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Überlebende von Crans-Montana: Der schwere Weg zurück ins Leben | ABC-Z


weltspiegel

Stand: 15.02.2026 21:17 Uhr

41 Menschen starben bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana an Neujahr. Mehr als hundert weitere wurden meist schwer verletzt. Sie kämpfen sich nun zurück ins Leben – auch die Söhne einer deutsch-französischen Familie.

Für die Familie von Valentin und Ferdinand steht seit dem 1. Januar 2026 die Zeit still. Die Söhne hatten gemeinsam mit Freunden eine Ski-Woche in Crans-Montana organisiert. Silvester feierten sie spontan in der Bar “Le Constellation”. Um 01:40 Uhr klingelte das Telefon der Mutter Julia, die Eltern waren bei Freunden in der Normandie zu Gast.

“Mama – hier ist Feuer”, rief Ferdinand, “es ist ganz furchtbar. Ich weiß nicht, wo der Valle ist”. Die Eltern stiegen sofort ins Auto, fuhren acht Stunden durch die Nacht in die Schweiz. “Das war die längste Autofahrt unseres Lebens”, sagt Julia über eine Fahrt, bei der sie nur kryptische Informationen erhielten. Eine davon: Ihr jüngster Sohn schwebe in Lebensgefahr.

Mehr als 100 meist Schwerverletzte

115 Menschen zogen sich bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana meist schwere Brandverletzungen zu – bisher war man davon ausgegangen, dass keine Deutschen betroffen sind. Der 19-jährige Ferdinand studiert VWL an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, dem Geburtsort seiner Mutter. Sein Bruder Valentin, 16 Jahre alt, besucht die Schule in der Nähe von Paris, wo auch die Eltern leben.

Was die Familie seit dem Neujahrstag durchlebt, ist von außen kaum vorstellbar. Da ist der Kampf gegen die inneren Bilder des körperlich beinahe unverletzt gebliebenen Ferdinand, der mehrfach in die Flammen zurückging, um seinen Bruder zu suchen und dabei einen bewusstlosen Menschen, der nicht mehr zu erkennen war, ins Freie rettete. Anschließend half er über Stunden der Feuerwehr, die Schwerverletzten zu sortieren.

Lieber nicht erinnern

“Wir haben allen Wasser und Zucker gegeben, damit sie bei Bewusstsein bleiben”, erzählte er kurz nach dem Brand. Er war einer der ersten, der Reportern den Hergang des Brands schilderte und beschrieb, wie Sprühfontänen auf Champagnerflaschen montiert und zu nah an die Decke gehalten wurden – und der leicht brennbare Akustikschaum Feuer fing.

Innerhalb von Sekunden, während die Musik in der Bar weiterlief und viele der Jugendlichen die Gefahr nicht erkannten. Derzeit will er sich lieber nicht erinnern, es belastet ihn zu sehr.

23 Tage im künstlichen Schlaf

Und da ist der physische Kampf von Valentin, dessen Hautoberfläche zu 40 Prozent verbrannte, und der erst nach 23 Tagen in einem künstlichen Schlaf wieder zu sich kam. Anfangs noch an Beatmungsgeräten angeschlossen, kommunizierte er über eine Schreibtafel.

“Dann hat er auf die Tafel ‘je vous aime – ich liebe Dich’ geschrieben und ein Herz gemacht”, erinnert sich die Mutter an eine der ersten Kommunikationen auf der Intensivstation. “Er hat auf mich gezeigt und auf meinen Mann, damit wir auch ja verstehen, wen er meint – und dann ist eine Träne aus seinem Auge gekommen. Es war wirklich unglaublich.”

Kraft für den neuen Alltag

Aus Momenten wie diesen schöpft die Mutter ihre Kraft – für den neuen Alltag. Er besteht derzeit aus viel Ungewissheit, Unklarheit, wie das Leben ab jetzt weitergehen wird. Die Konstante: Die täglichen Besuche im Krankenhaus von Lyon, hier wird Valentin in einer Spezialklinik behandelt. Die Familie ist bei Freunden untergekommen.

Der 16-Jährige musste bereits zahlreiche Operationen und Hauttransplantationen über sich ergehen lassen. Seit einigen Tagen kann er das Krankenbett auf eigenen Beinen kurzzeitig verlassen, seine Stimme ist noch leise, aber entschlossen. Bald soll er eine Reha beginnen. Er kämpft sich mit voller Kraft zurück, in das Leben “danach”.

Zwei Kerzen, jeden Tag

Getragen wird die Familie von der großen Anteilnahme, die sie seit der Brandkatastrophe erfährt. “Da wurden Gottesdienste abgehalten, Gedenken – ich bin nicht gläubig, aber dieses mitgetragen werden von so einer riesen Welle an positiven Gedanken und an Liebe, das hat uns sicher uns auch geholfen”, erzählt die Mutter, als sie in der Kathedrale von Lyon zwei Kerzen anzündet, für jeden Sohn eine, ihr tägliches Ritual. “Vielleicht sind da irgendwelche höheren Mächte, die sie beschützen.”

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