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Gesund im Job: Wie Betriebe ihre Mitarbeitenden fit halten | ABC-Z

Stand: 16.02.2026 05:59 Uhr

Wie umgehen mit einem hohen Krankenstand? Einige Unternehmen reagieren statt mit Drohungen mit gesundheitlicher Förderung. Und das zahlt sich aus.

Wenn Jana Vogel ihren Arbeitstag beschreibt, macht sie das in einer Aufzählung: Präsentationen, Newsletter, Events. Sie ist Projektleiterin bei TÜV Süd. Am Vorabend hat sie ein Seminar für 450 Mitarbeitende gehalten. Ein Projekt, nach dem der Stress abfällt, und trotzdem war die Nacht kurz: “Das liegt an meinem Schlafproblem”, sagt sie.

Helfen will ihr nun ihr Arbeitgeber: TÜV Süd bietet seinen Mitarbeitenden eine App für mentale Gesundheit: Employee Assistance Program, kurz EAP, nennt sich das. Der Anbieter der App wirbt mit dem Slogan: “Weniger Fehlzeiten, mehr Zufriedenheit”. Vogel hat über die App einen Termin mit einer Psychotherapeutin vereinbart. Kann das funktionieren?

Mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen

Jüngsten Erhebungen zufolge hat sich die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen seit 2014 verdoppelt. Wenn sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufgrund psychischer Probleme krankschreiben, fallen sie durchschnittlich sechs Wochen aus. Laut einer Erhebung der Krankenkasse DAK waren Beschäftigte 2025 im Schnitt 19,5 Tage krankgeschrieben.

TÜV Süd hat diese Entwicklung erkannt und machte bereits vor drei Jahren mentale Gesundheit zur Priorität – mit einer eigenen Gesundheitsmanagerin: Sabine Foellbach. “Sicherlich ist es nicht ganz einfach, für diese Themen Geld locker zu machen”, sagt sie, aber bei TÜV Süd gebe es viele, die das Thema unterstützten.

Neben der App bietet das Unternehmen auch klassische Gesundheitsförderung mit einem Betriebsarztteam, Trainings für Führungskräfte und Sportangebote an.

Betriebliche Gesundheitsförderung auch für kleinere Unternehmen

Eine Gesundheitsmanagerin muss sich ein Unternehmen erst leisten können – jedoch ist die betriebliche Gesundheitsförderung für kleine und mittelständische Unternehmen nicht weniger relevant.

Sandra Kus führt an der Ludwig-Maximilians-Universität seit mehr als zehn Jahren Projekte gezielt mit Unternehmen auf dem Land durch. Die Ziele dieser Betriebe sind, “dass sie die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden erhöhen, ein Zeichen für die Wertschätzung geben und auch ihre Arbeitgeberattraktivität steigern”, sagt Kus.

Trotzdem sei es für das aktuelle Forschungsprojekt schwierig gewesen, kleine und mittlere Unternehmen zu finden, die mitmachen. Dabei soll das Angebot niederschwellig sein: Über Bedarfsgespräche finden die Forscherinnen und Forscher heraus, was die Mitarbeitenden brauchen.

Rückenübungen und Gesprächsrunden zeigen positive Wirkung

Oft sind es lediglich regelmäßige Gesprächsrunden für eine bessere Unternehmenskultur oder gemeinsame Pausen mit Rückenübungen. Ergebnisse aus der Vergangenheit zeigen “signifikant positive Entwicklungen” im Gesundheitsverhalten der Mitarbeitenden, so Kus.

Dabei können sich die Belastungen von Branche zu Branche unterscheiden. “Nachweislich häufiger krank macht Menschen manuelle Arbeit”, sagt ein Sprecher der IG Metall Bayern und fordert deshalb, Führungskräfte müssten sich besser im Bereich Gesundheit qualifizieren.

Psychische Gesundheit per App

Bei TÜV Süd ist die betriebliche Gesundheit zur App-Sache geworden: Neben Webinaren für Führungskräfte und einem Chatbot kann Jana Vogel nun mit einer Therapeutin über ihre Schlafprobleme sprechen. Dreimal 50 Minuten zahlt das Unternehmen.

Per Videocall erzählt Jana von ihrem Alltag: ein Hund, zwei Teenager, selten pünktlich Feierabend. Die Therapeutin gibt Tipps: Meditation, natürlich auch in der App, keine Uhr neben dem Bett – ein paar Veränderungen soll Jana Vogel gleich vornehmen.

Janas Fazit nach dem Gespräch: “Wirklich gut. Ich bleib auf jeden Fall mit ihr in Kontakt”, sagt sie. Nach drei Sitzungen zeigt sich, ob sich der Slogan dann wirklich schon erfüllt: “Weniger Fehlzeiten, mehr Zufriedenheit”.

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