Tilly reagiert mit neuem Putin-Wagen auf Moskauer Prozess | ABC-Z

Köln/Düsseldorf
Zum Höhepunkt des Straßenkarnevals rollen in Köln, Düsseldorf, Mainz und andernorts wieder die Rosenmontagszüge durch die Stadt. Mit besonderer Spannung erwartet wird der Putin-Wagen des Düsseldorfer Karnevalswagenbauers Jacques Tilly.
Wegen früherer Darstellungen des russischen Präsidenten wird Tilly seit einigen Monaten in Moskau gerichtlich verfolgt. Der Bildhauer muss sich wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten, dazu gehört neben der russischen Armee auch Präsident Wladimir Putin. Tilly droht eine Verurteilung zu einer Geldstrafe oder Freiheitsentzug von bis zu zehn Jahren.
Tilly hat dazu gesagt, er sei Drohungen gewohnt und werde sich davon nicht einschüchtern lassen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat das Strafverfahren gegen Tilly scharf kritisiert und zur Solidarität mit ihm aufgerufen.
Köln und Mainz verzichten auf Putin-Wagen
Auffällig ist: Anders als in früheren Jahren wird Putin diesmal weder im Kölner noch im Mainzer Rosenmontagszug aufgespießt. Das Festkomitee Kölner Karneval bestritt, dass es aus Angst vor Repressalien auf eine Auseinandersetzung mit Putin verzichte. Man habe sich in öffentlichen Statements mit Tilly solidarisiert, sagte Zugleiter Marc Michelske. In Mainz hieß es, Putin und der Krieg in der Ukraine seien in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Thema gewesen, und man wolle “eine gewisse Redundanz vermeiden”.
Dem WDR sagte Tilly, er habe als Reaktion auf den Prozess in Russland nicht besonders extreme Wagen machen wollen. “Wir werden jetzt nicht extra noch besonders hart sein, das ist auch albern, wir machen einfach gute politische Satire, so wie immer”, sagte der Wagenbauer. Der Rosenmontag sei für ihn “ein normaler, wenn auch sehr harter Arbeitstag und wir sind natürlich alle froh, wenn es vorbei ist”. “Nur dank dieses Prozesses ist nach Aschermittwoch diesmal nicht alles vorbei. Es geht natürlich weiter, leider.”
Jacques Tilly bekommt internationale Aufmerksamkeit
Die satirischen Wagen von Tilly, die er immer bis zum Morgen des Rosenmontags geheim hält, werden jedes Jahr auch international wahrgenommen. 2024 zeigte Tilly den autokratisch regierenden Putin, wie er sich oral von Kirchenpatriarch Kirill befriedigen lässt. Damit wolle er die Mitverantwortung der russisch-orthodoxen Kirche für den Angriffskrieg auf die Ukraine anprangern, sagte er.
Im vergangenen Jahr war Putin im Düsseldorfer Rosenmontagszug zu sehen, wie er mit US-Präsident Donald Trump den “Hitler-Stalin-Pakt 2.0” schloss und die Ukraine zerquetschte. Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 hatte den Weg für die Invasion und Aufteilung Polens durch Nazi-Deutschland und die Sowjetunion freigemacht.
Ein anderer Motivwagen in Düsseldorf zeigte Putin zusammen mit Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping – alle drei stellten hüllenlos dicke Eier zur Schau. “Alle drei Großmächte sind in den Händen von antidemokratischen Despoten – das ist die Botschaft”, sagte Tilly.
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