Sicherheitskonferenz: München wird zur Festung – 5000 Polizisten im Einsatz – München | ABC-Z

Neben dem Schutz der Tagungsteilnehmer dürfte das Demonstrationsgeschehen rund um die Sicherheitskonferenz die wohl größte Herausforderung für die Münchner Polizei in diesem Jahr sein. 19 Kundgebungen sind allein für Samstag und Sonntag beim Kreisverwaltungsreferat offiziell angemeldet gewesen, ein Dutzend davon im Kontext der Konferenz. Dazu gehört auch eine Solidaritätsdemo für die Menschen in Iran, zu der die Organisatoren am Samstag 100 000 Teilnehmer auf der Theresienwiese erwarten.
Die Münchner Polizei hat zwar Erfahrung mit Versammlungen von großen Menschenmengen, „aber ich würde nicht sagen, dass es Business as usual ist“, sagte ihr leitender Pressesprecher Thomas Schelshorn: „Die Siko wird von Jahr zu Jahr größer.“ Entsprechend größer werden auch die Aufgaben, welche die hiesige Polizei mit größtmöglicher Gelassenheit bewältigen will. „Aufgrund der weltpolitischen Lage gehen wir von einer erhöhten abstrakten Gefahr aus“, sagte Schelshorn: „Das bedeutet aber auch, dass es keine konkreten Hinweise auf Gefährdungen gibt.“
In diesem Jahr sind rund 60 Staats- und Regierungschefs zu der dreitägigen Zusammenkunft angekündigt. Am Freitag tröpfelten die Gäste nach und nach in den Tagungshotels Bayerischer Hof und Rosewood im Stadtzentrum ein, je nach Wichtigkeit in einer mehr oder weniger großen Autokolonne von dunklen Limousinen, mit mehr oder weniger Polizeibegleitung und mit mehr oder weniger Blaulichtern auf dem Dach.

Angesichts der Politikerdichte ist die nähere Umgebung der Hotels zum Sicherheitsbereich erklärt und abgeriegelt worden, mit Gittern und mobilen Pollern. Weil aber nicht alle Gäste in den beiden zentralen Hotels unterzubringen sind, kommen auch viele zu Fuß von Hotels außerhalb der Sperrzone. Zu diesem Fußvolk zählt beispielsweise die ehemalige britische Premierministerin Theresa May in Leoparden-Pumps und mit drei Hilfskräften, die sie umgeben.


Immerhin haben May und ihre Entourage Akkreditierungskärtchen um den Hals hängen, damit kommen sie problemlos durch die Kontrollposten. Die sind an allen Zugängen zum Promenadeplatz eingerichtet und am Freitagvormittag mit Polizeieinheiten aus Tirol besetzt. Die Münchner Polizei muss sich ja nicht nur um die Siko kümmern und etwa den mit dem Auto chauffierten Gästen den Weg durch die Straßen bahnen, sondern auch das Alltagsgeschäft leisten. Weil für alles zusammen bis zu 5000 Beamte gebraucht werden, hat sich die Münchner Polizei erstmals Verstärkung aus Nachbarländern geholt.
Direkt zu den Tagungshotels Bayerischer Hof und Rosewood gelangt man nur schwerlich. Selbst Anwohner oder Kunden der umliegenden Geschäfte müssen an den Kontrollposten ihre Ausweise vorzeigen und die Taschen öffnen; sie werden mit Detektoren abgesucht wie am Flughafen. Autos ohne sichtbaren Durchfahrtsschein werden bereits bei der Einfahrt vom Altstadtring in die Pacellistraße angehalten und kontrolliert; einige müssen gleich wieder umkehren.

Um den Promenadeplatz herum sind die Parkplätze für die Einsatz- und Shuttlefahrzeuge reserviert, andere Autos wurden in den Tagen zuvor abgeschleppt. Gullys und Kanaldeckel sind längst versiegelt, vorsichtshalber war die Polizei auch mit Suchhunden unterwegs. Zu Demonstrationszwecken für die anwesenden Fernsehteams zeigte am Freitagvormittag die Polizeihündin Luna, was sie kann: Sie erschnüffelte ein Tütchen mit dem militärischen Sprengstoff PETN, der zuvor in der Stoßstange eines Autos versteckt worden war. Von den Hoteldächern aus beobachteten Scharfschützen und andere Beamte der Polizei die ganze Zeit, was sich unten auf den Straßen tut. Oder oben in der Luft.





















