Untersuchung von Bewegungsapparat, Koordination, Gleichgewicht und Sinnesorganen. Weiter werden im Wege der Kernspinresonanz-Tomografie (MRT) Bilder des Gehirns und Rückenmarks erstellt. Eine sogenannte Lumbalpunktion (die Entnahme von Nervenwasser mit einer Hohlnadel aus dem Rückenmark in Höhe der Lendenwirbelsäule) gibt Aufschluss über Entzündungszellen und bestimmte verdächtige Eiweißkörper. Ein Bluttest kann zwar MS nicht nachweisen, ist aber dennoch wichtig, um andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen.
Das klinische Erscheinungsbild ist mit dem bisherigen Krankheitsverlauf abzugleichen, das neurologische Untersuchungsergebnis und die Befunde aus den Zusatzuntersuchungen sind dann in einer Gesamtschau zu betrachten. Gemäß den sogenannten McDonald-Kriterien kann die Diagnose MS unter Umständen bereits nach dem ersten Schub als gesichert gelten.
Ursachen für Multiple Sklerose noch ungeklärt
Die Ursachen für die Fehlsteuerung der Immunzellen konnten bislang nicht eindeutig geklärt werden. Auch wenn sie familiär gehäuft auftreten kann, ist MS keine Erbkrankheit im klassischen Sinn. Forschende gehen davon aus, dass zentraler Auslöser eine zunächst harmlos erscheinende Virusinfektion im Kindes- oder Jugendalter ist, die die Aktivität des Immunsystems stört.
Immunsystem stärken durch Ernährung
MS ist nicht heil-, aber behandelbar. Es geht darum, den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität weitestmöglich zu erhalten. Mit der Ernährung können MS-Betroffene versuchen, ihre Immunabwehr zu stärken und das Entzündungsgeschehen zu minimieren. Forschungsergebnisse deuten an, dass es eine Verbindung zwischen der Zusammensetzung der Darmflora und Erkrankungen des Gehirns gibt – “Darm-Hirn-Achse” genannt. Ein Ansatz ist, für mehr gute Darmbakterien zu sorgen: und zwar mit Pro- und Präbiotika. Denn aus ballaststoffreichen Lebensmitteln stellen Darmbakterien wertvolle kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat und Propionat her. Sie werden zur Reparatur der Nervenzellen gebraucht. Die Ernährung sollte deshalb vor allem aus Gemüse, hochwertigen Ölen, Nüssen und Samen bestehen. Positiv wirken sich insbesondere die entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren aus.
Medikamente bei MS zur Entzündungshemmung
Bei akuten Schüben erhalten Patienten hochdosierte Entzündungshemmer, meist Steroidhormone (Kortikosteroide). Immunstimulierende Interferone sowie Immunsuppressiva – also Medikamente, die die Immunabwehr dämpfen -, werden zur sogenannten Basis- und Eskalationsbehandlung verschrieben. Sie sollen das Fortschreiten dieser chronischen Krankheit aufhalten.
Begleitende Behandlungsansätze für Multiple Sklerose
Hinzu kommen physio- und ergotherapeutische Maßnahmen, logopädische Hilfe und – ganz wichtig – psychotherapeutische Unterstützung. Akupunktur oder anthroposophische Heilmethoden (wie etwa künstlerische Therapie, Wickel und Auflagen) können die Therapie ergänzen. Sie sollten unbedingt mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.























