Bayern in Berlin: Warum die Bavaria und andere bei der Berlinale eine große Party geben – Bayern | ABC-Z

Eigentlich ist die Stimmung in der Branche nicht so toll. Die Reform, die der Bund in Sachen Filmförderung vorangebracht hat, kommt spät. Wie sie umgesetzt wird, das ist immer noch nicht geklärt – viele laufen hier schon auf dem Zahnfleisch – Produzenten, Regisseurinnen, Talente aller Gewerke. Doch die Bayern? Die feiern! Ganz vorne mit dabei: die Bavaria Filmstudios, beheimatet in München-Grünwald.
Vor der Pandemie hat sich die Bavaria gelegentlich mal einen kleineren Cocktail-Empfang im Rahmen des Berliner Filmfests geleistet. Danach war Party-Pause. Jetzt aber hat die Bavaria es gleich mal parallel zur Eröffnung im Berlinale-Palast am Donnerstagabend krachen lassen. Sie hat eingeladen in den Prince Charles Club, der sein Zuhause hat im ehemaligen Mitarbeiter-Schwimmbad der Bechstein-Klaviermanufaktur in Kreuzberg. Bar und Dancefloor sitzen dort buchstäblich im trockengelegten Pool.
Wer pünktlich kam, stand sagenhafte anderthalb Stunden in der Schlange vor dem Eingang im winterlich kalten Berliner Nieselregen – zusammen mit Stars wie Johann von Bülow, der gerade in „Diese entsetzliche Lücke“ brilliert und dem „Mission Impossible“-Bösewicht Gabriel alias Esai Morales, den vor lauter Frieren hier kaum einer erkannte. Das Warten hat sich gelohnt, meinen aber alle, die durchgehalten haben, und das ist ganz im Sinne der Bavaria.
Denn die Studios haben viel vor. Nachdem sie jahrzehntelang dauergebucht von verlässlichen deutschen Serienproduktionen ihrem Geschäft nachgegangen waren, standen sie in der Wahrnehmung durch internationale Produktionsfirmen nicht gerade ganz oben. Aber jetzt will man sich im Süden Münchens bekanntlich erneuern, braucht gewaltige Investitionen für die Modernisierung der Infrastruktur und zusätzliche Studiobauten. Die finden schlecht zu einem, wenn man unter dem Radar fliegt. Da kann es kein Fehler sein, einmal ordentlich einen draufzumachen, wo eh schon alle Film-Welt zusammengekommen ist.
Auch an anderer Stelle feiern die Bayern in Berlin. Die Constantin Film belegt im Borchardt – dem nach wie vor wichtigsten Lokal der Republik – am Eröffnungsabend traditionell den kompletten inneren Kreis der weiß eingedeckten Tische. Der Sender Romance TV, ebenfalls mit Sitz in Grünwald, feiert seit 15 Jahren am Tag vor dem Auftakt seine Verleihung der „Blauen Blume“ in Berlin. Heuer zum ersten Mal abends und ebenfalls mit einer großen Party im Frederick’s, einer Location, gleich in unmittelbarer Nähe zum Festivalzentrum.
Zu den Gewinnerinnen dieser Competition des „Romantischen Kurzfilms“ gehört in diesem Jahr die Absolventin der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen, Christina Schmid, für „Selma“. Aus der Liebesgeschichte zweier Frauen im Berlin der 1930er-Jahre vor dem Hintergrund des aufkommenden Nationalsozialismus möchte sie bald einen Langfilm machen.
Auch dabei dürfte dann wieder eine bayerische Institution eine tragende Rolle spielen, deren Feste so unabdingbar zur Berlinale gehören, wie das Salz zur Brezn: das Weißwurst-Frühstück des Film-Fernsehfonds (FFF) in der Bayerischen Landesvertretung. Auch in diesem Jahr traf dort wieder die Alpen-Karawane ein, von Oliver Berben über Jutta Speidel bis zur BR-Intendantin Katja Wildermuth.
Der Nachwuchsproduzentenpreis der Verwertungsgesellschaft von Filmrechten VGF, mit Sitz in München versteht sich, wird in diesem Rahmen ebenfalls immer feierlich übergeben. In diesem Jahr an den Film „Zweigstelle“, der beim Filmfest München schon den BR- und SZ-Publikumspreis gewonnen hatte, und dank dessen sich jetzt auch Maxi Schaffroth, Luise Kinseher und ein Dutzend weiterer bayerischer Schauspieler an dieser Art von Berlinale-Erfolg erfreuen können.

Maria Furtwängler wiederum kam 2026 persönlich zum FFF-Empfang, um eine ernstere Botschaft zu übermitteln. Sie hatte die Ergebnisse der jüngsten Studie im Gepäck, die ihre Stiftung Malisa mitfinanziert hat. Sie widmet sich Männlichkeitsbildern, Social Media und der politischen Orientierung bei Jugendlichen und jungen Männern.
Über diese Studie wird noch viel zu reden sein. Sie zeigt nicht nur auf, wie und welche Propaganda in den sozialen Medien wirkt. Sie gibt auch Ideen an die Hand, wie wenigstens ein Stück weit dagegen zu kämpfen wäre. Und zwar auch mithilfe von Filmen. Die könnten dann natürlich auch aus Bayern kommen, wenn man wieder einmal was zu feiern haben möchte – in Berlin.





















