Milano, Cortina, Rosenheim: Mode- und Stilnews der Woche – Stil | ABC-Z

Der 1224-Meter-Schuh
Modisch gesehen sollten die Winterspiele eigentlich immer in Italien stattfinden (und die im Sommer halt in Paris). Eine Nationalmannschaft in Armani (ok, EA7), Alberto Tomba als Botschafter (siehe unten) und Kooperationen, die man tatsächlich sofort tragen will: Autry hat seinen Namen von Jim Autry, der in den Achtzigern einen Tennisschuh entwarf. 2019 wurde die Marke dann von vier Italienern wiederbelebt, natürlich mit jenem Tennisschuh, der seitdem als Vintage-Sneaker überall unterwegs ist. Mehr und mehr kommen aber auch neue Modelle hinzu, etwa „Malga“ – nicht zu verwechseln mit Maga – der erste Winterstiefel von Autry. Wie gemacht für Menschen, die sonst nie Winterstiefel kaufen, weil sie ihnen entweder zu funktional oder zu modisch gewollt daherkommen. Malga verbindet klassisches Veloursleder im Alpin-Stil mit Cordura-Nylon bei den seitlichen Einsätzen und transportiert die Retro-Ästhetik der Marke damit gelungen in den Schnee. Neben „St. Moritz“ und „Courchevel“ gibt es aus Anlass der Olympischen Winterspiele auch die Version „Cortina“ in kastanienfarbenem Wildleder mit roten Schnürsenkeln. Kann natürlich genauso gut in allen anderen Orten, die nicht auf 1224 Metern liegen, getragen werden.
Rosenheimer Zahnpasta
Haarwachs-Shampoo und Zahnweiß-Cremes gehören zu den Produkten, an denen seit Jahrzehnten akribisch geforscht und für die noch mehr Marketing gemacht wird. Denn im Erfolgsfall oder gar mit einer neuen Wunderformel würden diese Sachen ihren Erfindern einen Geldregen versprechen. Leider ist in beiden Fällen unklar, ob es überhaupt eine Wunderformel zur heimischen Anwendung gibt und ob sie im Labor zu entdecken wäre. Was nun die weißen Zähne angeht, so gibt es aber immerhin einen fachlichen neuen Vorstoß, und zwar aus unerwartet regionaler Richtung: Der Rosenheimer Zahnarzt Oliver Spitz hat mit Eleven Eleven eine hochmoderne Zahnpflegeserie vorgestellt, in der sich Erkenntnisse aus Zahnmedizin, Prophylaxe und Kosmetik ideal ergänzen und für schönere Zähne sorgen sollen. Auf Titandioxid, Parabene und Mikroplastik verzichtet die neue Zahnweiß-Creme, stattdessen setzt das Produkt auf den Wirkstoff Kalziumperoxid, mit dem oberflächliche Verfärbungen schonend aufgehellt werden sollen. Natriumfluorid sorgt gleichzeitig für Schutz und Remineralisierung der Zähne und macht die Zahnpasta mit ihrem herben Minzgeschmack zum alltäglichen Begleiter im Badezimmer. Ergänzt wird die Zahnpflege durch eine Mundspülung und Spezialzahncremes für Rotwein- und Kaffeeverfärbungen und zur dezidierten Zahnfleischpflege. Schöner lächeln Made in Oberbayern – vielleicht wirkt’s.

Roter Teppich, grün gedacht
Na gut, es gab Nieselregen, die Hollywoodstars machten sich rar – aber bei der Eröffnung der Berlinale 2026 muss man eben auch auf die inneren Werte schauen. Das betrifft nicht nur das Programm des Filmfestivals, das sich als politischer versteht als andere und mit dem Film „No Good Men“ der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat passend startete. Es betrifft auch den Red Carpet, rein äußerlich ein gewöhnliches Exemplar seiner Gattung, sehr groß, sehr rot und von einem festlichen Leuchten, das die Kleider von Jella Haase (apfelgrün) oder Oscar-Preisträgerin Michelle Yeoh (champagnerfarben plus Glitzer) anlassgemäß in Szene setzte. Sogar die locker sitzenden Comfy-Hosen von Matthias Schweighöfer sahen vor diesem Hintergrund ein bisschen glamourös aus. Im Kern ist der Berlinale-Teppich, geliefert aus Denkendorf bei Stuttgart, aber ein kleines ökologisches Wunder, wie der Hersteller Object Carpet mitteilt, der übrigens auch viele Teppichböden für zu Hause im Sortiment hat. Während herkömmliche Bodenbeläge oft aus bis zu 20 unterschiedlichen Komponenten bestehen, was eine Wiederverwertung kompliziert macht, setzen die Schwaben auf strenges Sparen bei den Materialien, einen leicht lösbaren Kleber und Garne aus alten Fischernetzen. Das ermögliche ein effektives Recycling, was angesichts der geringen Lebensdauer umso sinnvoller erscheint. Zwar spazieren bis zu 100 000 Besucher über den Teppich, aber am 22. Februar ist es schon wieder vorbei mit der Kinomagie in Berlin. Einfach wegwerfen wäre schade.

Bombastische Winterspiele
Hoffentlich verrät Alberto Tomba irgendwann in ein paar Jahren, wie viele Botschafteranfragen ihn zu den Olympischen Winterspielen von Mailand/Cortina 2026 erreichten. Ist ja auch ein Nobrainer: zweimal Gold 1988, einmal 1992, größte italienische Skilegende, außerdem mit dem coolsten Beinamen „Tomba la Bomba“, jetzt endlich Olympia in der Heimat. Als Fackelträger- beziehungsweise Feuerspender war der 59-Jährige bei der Eröffnungsfeier entsprechend gesetzt, darüber hinaus dürfte er massenhaft weitere Angebote bekommen haben. Entschieden hat er sich letztlich für Ferragamo. In der „Legends, Reimaginated“-Kampagne trägt er den handgemachten Tramezza-Schuh der italienischen Marke aber nicht nur. In einem Video macht er damit noch eine Art Trocken-Abfahrt eines seiner berühmtesten Rennen und tut so als wären die Ledersohlen die Kanten der Skier. Bombastisch. Außerdem wirbt er aktuell noch für Napapijri. Der Markenname klingt zwar Finnisch (und heißt „Nordpol“), gegründet wurde das damalige Familienunternehmen aber in Aosta, und zwar 1987 – im gleichen Jahr wie Tomba sein erstes Weltcup-Rennen gewann. Da wird einem doch gleich noch wärmer ums Herz im dicken Anorak. Noch lieber hätten wir den Mann übrigens in den tollen Designs von Martine Rose für Napapijri gesehen.

Was Pflege und Posteingang gemeinsam haben
Diejenigen unter uns, die ihre Postfächer immer brav aufräumen und dort nie fünfstellige Zahlen an Mails horten, wird dieser Vergleich sofort „abholen“, wie man heute so sagt: „Stell dir vor, du hast 10.000 E-Mails – sie stehen für die abgestorbenen Hautzellen. Körnige Peelings löschen nur die Mails von heute. Ein flüssiger Exfoliant räumt den gesamten Posteingang aus.“ Das Zitat stammt von Claire Byrne, Hautwissenschaftlerin und Chefentwicklerin der Marke Trinny London. Gemeint sind „Leave on“-Peelings, die weit über normale Peelings hinausgehen sollen. Sie minimieren die Talgproduktion, verfeinern und sind gleichzeitig mit pflegenden und feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen ausgestattet. Die Exfoliants gibt es in drei verschiedenen Ausführungen, je nach Hauttyp und gewünschtem Ergebnis. Braucht es das wirklich, wenn man eh schon normale Reinigung, Serum und Pflege benutzt? Natürlich gibt es auch dafür einen Vergleich: Auf einem staubigen Tisch hilft anschließend die beste Politur nicht.





















