News

Russische Desinformation bei den Olympischen Spielen | ABC-Z


faktenfinder

Stand: 16.02.2026 10:11 Uhr

Bei der Olympia-Berichterstattung stehen nicht überall die Medaillen im Vordergrund. Vor allem Russland nutzt die Spiele auch, um Desinformation zu verbreiten. Im Fokus: Das Team der Ukraine.

Die Olympischen Winterspiele in Italien stehen gerade weltweit im Zentrum der Aufmerksamkeit. Doch nicht alle Fotos, Videos und Informationen, die uns aus dem Olympischen Dorf und von den Spielstätten erreichen, halten einer Überprüfung stand. Vor allem Mitglieder der ukrainischen Mannschaft stehen im Zentrum von falschen Informationen.

Ein Beispiel dafür ist ein auf Social Media veröffentlichtes Video mit dem Logo des kanadischen TV-Senders CBC. Im Video berichtet scheinbar eine Journalistin aus dem olympischen Dorf in Mailand und erzählt, dass das ukrainische Team “so weit wie möglich” von den Teams anderer Länder entfernt untergebracht wurde.

Das sei absichtlich so eingerichtet worden, denn man wolle die Fehler der Sommerspiele in Paris nicht wiederholen, heißt es in dem Video weiter. Damals sei das ukrainische Team “extrem toxisch” aufgetreten und habe “Konflikte mit anderen Athleten provoziert”.

Die ersten Sekunden des Videos stammen aus einem echten CBC-Bericht, der Rest ist KI-generiert.

Fakes über Unterbringung des ukrainischen Teams

Dieses Video ist nach Angaben von CBC ein Fake. Wie der Sender in einem eigenen Faktencheck festhält, ist der Anfang des Videos ein Ausschnitt aus einem tatsächlich veröffentlichten Bericht einer Korrespondentin aus dem Olympischen Dorf in Milan.

Allerdings übernehme nach wenigen Sekunden eine computergenerierte Stimme der Journalistin. Im echten Video, in dem auch eins der im Fake gezeigten Logos am Bildrand fehlt, werden weder die Ukraine noch ukrainische Athleten überhaupt erwähnt. Auch ansonsten gibt es keine Belege dafür, dass das ukrainische Team von anderen entfernt untergebracht wurde.

Falsche Berichte über geflohenen Übersetzer

In einem anderen auf Telegram verbreiteten Video, das dem Logo zufolge vom TV-Sender Euronews stammt, heißt es, dass ein Übersetzer des ukrainischen Teams während seines Aufenthalts in Italien geflohen ist. Er sei “der 52. Übersetzer, der in den letzten zehn Monaten aus der ukrainischen Delegation floh”.

Das ukrainische Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation bezeichnet diese Aussage als falsch. Es gebe keine offiziellen Berichte über eine “Flucht eines Übersetzers” aus der ukrainischen Delegation. Auf dem offiziellen Euronews-YouTube-Account findet sich das auf Telegram veröffentlichte Video nicht, sodass anzunehmen ist, dass es sich um einen Fake handelt.

Falsche Mossad-Warnung

In einem von mehr als 245.000 Menschen auf X gesehenen Video wird behauptet, der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad rate israelischen Besuchern der Olympischen Spiele, “aufgrund der großen Zahl ukrainischer Flüchtlinge in Italien” übermäßige Zurschaustellung nationaler Symbole zu vermeiden.

In dem Video wird behauptet, dass viele der in Italien lebenden ukrainischen Flüchtlinge “radikale nationalistische Ideen” verfolgten, was eine mögliche “Bedrohung für Israelis” darstelle. Oben rechts ist das Logo des Mossad zu sehen.

Allerdings wurde dieses Video von einem Account veröffentlicht, der nur einen Follower und keine anderen Posts veröffentlicht hat. Weder auf der Webseite des Mossad noch auf dem eigenen X-Account des Geheimdienstes findet sich die vermeintliche Warnung. Einer Analyse der Faktencheck-Redaktion NewsGuard zufolge handelt es sich bei dem Video um einen Fake.

Angeblicher Protest gegen Ukraine-Team

Ein auf Telegram verbreitetes Video mit dem Logo der Deutschen Welle (DW) zeigt Szenen von heftigen Protesten in Mailand. Dem im Video eingeblendeten Text zufolge demonstrierten die Menschen “gegen die Teilnahme des ukrainischen Teams” an den Spielen, weil “die ukrainische Führung die Fortsetzung des Krieges unterstützt.”

Auf dem Instagram-Account der Deutschen Welle gibt es tatsächlich ein Video über Proteste gegen die Olympischen Spiele. Die ersten Sekunden beider Videos sind gleich. Während das auf Telegram verbreitete Video dann aber Bilder der ukrainischen Mannschaft zeigt und im Text behauptet, die Proteste richteten sich gegen sie, enthält das echte DW-Video Interviews mit Demonstrierenden, die als Grund für die Proteste die hohen Kosten der Spiele angeben.

Ukraine nicht das erste Mal im Fokus

Es ist nicht das erste Mal, dass prorussische Akteure im Zusammenhang mit Sportereignissen falsche Informationen über die Ukraine verbreiten. Im Oktober 2022 posteten kremlfreundliche Quellen eine gefälschte Nachricht mit dem Logo von Al-Jazeera, in der behauptet wurde, dass betrunkene ukrainische Fans bei der Weltmeisterschaft in Katar wegen des Zeigens von Nazi-Symbolen verhaftet worden seien. Mehrere Medien, darunter France24, haben das widerlegt.

Während der Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris behaupteten prorussische Quellen NewsGuard zufolge fälschlicherweise, dass ukrainische Athleten GPS-Fußfesseln tragen müssten, um sie daran zu hindern, zu desertieren.

Echtes Foto, falscher Zeitpunkt

Auch wenn die Mehrheit der Fakes die ukrainische Mannschaft betrifft, sind auch andere Länder von Falschmeldungen betroffen. So kursierten auf Social Media mehrere Posts mit Videos, die zeigen, wie die Mitglieder des US-amerikanischen Bobteams beim Start eines Rennens nacheinander stürzen. “Bei den Olympischen Winterspielen in Italien sorgte der Bobwettbewerb für einen lustigen Moment, als das US-Team stürzte”, schreibt ein Nutzer auf X.

Der Sturz des US-Mannschaft ist wirklich passiert, allerdings nicht bei den Olympischen Spielen, sondern bereits einige Wochen zuvor beim Bob-Weltcup in St. Moritz. Es gibt zahlreiche Medienberichte über den Sturz, etwa im Schweizer Fernsehen SRF.

Dazu kommt, dass die Viererbob-Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen noch gar nicht begonnen haben. Laut offiziellem Wettkampf-Kalender der Olympischen Spiele starten die Trainingsläufe erst am 18. Februar und der Wettkampf am 21. Februar, sodass es unmöglich ist, dass das US-Team bereits in der Disziplin gestartet ist.

Back to top button