Münchner Sicherheitskonferenz: Hier spricht die Rüstungsindustrie | ABC-Z

Auf der improvisierten Bühne in einer Werkhalle in Bayern
wird ein Vertrag nach dem
anderen unterzeichnet. Es sind Kooperationsvereinbarungen zwischen Drohnenherstellern und anderen Rüstungskonzernen.
Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und
der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sind vor Ort und schauen den Managern am Freitagvormittag zu.
Zuvor hatten sich die beiden in einer Fabrik eine Drohne
zeigen lassen, die auch von den ukrainischen Streitkräften gegen die russische Armee eingesetzt wird. Das von Russland überfallene Land hat großen Bedarf an Rüstungstechnik. Die frischen Verträge sollen helfen, diesen Bedarf zu decken. Präsident und Minister lobten die Firmen für die Geschwindigkeit, mit
der sie die Produktion aufgenommen haben, nur wenige Monate hat das
gedauert. Beide machen ein gemeinsames Foto mit den Vertretern der
Industrie.
Eigentlich ist Wolodymyr Selenskyj in München, um auf der Sicherheitskonferenz Regierungschefs und Diplomaten zu treffen und um mehr Unterstützung für sein Land zu werben. Doch der Besuch bei der Rüstungsindustrie dürfte mindestens genauso wichtig sein.
Ohnehin ist das Interesse an den Waffenherstellern auf der MSC so groß wie lange nicht mehr. Unter den 1.000 offiziellen
Teilnehmenden finden sich viele Manager von Drohnenherstellern, Panzer- oder
Raketenproduzenten. Immer wieder ist auf der MSC zu hören, dass Europa wehrhafter
werden und die Abhängigkeiten
von den USA reduzieren müsse, als Gemeinschaft in der Lage sein müsse,
Russland von Angriffen auf Nato-Gebiet und die EU abzuhalten.
So forderte EU-Kommissionschefin
Ursula von der Leyen am Samstag: “Europa muss einen Schritt nach vorne
machen und seiner Verantwortung nachkommen.” Ganz ähnlich klingt
Pistorius in seiner Rede im Hotel Bayerischer Hof in München am selben Tag: “Europa muss die Führung bei der
Bereitstellung robuster konventioneller Streitkräfte übernehmen und mehr
Verantwortung für seine Nachbarschaft tragen, während die Vereinigten Staaten
auch in absehbarer Zukunft weiterhin strategische und nukleare Unterstützung
leisten.”
Dafür braucht es stärkere, größere Armeen und damit auch mehr Waffen,
mehr Munition, mehr Material. Und da kommt die Rüstungsindustrie ins Spiel.
Keine Rüstungsmesse, aber ein wichtiger Ort für Gespräche
Sie gehörte von Anfang an zur Sicherheitskonferenz dazu. Denn gegründet wurde die MSC 1963 als Internationale
Wehrkunde-Begegnung. Erst 1992, nach dem Ende des Kalten Krieges, wurde sie in Sicherheitskonferenz
umbenannt. Heute sprechen Experten von einem neuen Kalten Krieg. Und auch wenn
der alte Konferenzname nicht zurück ist: Um Wehrkunde und Wehrhaftigkeit geht es doch
auf vielen Podien, im offiziellen Begleitprogramm und bei so manchem Event am Rande. Selbst im Stadtzentrum von München sind Drohnen zu sehen. Hersteller Quantum Systems hat an der Einkaufsmeile Neuhauser Straße an einem Bauzaun meterlange Werbebanner anbringen lassen.
Gut 700 Meter weiter, in der Suite 330 des Rosewood-Hotels, stellt die Konkurrenz ihre Produkte aus. Hinter einem Tisch mit Wraps, Obstsalat und Croissants ist dort eine schwarze
Kamikazedrohne vom Typ HX-2 zu sehen. Gebaut wird die
HX-2 von dem deutschen Rüstungskonzern Helsing, der damit die ukrainischen
Streitkräfte beliefert und bald auch einen großen Auftrag der Bundeswehr
erhalten soll.
Das Hotelzimmer dient dem Unternehmen für Präsentationen und Gespräche.
Helsing zeigt hier nicht nur das unbemannte System, sondern auch eine
Präsentation mit einem Bild von der Front und Fotos der laufenden und
anstehenden Projekte. Pünktlich zur Münchner Sicherheitskonferenz hat das Unternehmen
eine Kooperation mit dem Rüstungskonzern Hensoldt verkündet, gemeinsam will
man einen unbemannten Kampfjet bauen.
Die MSC ist keine Rüstungsmesse wie die DSEI in London oder die Milipol in Paris. Aber das Rosewood liegt direkt gegenüber dem Bayerischen Hof,
wo Staats- und Regierungschefs, Außen- und
Verteidigungsminister, Generäle sowie zahlreiche Vertreter von Organisationen
und Unternehmen zusammenkommen. “Die MSC ist ein Ort
für Gespräche”, sagt Gundbert Scherf, CEO von Helsing. Man sei in München mit Regierungen und industriellen Partnern
im Austausch. “Um
vertrauensvolle Kooperationen wie mit Saab oder Hensoldt aufzubauen, und auch um Staaten als Kunden zu gewinnen, braucht es Jahre”, sagt Scherf.





















