Rubio garniert seine Rede mit netten Worten – dann kommt die Klatsche | ABC-Z

Das weiche Gesicht der Trump-Administration: So wird der 54-jährige Außenminister Marco Rubio in vielen Hauptstädten Europas gesehen. Er gilt als überzeugter Transatlantiker, als klassischer Republikaner. Kein MAGA-Trompeter. Umso größer die heimliche Erleichterung in Europa, als klar wurde, dass Rubio anstelle von Vizepräsident JD Vance zur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) kommen würde. Und das, obwohl bekannt ist, dass Rubio seinem Dienstherrn Donald Trump treu ergeben ist.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Über seine Rede war im Vorfeld viel spekuliert worden: Würde er wie Vance vor einem Jahr den Europäern den Kulturkampf erklären? Ihnen die Moral-Leviten lesen? Eher nicht, so war der Eindruck unter vielen Politikern – Rubio sei nicht so. Ein Bekenntnis zur transatlantischen Partnerschaft – so wie es traditionell auf der MSC ausbuchstabiert wird – schien wahrscheinlicher.
Rubio bei MSC 2026: Beethoven, Kölner Dom und Dante
Als Rubio am Samstagmorgen die Hauptbühne im Hotel Bayerischer Hof betrat, wurde schnell klar: Er würde eine „Ja, aber“-Rede halten. Fast liebevoll erinnerte er an das Europa vor mehreren hundert Jahren, an das kulturelle Erbe von Michelangelo und Dante, an Beethoven und den Kölner Dom. Und die Qualität des amerikanischen Biers habe sich dank Europa ebenfalls „immens verbessert“. Es geht ihm um Wertschätzung für ein gemeinsames Erbe, kulturell, aber auch politisch.
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An den Anfängen der Sicherheitskonferenz, die 1963 vollkommen unter dem Eindruck des Kalten Krieges stand, habe man Seite an Seite gegen den kommunistischen Feind gestanden. Die Kubakrise lag erst wenige Monate zurück. Damals hatte die Sowjetunion versucht, Atomraketen auf Kuba zu stationieren. „Der Sieg war nicht ausgemacht“, sagte Rubio. Mit dem Kollaps der Sowjetunion sei dann eine „Euphorie des Triumphes“ eingekehrt. Doch diese habe zu einer Illusion verleitet: Die Annahme, das „Ende der Geschichte“ sei erreicht, wie der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama schon 1989 festhielt, sei falsch gewesen. Nur noch Demokratien würden demnach nach dem Ende des Kommunismus bestehen. In der Tat hat sich das nicht bewahrheitet. „Eine idiotische Idee“, sagte Rubio in München.
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Rubio warnt vor Folgen offener Grenzen und Klimapolitik
Er blickte durch die Trump-Brille auf all das, was in den Neunziger- und 2000er-Jahren folgte: die Globalisierung, aufgeweichte Grenzen, „die dogmatische Vision von grenzenlosen Gesellschaften“. „Das kam uns teuer zu stehen“, bilanzierte Rubio – um damit das große Aber einzuläuten.
Nach seiner Auffassung haben die westlichen Staaten damit ihre Souveränität abgegeben. Er kritisierte einen grünen „Klima-Kult“, der mit strengen Regeln zur Begrenzung des CO₂-Ausstoßes Unternehmern und Verbrauchern große Lasten auferlege. Anderswo auf der Welt würden Erdöl, Gas und Kohle unvermindert weiter genutzt. Auch die „unkontrollierte Masseneinwanderung“ infolge von offenen Grenzen sei eine Bedrohung. Sie verändere und destabilisiere Gesellschaften im ganzen Westen. Die „Zukunft unseres Volkes“ sei dadurch bedroht. Dass viele westliche Industrienationen wegen sinkender Geburtenraten dringend auf Zuwanderung angewiesen sind, ließ Rubio unerwähnt.

Sein Appell: „Wir haben diese Fehler gemeinsam gemacht. Wir müssen sie jetzt ausräumen.“ Donald Trumps Ideen dazu sind nach dieser Lesart der richtige Weg. Etwa bei der Migration: An der Grenze zu Mexiko sind die Zahlen illegaler Grenzübertritte auf ein Rekordtief gesunken. Allerdings sorgen Bilder von in Internierungslagern festgehaltenen Familien und das skrupellose Vorgehen der ICE-Behörde landesweit für Entsetzen.

Sicherheitskonferenz: Rubio formuliert US-Führungsanspruch
Rubio baute sich in München eine rhetorische Rampe, um am Ende eine Runderneuerung der europäischen Politik einzufordern. Die gemachten Fehler – eine Anspielung auf die Politik der US-Demokraten und traditioneller Parteien in Europa – könne man allein beseitigen. Aber noch lieber würde man es mit Europa gemeinsam angehen, so Rubio. Ein gemeinsames Werteverständnis klang nicht an. Eher die Botschaft: Die USA haben den moralischen Kompass, die Europäer müssten nur noch folgen.
Das ist Rubios Vorstellung, wie sich das transatlantische Verhältnis verändern sollte. Am Vortag hatte Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Rede ebenfalls die Neuausrichtung gefordert. Hier zeigt sich, dass die USA und Deutschland in völlig unterschiedliche Richtungen galoppieren. Merz bleibt bei der traditionellen internationalen Ordnung, bei Multilateralismus, einem Bekenntnis zu den Vereinten Nationen und getroffenen Abkommen. Rubio meint: Die USA geben den Takt vor. Wer sich nicht anschließen mag, droht die Unterstützung zu verlieren oder gar zum Feind zu werden.
Wo Rubio und sein Chef ihre Schwerpunkte sehen, zeigen auch die nächsten Gesprächspartner des Außenministers: Nach der MSC reist er weiter in die Slowakei und nach Ungarn. Die Premiers Fico und Orban gehören zum neurechten Sammelbecken, in dem auch Trumps MAGA-Leute schwimmen.





















