Politik

Gewalt-Studie: Epstein und der Backlash der MeToo-Bewegung | ABC-Z

Während sich immer mehr Reiche und Mächtige als beste Freunde von Jeffrey Epstein herausstellen, beugt sich Deutschland über eine neue Studie. Das Ergebnis: Gewalt ist Alltag, und zwar vor allem zu Hause, und vor allem gegen Frauen. Die Täter sind meist Partner oder Ex-Partner, die Opfer ihnen ausgeliefert. Auch deshalb folgt fast nie eine Anzeige.

Prügelnde und vergewaltigende Männer können sich also ziemlich sicher fühlen. Weil die Opfer zu abhängig sind, um sich zu wehren. Aber auch, weil die Gesellschaft männliche Besitzansprüche auf Frauen und ihre Körper nach wie vor als etwas Gottgegebenes hinzunehmen scheint.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Genau das hat auch Jeffrey Epstein geschützt, der über Jahrzehnte Mädchen missbraucht und weggeschmissen hat, ohne dass irgendwer Fragen gestellt hätte. Nur dass wir hier nicht vom Frauenschläger von nebenan reden, sondern von einem Multimillionär mit Privatinsel und unerschöpflichen Mitteln, um Opfer und Zeugen einzuschüchtern. Präsidenten und Minister, Prinzen und Prinzessinnen, Großdenker und Visionäre, sie alle haben nicht nur weggeschaut, sondern auch noch Sprüche gemacht – oder freundliche Fotos nebst kindlichen Mädchen in Trägertops.

Wenn einige, besonders mutige dieser Mädchen es wagten, das Unrecht anzuprangern, dann glaubte man lieber dem Täter. Was ist schon die Würde eines Mädchens gegen die geballte Macht der Weltelite?

Von allein wird es höchstens schlechter

Es sind überall dieselben Mechanismen, die Frauen zum Schweigen bringen. Egal ob der Tatort ein Palast oder eine Bruchbude ist, egal ob eine schillernde Gästeliste oder ein ordentlicher Vorgarten das Grauen tarnt. Die Scham hat trotz Gisèle Pelicot und ihres erschütternden Mutes immer noch nicht die Seite gewechselt.

Nun könnte man sagen: Schlimm, aber wird schon besser werden. Was sind 60 Jahre Feminismus gegen 6000 Jahre Patriarchat? Aber von allein wird es höchstens schlechter. Dafür muss man nur mal auf Tiktok gehen, wo schon kleine Jungs von Frauenhassern wie Andrew Tate lernen, wie man Mädchen bricht. Oder vom KI-Bot „Grok“ lernen, wie man Mitschülerinnen in Pornos bastelt. Oder sich gegenseitig in Tötungsphantasien übertrumpfen: „Stell dir vor, wir gucken einen Film in meinem Bett, dann beginne ich dich mit meinem Kissen zu würgen und du stirbst.“

Es sah vielleicht mal so aus, als wären wir in dieser Gesellschaft nicht mehr länger bereit, sexuelle Übergriffe zu dulden. Aber in Wahrheit war die Empörung über MeToo schon immer größer als die Bewegung selbst. Jetzt ist Frauenhass ein Trend. Und ein Mann, der sich sexueller Übergriffe rühmt, amerikanischer Präsident. Auch er ein Freund von Epstein. Statt den Missbrauchsskandal aufzuklären, die Opfer zu schützen und die Täter geordnet zur Rechenschaft zu ziehen, leert er die drei Millionen Seiten Epstein-Akten aus wie Müll.

In den USA haben die so offengelegten Verstrickungen bisher keinerlei Konsequenzen. In Europa schon. Die Europäische Union lässt auch Elon Musk, Mark Zuckerberg und die Tiktok-Chefs nicht einfach davonkommen mit der Gewaltverherrlichung auf ihren Plattformen. Das macht Hoffnung. So wie auch die Studie der deutschen Regierung Hoffnung macht, die sich nicht damit abfindet, dass Gewalt hinter verschlossenen Türen unsichtbar bleibt.

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