Ratgeber

Neue Bücher für Städtereisen: „Rom für Fortgeschrittene“ und „Zu Gast in Rom“ – Reise | ABC-Z

Christina Höfferer beginnt ihren Rom-Spaziergang ein wenig überraschend mit moderner Architektur. Was sie immer wieder fasziniere an der Stadt, seien die architektonischen Brüche und Kontraste, das Alte neben dem Neuen, das Renovierte neben dem sich selbst Überlassenen. Rom ist städtebaulich eben weitaus mehr als das traute Nebeneinander aus Antike und Renaissance.

Das Raumkonzept im Museum Maxxi ist innovativ. Und die Piazza davor ist der Treffpunkt für das ganze Viertel. (Foto: Jesper Storgaard Jensen)

Speziell der Stadtteil Flaminio nördlich des historischen Zentrums hat sich in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten verwandelt von einem reinen Wohnviertel für Bessergestellte, wohin Bewohner anderer Stadtteile kaum einen Fuß gesetzt haben, in ein agiles Kulturquartier. Das von der Architektin Zaha Hadid entworfene Museo nazinale delle arte del XXI secolo für zeitgenössische Kunst, kurz Maxxi, wurde dort 2010 eröffnet. Mitte der Neunziger bereits wurde in unmittelbarer Nähe das Auditorium Parco della Musica Ennio Morricone errichtet, der Architekt ist Renzo Piano. Beides sind Orte, die aufgrund ihrer offenen Architektur und ihrer Standorte in zugänglichen Anlagen Leute auch dann anlocken, wenn sie keinen Museums- oder Konzertbesuch vorhaben. Und die in erster Linie von den Römern selbst genutzt werden.

Christina Höfferer, Jesper Storgaard Jensen : Rom für Fortgeschrittene. Styria Verlag, Wien/Graz 2025. 192 Seiten, 30 Euro.
Christina Höfferer, Jesper Storgaard Jensen: Rom für Fortgeschrittene. Styria Verlag, Wien/Graz 2025. 192 Seiten, 30 Euro. (Foto: Styria Verlag)

Bereits in diesem Auftaktkapitel lösen Höfferer und der Fotograf Jesper Storgaard Jensen ein, was der Titel ihres Buches verheißt: „Rom für Fortgeschrittene“. Das klassische Besuchsprogramm – Kolosseum, Pantheon, Trevi-Brunnen, die Vatikanischen Museen, die Spanische Treppe – spielt bei ihnen keine Rolle. Das Buch richtet sich an Menschen, die all das mindestens schon einmal gesehen haben. Und die, wenn sie erneut nach Rom kommen, keinen Ratgeber mehr brauchen, sofern sie einige dieser Sehenswürdigkeiten noch einmal besichtigen wollen. Sondern an solche Besucher, die bereits vertraut sind mit der Stadt, die tiefer eintauchen und mehr kennenlernen möchten, als es das sogenannte Pflichtprogramm ermöglicht.

Die Autorin fokussiert dabei stark auf das kulturelle Leben der Stadt. Nach einem erhellenden historischen Schlenker über das komplizierte Verhältnis der antiken jüdischen Gemeinde zum Römischen Reich, wo deren Mitglieder einerseits als älteste Diaspora eine neue Heimat gefunden haben, das andererseits jedoch den Tempel in Jerusalem zerstört hat, wendet sich Christina Höfferer wieder der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit zu. Sie schreibt über das italienische Kino und die Filmstudios in Cinecittà, über Orte der Literatur und der Musik. Meistens geht es ihr dabei nicht um das ganz Offensichtliche, das Naheliegende – also eben nicht um Anita Ekberg im Trevi-Brunnen. Sie lockt ihr Publikum lieber in die Casa del Cinema in der Villa Borghese, wo jeden Tag Klassiker vor allem des italienischen und europäischen Kinos zu sehen sind. Oder zu den Benediktinermönchen im Kloster Sant’Anselmo und ihren gregorianischen Chorälen.

Es muss nicht immer Pizza sein: eine Kabu-Rübe in Mandelsauce, serviert in der Weinbar L’Antidoto in Trastevere.
Es muss nicht immer Pizza sein: eine Kabu-Rübe in Mandelsauce, serviert in der Weinbar L’Antidoto in Trastevere. (Foto: Andrea Di Lorenzo)

Und weil zur Lebensart unbedingt auch gutes Essen gehört, gibt es in Christina Höfferers Buch – etwa in der Mitte, als eine Art Mittagspause bei der Lektüre – auch ein Kapitel über die Kulinarik in Rom. Vertiefend einsteigen kann man in dieses Thema mittels eines zweiten Buches, „Zu Gast in Rom“ des Autors Stefan Maiwald und des Fotografen Andrea Di Lorenzo. Die beiden stromern durch die Restaurants, Osterien, Weinbars und Bäckereien der Stadt, auf der Suche nach gutem Essen und guten Getränken an gemütlichen Orten. Sie kommen ins Gespräch mit den Wirten und Köchen, die immer auch ein oder zwei Rezepte zur Verfügung stellen, die in dem Buch ebenfalls abgedruckt sind.

Stefan Maiwald, Andrea Di Lorenzo : Zu Gast in Rom. Callwey Verlag, München 2025. 240 Seiten, 45 Euro.
Stefan Maiwald, Andrea Di Lorenzo: Zu Gast in Rom. Callwey Verlag, München 2025. 240 Seiten, 45 Euro. (Foto: Callway)

Es geht immer wieder auch um die gehobene und sogar die Spitzengastronomie. Vor allem aber geht es Maiwald um das Besondere – um besondere Qualität, um Geschmack, um Genuss. Und nicht bloß ums schlichte Sattwerden. So gibt es in Rom mancherorts raffiniertes Streetfood, das man nicht an jeder Ecke bekommt. Oder ein Restaurant, „Eggs“, in dem Carbonara in 15 Varianten angeboten wird. Man findet auch Läden, die gute Hausmannskost anbieten, gebratene Kutteln zum Beispiel und geschmorten Schweinebauch.

Es muss nicht immer ein hippes Café sein.
Es muss nicht immer ein hippes Café sein. (Foto: Andrea Di Lorenzo)

Beide Bücher plädieren dafür, sich Zeit zu nehmen, auch wenn man nur wenige Tage in der Stadt ist. Sich treiben zu lassen, offen zu sein für spontane Entscheidungen und für Verlockungen, die des Wegs kommen. Anstatt einen Plan abzuarbeiten. Weshalb sowohl Stefan Maiwald als auch Christina Höfferer richtigerweise darauf verzichten, selbst Routen vorzuschlagen oder auch nur darauf hinzuweisen, dass, wenn man schon mal hier sei, man gleich auch noch dorthin solle. Vielmehr versetzen sie ihre Leserinnen und Leser in eine Stimmung, in der man einen Rom-Besuch vollauf genießen kann. Weil man seine Orte schon finden wird, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt läuft, anstatt stets nur in Bewertungsapps zu glotzen.

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