Dating Ü40: Ein Backshop-Date fällt beinahe aus | ABC-Z

O . schreibt, dass er sich verspätet – er ist in die falsche Bahn eingestiegen. Ich laufe einmal durch die Bar, suche nach freien Plätzen. Zurück am Tresen, sehe ich jemanden die Bar betreten, der den Fotos auf O.s Profil sehr nahekommt. Plötzlich will ich nur noch nach Hause. Ich gehe an ihm vorbei, als hätte ich ihn nicht gesehen, raus auf die Straße und laufe ein paar Schritte. Obwohl O. im Chat witzig war und ich mich auf das Treffen gefreut habe, habe ich auf einmal keine Lust mehr. Auf dieses Date nicht und auf Dating überhaupt. Auf dieses ständige Aufräumen, Putzen, Bettwäschewechseln, auf immer neue Bars, auf das viele Trinken. Vielleicht ist es auch nur ein akuter Overkill: Ich hatte diese Woche schon zwei Dates, mit O. sind es drei, und morgen, am Sonntag, anders ließ es sich nicht organisieren, treffe ich mittags M. und abends N.
Aber O. jetzt einfach stehen lassen? Nein, so bin ich auch nicht. Ich ringe ein wenig mit mir und gehe zurück zur Bar; ich muss ja nicht lange bleiben. O. steht noch immer halb in der Tür. Ich versuche mich an einer halbherzigen Erklärung, doch er winkt ab.
Drinnen ist es immer noch voll, wir ziehen weiter. Schließlich drückt O. zielstrebig eine Tür auf; ihm ist kalt. Das Interieur erinnert vorne an einen Backshop mit Café, der hintere Teil sieht aus wie eine Shisha-Bar: niedrige, schwarz lackierte Tische mit Metallfüßen, quadratische Plüsch-Hocker, die Wände teils schwarz angemalt, teils verspiegelt. O. wählt eine erhöht gelegene Nische an der Wand aus, von wo wir einen guten Überblick haben.
Nur der Tresen ist von hier aus nicht zu sehen. O. geht Drinks ordern, Negroni für sich, Aperol Spritz für mich, und kommt und kommt nicht zurück. Gegangen sein wird er nicht, sein Handy liegt neben mir. Ich hole meins aus der Tasche und gebe einer Freundin ein kurzes Update. Nachdem ich gestern noch mit einem Date über K.-o.-Tropfen gesprochen habe, frage ich mich nun, ob es okay ist, dass ich einen mir vollkommen fremden Mann meinen Drink holen lasse, aber wische den Gedanken beiseite. O. kommt mit den Getränken zurück. Wir spekulieren, wie es zu dieser geschmacksverirrten Einrichtung gekommen sein kann. Er erzählt von einem Verwandten, der im Bundestag sitzt, was mich bezüglich meiner K.-o.-Tropfen-Gedanken irgendwie weiter beruhigt.
Es gibt mehr Männer, die ficken wollen als tanzen
Ich erzähle von meinem gestrigen Date im Kitkat-Club, und plötzlich nimmt O. mich ganz anders wahr. Klar. Ich komme nett, bürgerlich, etwas schüchtern rüber. Aber wenn man schon mal in einem Fetisch-Club war, kann man immer noch nett, bürgerlich, schüchtern sein, aber wirkt immerhin ein wenig verwegen. Ich hole neue Drinks, wir rücken näher zusammen und knutschen. Dann wird es Zeit zu gehen, ich war heute erst um 6 Uhr morgens im Bett. O. fragt, ob wir uns noch mal wiedersehen. „Ich weiß nicht, wann“, sage ich, halb verzweifelt, in Gedanken meine nächsten Wochen durchgehend, die komplett verplant sind. „Wenn du mit mir tanzen gehst, erhöhen sich deine Chancen“, sage ich. „Ich verstehe schon. Es gibt mehr Männer, die ficken wollen als tanzen“, sagt O. lachend. Ich grinse und zucke halb zustimmend die Schultern. Er bringt mich zur S-Bahn, zum Abschied ein Kuss. Am nächsten Tag schickt er mir mehrere Vorschläge für Tanzpartys. Wir einigen uns auf eine Party in zwei Wochen. Bis dahin schicken wir uns täglich neue Outfit-Ideen.





















